Laut  einer aktuellen Studie des ifo Instituts für die Bertelsmann Stiftung wird Deutschlands Wirtschaft in den kommenden 15 Jahren deutlich langsamer wachsen als in der Vergangenheit. Grund hierfür ist der sich verschärfende Mangel an Arbeitskräften aufgrund des demografischen Wandels.

Das ifo Institut hat zwar seine Prognose vom Frühjahr für das Wirtschaftswachstum 2019 in Höhe von 0,6 Prozent bestätigt, jedoch betont der Leiter der ifo Konjunkturprognosen Timo Wollmershäuser, dass die konjunkturelle Entwicklung gespalten ist.

Wirtschaftspolitiken, die über Abschottung, Sanktionen und Androhungen versuchen, die globalisierte Wirtschaftsordnung zu verändern, haben die Verunsicherung weltweit steigen, die Industriekonjunktur abkühlen und den Welthandel einbrechen lassen, sagt Wollmershäuser.

Unter der Annahme, dass die damit verbundenen vielfältigen Risiken nicht eintreten, sollten sich aber  die deutschen Ausfuhren im nächsten Jahr wieder normalisieren und um 3,8 Prozent steigen.

Allerdings mehren sich die Anzeichen, dass sich die industrielle Schwäche allmählich über den Arbeitsmarkt und tiefe Wertschöpfungsketten auch auf die Binnenkonjunktur überträgt, fügt Wollmershäuser hinzu. Auch deshalb nahm das ifo die Prognose für das kommende Jahr um 0,1 Prozentpunkte auf 1,7 Prozent herunter. Rechnet man die überdurchschnittlich vielen Arbeitstage 2020 heraus, liegt das Wirtschaftswachstum dann nur noch bei 1,3 Prozent.

Damit geht die deutsche Wirtschaft ohne Schwung in das kommende Jahr, sagt Wollmershäuser.

 

Arbeitskräfte-Mangel bleibt weiterhin ein großes Problem

Der Rückgang der Arbeitslosigkeit verlangsamt sich spürbar. Die Anzahl der Arbeitslosen dürfte von 2,25 Millionen in diesem Jahr auf 2,19 Millionen im kommenden Jahr sinken. Das sind 4,9 beziehungsweise 4,8 Prozent der Erwerbspersonen. Auch der Beschäftigungsaufbau verliert an Fahrt. Die Verbraucherpreise werden um 1,5 und um 1,8 Prozent steigen. Der Finanzierungsüberschuss des Staates (Bund, Länder, Gemeinden, Sozialversicherungen) sinkt von 48,7 auf 31,7 Milliarden Euro. Der viel kritisierte Überschuss der deutschen Leistungsbilanz sinkt weiter von 7,0 auf 6,9 Prozent der Wirtschaftsleistung.

Besonders schlecht abschneiden dürften strukturschwache Bundesländer wie das Saarland, Sachsen-Anhalt oder Mecklenburg-Vorpommern, sagt Joachim Ragnitz, stellvertretender Geschäftsführer der Niederlassung Dresden des ifo Instituts. Ganz vorn erwarten wir beim Wirtschaftswachstum bis 2035 die Stadtstaaten Berlin und Hamburg sowie Baden-Württemberg und Bayern. Die regionalen Unterschiede bei der Wirtschaftskraft sowie beim Lebensstandard werden in den kommenden Jahren somit deutlich zunehmen. Man muss sich von der Vorstellung verabschieden, dass regionale Wohlstandsunterschiede in überschaubarer Zeit abgebaut werden können. Auch die Schere zwischen Ostdeutschland und Westdeutschland wird sich deswegen nicht weiter schließen.

Foto: Pixabay

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