Gründerinterview: Die Automatisierung von Arbeitsabläufen und Prozessen ist durch den steigenden Fachkräftemangel unumgänglich

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Das in Dresden ansässige Start-up WAKU Robotics wurde Ende 2019 gegründet. Das junge Unternehmen setzt sich das Ziel,  die Automatisierung und Robotisierung in der Logistik voranzubringen. Hierfür bietet WAKU Robotics ein cloudbasiertes Orchestrierungs- und Management-Tool für eine lückenlose Kommunikation zwischen mobilen Robotersystemen an.

Gründerinterview: Die Automatisierung von Arbeitsabläufen und Prozessen ist durch den steigenden Fachkräftemangel unumgänglich
Foto: Tommy Halfter

Natalia Jakubowska, Trans.iNFO:Was genau macht ihr Start-Up?

Victor Splittgerber, CEO & Co-Founder von WAKU Robotics: WAKU Robotics unterstützt internationale Logistik- und Produktionsunternehmen auf ihrem Weg zur Automatisierung mit mobilen Robotern (FTS, AGV und AMR). Dazu bietet WAKU Robotics mit WAKU Sense ein cloudbasiertes Orchestrierungs- und Management-Tool für mobile Robotersysteme an. WAKU Sense verbindet Robotersysteme verschiedener Anbieter, die im Lager zusammen kollaborieren müssen. Dafür steuert WAKU Sense u.a. das Traffic Management und gibt Einsichten in Prozessdaten.
Zudem bietet WAKU Robotics mit LotsOfBots.com die größte Vergleichsplattform für mobile Roboter. Dort finden unsere Kunden über 300 Roboter von über 150 Herstellern. Auch bei der Planung, Implementierung sowie Inbetriebnahme der besten Roboterlösungen unterstützt WAKU Robotics mit dem Beratungsangebot ‘WAKU Consulting’. WAKU beschäftigt Roboter-Experten und -Expertinnen, die Sie bei der Durchführung solcher Projekte unterstützen.

Was für ein Problem wird durch Ihr Produkt gelöst? Welche Nachfrage wird damit gedeckt?

Die Automatisierung von Arbeitsabläufen und Prozessen in Logistik- und Produktionsunternehmen ist durch den steigenden Fachkräftemangel in naher Zukunft unumgänglich. Viele Arbeitskräfte gehen demnächst in Rente (Baby Boomer), es rücken jedoch kaum neue Fachkräfte nach. Um dem Pensum an Aufträgen weiterhin gerecht zu werden und bestehende Arbeitskräfte zu entlasten, setzen viele Unternehmen schon jetzt auf mobile Roboter.Doch für jeden Anwendungsfall, beispielsweise Palettentransport oder Picking, gibt es zahlreiche Roboter von verschiedensten Herstellern. Die Software-Systeme dieser verschiedenen Hersteller kommunizieren nahezu nie miteinander. Dadurch können Aufgaben meist nicht effizient genug ausgeführt werden und es entstehen Insel-Lösungen. Mit WAKU Sense lösen wir dieses Problem. Als herstellerunabhängiger Robot Control Tower ist WAKU Sense in der Lage, Robotersysteme verschiedener Hersteller zu analysieren und zu orchestrieren. Das ermöglicht unseren Kunden das volle Potenzial ihrer Roboterflotte auszuschöpfen.

Was ist Ihre Zielgruppe?

Zu unserer Zielgruppe gehören alle Unternehmen, die darüber nachdenken, ihre Intralogistikprozesse zu automatisieren oder schon damit angefangen haben. Im Kern betrifft dies Logistik- und Produktionsunternehmen jeder Größe.Zu unseren Kunden zählen internationale Player aus den Bereichen Logistik und Produktion, die bereits erste Erfahrungen mit mobilen Robotern gesammelt haben. Dort optimiert WAKU Sense das Zusammenspiel der existierenden Systeme und ermöglicht dem Kunden, weitere Systeme einzusetzen. Damit versetzen wir unsere Kunden in die Lage, neue Anwendungsfälle zu automatisieren.

Inwiefern entspricht das Produkt den aktuellen Markttrends?

Das E-Commerce boomt, weshalb das Erreichen der erforderlichen Auftragsmengen für Logistik- und Produktionsunternehmen zu einer immer größeren Herausforderung wird. Dazu kommt der steigende Fachkräftemangel. Zur Gewährleistung des Fulfillments wird es immer essenzieller, komplexe Aufgaben zu automatisieren.Unternehmen, die mit der Automatisierung beginnen wollen, erhalten auf unserer Vergleichsplattform für mobile Roboter LotsOfBots einen optimalen Überblick. Mit dem umfangreichen Service-Paket von WAKU Consulting werden unsere Kunden sowohl während ihrer ersten Schritte als auch beim professionellen Solution Design optimal unterstützt.
Allen Unternehmen, welche bereits mit der Automatisierung begonnen haben und ihre gesamte Roboterflotte über ein System steuern möchten, ermöglicht WAKU Sense, Geräte verschiedener Hersteller in einem System zu vereinen. Dadurch kann der Verkehr auf der Fläche effizient geregelt, die Auslastung erhöht und der manuelle Aufwand wesentlich verringert werden.

Wann und wie sind Sie auf Ihre Gründungsidee gekommen?

Nach meinem Exit aus dem 2013 gegründeten Start-Up “Green City Solutions”wechselte ich zum Online-Versandhändler Zalando, um als Teamleiter die Logistikprozesse innovativ zu verbessern, so auch mit mobilen Robotern. Schnell fiel mir auf, dass die Roboter-Flotte mit ihren unterschiedlichen Systemen nicht optimal kommunizieren kann, dadurch Fehler und Staus auf dem Shopfloor entstehen. Das führte mich zur Idee einer herstellerunabhängigen Software, welche eine lückenlose Kommunikation zwischen den verschiedenen Robotersystemen gewährleistet. Außerdem musste ich während meiner Zeit bei Zalando immer wieder feststellen, wie schwer es ist, passende Lager- und Transportroboter zu finden. Die Lösung dieses Problems durch eine herstellerunabhängige Vergleichsplattform (LotsOfBots) stand schnell fest. Das Ziel war, die größtmögliche Bandbreite an mobilen Robotern (AGV, AMR & FTS) anzubieten.

Woher kam das Kapital Ihres Unternehmens?

In einer ersten Finanzierungsrunde haben wir namhafte Investoren an Bord geholt. Dazu zählt unter anderem Plug and Play, ein Frühphaseninvestor aus San Francisco, der auch in Paypal, Dropbox und N26 investierte. Auch der TGFS (Technologiegründerfond Sachsen) ist bei uns investiert. Zudem sind auch Business Angels wie Hans-Jürgen Cramer (ehemaliger CEO von Vattenfall Europe) und Franz Humer (Gründer von Agilox) in unser Unternehmen investiert. Mit Pi Labs aus London haben wir zudem auch den aktivsten PropTech-Investor Europas als Investor gewinnen können.

Welche Tipps können Sie anderen Gründern/Gründerinnen geben?

Es ist wichtig, eine Produktidee schnell am Markt zu testen, anstatt sich lange in einem Keller einzuschließen und ein Produkt zu bauen, das am Ende am Markt vorbei entwickelt wurde.
Außerdem ist es gerade im B2B-Markt wichtig, geduldig zu sein und eine gute Beziehung zu potenziellen Kunden aufzubauen. Kunden sind für Startups im B2B-Umfeld oft Entwicklungspartner, mit denen man langfristig zusammenarbeiten muss, um das Produkt zu verbessern und den Kundennutzen zu maximieren.

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