Gründerinterview: Logistikunternehmen haben zunehmend die Herausforderung Servicelevel und Kosten unter einen Hut zu bekommen

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Das Aachener Start-up Ducktrain stellt semi-autonome Fahrzeuge für Logistikdienstleistungen her. Der von dem Unternehmen konzipierte “Entenzug” besteht aus bis zu fünf leichten Elektrofahrzeugen, die miteinander gekoppelt sind und das Ladevolumen eines herkömmlichen Transporters in die Städte befördern. Im Zustellbezirk vereinzelt sich der Ducktrain auf den letzten 100 bis 500 Metern und einzelne Ducks bringen die Pakete zur Haustür. Der Ducktrain lenkt und fährt dabei selbstständig, indem er automatisch dem Zusteller folgt, der entweder zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs ist.

Gründerinterview: Logistikunternehmen haben zunehmend die Herausforderung Servicelevel und Kosten unter einen Hut zu bekommen
Co-Founder und CEO, Dr. Kai D. Kreisköther

Natalia Jakubowska, Trans.iNFO: Was genau macht Ihr Start-up?

Dr. Kai D. Kreisköther, Co-Founder und CEO von Ducktrain: Kleiner als Lieferfahrzeuge und gleichzeitig 30 Prozent effizienter als Cargobikes ist Ducktrain die nachhaltige Technologieplattform für die urbane letzte Meile Logistik der Zukunft, welche als „Vehicle as a Service“ Modell Logistikinfrastruktur für urbane Räume zur Verfügung stellt.

Was für ein Problem wird durch Ihr Produkt gelöst? Welche Nachfrage wird damit gedeckt?

Das Logistikvolumen – insbesondere das städtische – wächst gemeinsam mit dem eCommerce erheblich. Gleichzeitig mangelt es in Städten an Parkplätzen und Zufahrtbeschränkungen machen Lieferanten das Leben schwer. Logistikunternehmen haben daher zunehmend die Herausforderung Servicelevel und Kosten unter einen Hut zu bekommen.

Mit dem Ducktrain haben wir ein elektrisches, automatisiertes Logistikfahrzeugsystem entwickelt, das die Logistik mit leichten Fahrzeugen auf eine neue Effizienzstufe hebt und die Notwendigkeit konventioneller Lieferfahrzeuge in den Städten eliminiert. Unsere Kunden sind Paket- und Logistikdienstleister, die mit dem Ducktrain nicht nur bis zu 30 Prozent ihrer operativen Kosten in der Zustellung einsparen können, sondern gleichzeitig auch die Innenstädte nachhaltig entlasten, da weniger Fläche (Straßen, Parkraum) benötigt wird.

Unsere Technologie wächst mit dem in den nächsten Jahren sich weiterentwickelnden Automatisierungsgrad (Technologie, rechtlicher Rahmen) mit – die Fahrzeuge sind upgradefähig. Für unsere Kunden ist die Entscheidung für Ducktrain damit gleichzeitig risikoarm und gleichzeitig hochinnovativ.

Was ist Ihre Zielgruppe?

Wir adressieren drei Marktsegmente:

Erstens klassische e-Commerce-Sendungen, also Pakete, die bspw. von DHL, Hermes oder Amazon in den Städten zugestellt werden.

Zweitens „Grocery“, d.h. bspw. der Wocheneinkauf Lebensmittel und Drogerieartikel, der bspw. von REWE, DM oder PicNic bis an die Haustüre geliefert wird.

Drittens „Urbane Stückgutlogistik, welche sowohl B2C (bspw. IKEA Home Delivery) wie auch klassiches B2B (bspw. Belieferung des stationären Handels in den Innenstädten durch Speditionen) umfasst.

Inwiefern entspricht das Produkt den aktuellen Markttrends?

Städte sollen immer grüner werden und in dem Zuge muss der Verkehr geringer werden. Sowohl die Anzahl der Fahrzeuge wie auch die Größe der Fahrzeuge soll dabei reduziert werden. Mit dem Ducktrain haben wir eine Transporttechnologie entwickelt, die so nachhaltig ist wie ein Cargo Bike, aber gleichzeitig so effizient wie ein konventionelles Lieferfahrzeug.

Wann und wie sind Sie auf Ihre Gründungsidee gekommen?

Seit 2011 setze ich mich beruflich mit dem Thema nachhaltige Logistik auseinander. Über viele Jahre habe ich als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der RWTH Aachen im Bereich Elektromobilität geforscht und mich dabei intensiv mit städtischer Lieferlogistik beschäftigt. Für die DHL durfte ich in dieser Zeit an der Entwicklung des Elektrolieferfahrzeuges „StreetScooter“ mitarbeiten und auch mit anderen Partnern aus der Industrie haben wir das Thema intensiv bearbeitet. Dabei war auch die Fragestellung der automatisierten Zustellung immer wieder ein wichtiges Zukunftsthema.

Im Laufe des Jahres 2018 hat sich auf der Basis dieser Arbeit gemeinsam mit Kolleg*innen die Idee für Ducktrain konkretisiert, die im Herbst 2018 dann in der Firmengründung mündete.

Welche Art von Wissen hatten Sie in diesem Bereich während der Gründung Ihres Startups? Und wie haben Sie Ihr Produkt überprüft?

Aus unseren vorherigen Jobs und Projekten kannten wir die Anforderungen der Logistikbranche schon sehr gut. Dennoch haben wir von Beginn an intensiv mit potentiellen Kunden zusammengearbeitet, um unser Produktkonzept zu hinterfragen und neue Ideen für Funktionen zu generieren. Am Anfang anhand von Beschreibungen, Skizzen und Animationen. Seit 2019 dann mittels Prototypenfahrzeugen auf der Teststrecke. Seit März 2021 fahren unsere Prototypenfahrzeuge im Probebetrieb auf der öffentlichen Straße.

Woher kam das Kapital für Ihr Unternehmen?

Wir hatten das Glück durch unseren gemeinsamen vorherigen Arbeitgeber, die PEM Motion sowie den Lehrstuhl PEM der RWTH Aachen, Unterstützung bei der Gründung zu erfahren. So konnten wir das erste halbe Jahr parallel zu unserem bisherigen Job beginnen, Ducktrain aufzubauen. Im Frühsommer 2019 haben wir dann erste kleine Pre-Seed Investitionen erhalten, in 2020 und 2021 sind dann namhafte institutionelle Venture Capital Investoren, u.a. Earlybird, bei Ducktrain eingestiegen.

Was hätten Sie rückblickend in der Startphase anders gemacht?

Noch stärker und konsequenter ein Minimum Viable Product (MVP) bauen, Funktionalität teilweise auch nur simulieren und Prototypen schneller auf die Straße und zu Kunden bringen.

Welche Tipps können Sie anderen Gründer*innen geben?

Sehr früh Kundenanforderungen in der Tiefe verstehen und das eigene Produkt mit echten Kunden validieren. Dabei nicht nur mit Innovationsteams arbeiten, sondern insbesondere mit den Operations Teams bzw. den echten zukünftigen Nutzern.

Was ist die größte unmittelbare Herausforderung für Ihr Unternehmen und wo sehen Sie sich selbst in fünf Jahren?

Aktuell stehen wir vor dem Schritt der Industrialisierung unserer ersten Produktgeneration. D.h. wir haben unser Produkt prototypisch mit Kunden erprobt und validiert und bereiten nun die Serienproduktion sowie die Intensivierung des Sales vor. In fünf Jahren wollen wir bereits mehr als 50.000 Fahrzeuge auf Europas Straßen haben.

Was würden Sie beruflich machen, wenn Sie kein Start-up hätten?

Vermutliche Produktinnovationen im Themenfeld Mobilität und/oder Energie.

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