BirdieMatch veröffentlicht den zweiten Gehaltsreport für Logistik-Jobs. Die Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland, Männern und Frauen sowie Ist-Gehältern und Angeboten der Unternehmen.

Als Leiter Supply Chain Management oder Leiter Einkauf verdient man derzeit im Durchschnitt mehr als ein Niederlassungsleiter einer Spedition. Dispositionsleiter, Lagerleiter und Fuhrparkleiter erhalten weniger Gehalt als Mitarbeiter in der IT eines Logistikunternehmens oder im Supply Chain Management. Wer genau wissen will, welche Jobs in der Logistik Ende 2018 wie bezahlt wurden, findet in der neuen Gehaltsstudie von BirdieMatch, dem Job-Matching-Portal für Logistiker, eine Antwort.

Aus dem BirdieMatch-Bestand sind im vierten Quartal 2018 knapp 8000 Kandidatenprofile und mehr als 1000 Vakanzen in die Studie eingegangen. Die Daten wurden anonymisiert und auf Basis der Erfüllung von Qualitätskriterien wie beispielsweise einer hohen Profilvollständigkeit gefiltert. An der Studie maßgeblich beteiligt ist Frau Prof. Dr. Prisca Brosi, Associate Professor of Human Resource Management an der Kühne Logistics University (KLU) in Hamburg.

Die BirdieMatch Job-Matching-Studie ist die einzige Analyse, die sich allein auf Jobs in der Logistik bezieht. Erneut hat das Job-Matching-Portal sowohl Verdienstmöglichkeiten nach Berufsgruppen, Regionen, Erfahrungen, speziellen Skills, Geschlecht und weiteren Kriterien ermittelt als auch analysiert, was Kandidaten neben Gehalt und Jobbeschreibung noch wichtig ist. Allein mehr als 500 unterschiedliche Kenntnisse und Erfahrungsdimensionen nutzt BirdieMatch, um Kandidaten und Unternehmen zusammenzubringen – und für die Studie. Hinzu kommt der Abgleich von Wünschen der Bewerber unabhängig vom Gehalt – so genannten „Heart Skills“ – mit Benefits der Arbeitgeber. Das ist ebenfalls einmalig in der Logistik.

Heart Skills gewinnen an Bedeutung

Fünf Kernaussagen kennzeichnen die Ergebnisse der aktuellen Untersuchung:

– Die Ist-Gehälter der Kandidaten liegen häufig über denen, die von Unternehmen angeboten werden. – In Ostdeutschland sind die Verdienstmöglichkeiten geringer als in anderen Regionen.

– Frauen verdienen in der Regel weniger als Männer.

– Die Arbeitgeber haben die Bedeutung von „Heart Skills“ erkannt, könnten aber ihr Angebot noch deutlich verbessern.

– Unternehmen suchen vor allem Landverkehrsspezialisten.

Die vorangegangene Studie im Vorjahr hatte ergeben, dass die Wünsche der Arbeitnehmer neben Gehalt und Aufgaben prozentual weit über die Zahl der Unternehmen mit solchen Angeboten hinausgingen. Dies ist nun anders: Bedeutend mehr Arbeitgeber gehen mittlerweile auf die „Heart Skills“ ihrer Mitarbeiter ein – allerdings gibt es hier noch Luft nach oben. Dies gilt generell für den Wunsch, von Zuhause aus arbeiten zu können, aber auch bei der detaillierten Betrachtung der Herzenswünsche je Berufsgruppe. Unternehmen haben weiterhin die Möglichkeit, mit passenden Benefits neue Mitarbeiter zu gewinnen. Die Unterschiede in der Priorisierung der Benefits zwischen den Berufsgruppen zeigen, dass Arbeitgeber auch über die Wünsche der jeweiligen Gruppen Bescheid wissen sollten. Dann könnten sie gezielt mit Zusatzleistungen punkten, so Josef Schindler, Geschäftsführer von BirdieMatch.

Wird die gesamte Kandidatengruppe betrachtet, sind den Bewerbern flexible Arbeitszeiten, Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten, Firmenwagen, Homeoffice-Möglichkeiten und eine betriebliche Altersvorsorge am wichtigsten. Dies war in der vorangegangenen Studie fast genauso. Allerdings landeten damals die Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten auf Platz 6 statt auf Rang 2; auf Platz 5 stand Coaching.

Im ersten BirdieMatch-Gehaltsreport führten Importkenntnisse die Top-Ten-Liste der von den Unternehmen verlangten Erfahrungen an, dicht gefolgt von Landverkehrskenntnissen. Nun liegt die Forderung nach Landverkehrskenntnissen an erster Stelle. Der explizite Wunsch nach Importerfahrung taucht unter den ersten zehn Hard Skills nicht mehr auf. Die Übersicht dieser Studie über die meistgefragten Skills hilft, um in Vorbereitung auf den weiteren Berufsweg in der aktuellen Position genau die Erfahrungen zu sammeln, welche am Markt kritisch benötigt werden.

In Ostdeutschland wird noch immer schlechter bezahlt als in anderen Regionen

Bereits die im Februar 2018 veröffentlichte Untersuchung hat gezeigt: In Ostdeutschland wird in der Logistik noch immer schlechter bezahlt als in anderen Regionen. Die regionalen Unterschiede verdeutlichen, dass sich weder Kandidaten noch Unternehmen auf Gesamtdarstellungen verlassen können. Sie müssen sich detailliert auf ihren jeweiligen Kontext einstellen und spezifische Informationen über Gehälter und Benefits in ihrer Region einholen.

Auch die Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen in der Logistik waren erneut in fast allen Bereichen festzustellen. Dies gilt ebenfalls für die Gehaltswünsche von Absolventen eines Studiums oder einer Ausbildung für die erste Festanstellung. Kandidatinnen können sich überlegen, ob sie für Gehaltsverhandlungen ihre Wunschgehälter nach oben anpassen, meint Bernd Vögele, Geschäftsführer von BirdieMatch. Und Unternehmen könnten mit einer gleichberechtigten Bezahlung sowohl weibliche Fachkräfte halten als auch weitere Fachkräfte anlocken.

Dass die von den wechselwilligen Kandidaten angegebenen Ist-Gehälter häufig höher sind als die Angebote der Unternehmen für entsprechende Vakanzen, ist ebenfalls nicht neu. Sowohl Kandidaten als auch Unternehmen sollten sich um realistische Einschätzungen der im Markt üblichen Gehälter bemühen. Insbesondere Unternehmen müssen abwägen, ob sie neben der Gehaltshöhe mit weiteren Aspekten wie beispielsweise Benefits punkten können, um Kandidaten für sich zu gewinnen.

Studie bietet Hilfe für Arbeitnehmer und Arbeitgeber

Frau Prof. Dr. Prisca Brosi sieht in den Ergebnissen des BirdieMatch-Reports Vorteile für Arbeitnehmer und Arbeitgeber.

Erstens geben sie Logistikunternehmen durch den Abgleich ihrer Anforderungen mit dem Angebot von beispielsweise Erfahrungen und Kenntnissen mit bestimmten Verkehrsträgern die Möglichkeit, die am Markt vorhandenen potenziellen Mitarbeiterressourcen besser einzuschätzen. Zweitens bieten sie den Unternehmen durch die Übersicht über Gehälter und Benefits ein besseres Verständnis der Bedürfnisse von potenziellen Kandidaten. Die Adressierung dieser Bedürfnisse ist ein wichtiger Faktor, um Mitarbeiter nachhaltig für das Unternehmen zu gewinnen.

Auch für Bewerber sind die in diesem Report enthaltenen Informationen zu Gehältern, Benefits und Anforderungen seitens der Unternehmen laut Frau Prof. Dr. Brosi gleich doppelt hilfreich:

Zum einen geben sie Bewerbern Transparenz und Vergleichsmöglichkeiten für unmittelbar bevorstehende Entscheidungen über ihren nächsten Arbeitgeber. Zum anderen können sie Mitarbeitern Wege für ihre persönliche Weiterentwicklung aufzeigen und damit berufliche Ziele inspirieren.

Foto: Wikimedia.org

Kommentare

comments0 Kommentare
thumbnail
Um Benachrichtigungen über Kommentare freizuschalten - gehen Sie zu Ihrem Profil