Kurzinterview:Themen wie flexible Arbeitsbedingungen, die zur momentanen Lebenssituation des einzelnen Mitarbeiters passen oder das mobile Arbeiten werden bald das „neue Normal“ sein

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Wenn auf der einen Seite der Arbeitsmarkt für Fachkräfte ausgetrocknet ist und wir auf der anderen Seite viele Menschen haben, die keinen Schulabschluss oder anderweitige fachliche Qualifikationen haben, kann man nicht zufrieden sein, sagt in unserem Interview Dirk Müller von der DPD Deutschland GmbH. Deshalb braucht es ein Bildungssystem, das gute berufsqualifizierende Ausbildung ermöglicht.

Kurzinterview:Themen wie flexible Arbeitsbedingungen, die zur momentanen Lebenssituation des einzelnen Mitarbeiters passen oder das mobile Arbeiten werden bald das „neue Normal“ sein
Foto:DPD Deutschland

Natalia Jakubowska, Trans.iNFO: Europaweit klagen Unternehmen über Fachkräftemangel. Betroffen ist auch die Transport- und Logistikbranche. Welche Erfahrungen haben Sie mit diesem Thema?

Dirk Müller, Chief Human Resources Officer / Chief Legal Officer, DPD Deutschland GmbH:Der Arbeitsmarkt für Fachkräfte hat sich auch für DPD in den vergangenen Jahren massiv gewandelt. So stellen wir heute häufig fest, dass Menschen mit Interesse an einer Tätigkeit bei uns parallel zwei oder drei weitere Jobangebote haben, aus denen sie auswählen können. Dass man sich dann häufig für uns entscheidet, macht uns natürlich stolz auf die DPD Familie. Es ist auch erfrischend zu beobachten, dass gerade jüngere Menschen heute mit einem ganz anderen Selbstbewusstsein auf der Suche nach einer für sie sinnvollen Tätigkeit sind. Da wird bereits im ersten Kennenlerngespräch nach den Möglichkeiten eines Sabbaticals oder den Firmenbenefits gefragt. Da hilft es uns sehr, dass wir seitens DPD hier sehr modern und vielfältig aufgestellt sind.

Macht die Politik Ihrer Meinung nach genug? Welche politischen Strategien könnten das Problem langfristig lösen?

Wenn auf der einen Seite der Arbeitsmarkt für Fachkräfte ausgetrocknet ist und wir auf der anderen Seite viele Menschen haben, die keinen Schulabschluss oder anderweitige fachliche Qualifikationen haben, kann man nicht zufrieden sein. Helfen würden hier Strategien, die sicherstellen, dass in unserem Bildungssystem jeder eine gute berufsqualifizierende Ausbildung erhalten kann. Und dort, wo es mal einen Bruch im Lebenslauf gab, müssen mehr niederschwellige Möglichkeiten geschaffen werden Qualifizierungen nachzuholen oder aufzufrischen.

Und was können Unternehmen machen, damit die Berufe in der Transport- und Logistikbranche wieder ein wenig attraktiver werden?

Nach meiner Einschätzung haben wir in der Transport- und Logistikbranche viele attraktive Berufe. Andere Branchen haben diese zum Teil aber ebenso. In Zeiten des Bewerbermarkts müssen daher die Unternehmen in der Transport- und Logistikbranche vergleichbare Attraktoren wie andere erfolgreiche Branchen aufweisen. Themen wie flexible Arbeitsbedingungen, die zur momentanen Lebenssituation des einzelnen Mitarbeiters passen, oder das mobile Arbeiten werden bald das „neue Normal“ sein. Das wirkliche Problem besteht aus meiner Sicht eher darin, dass sich zu viele Unternehmen um die gleichen Mitarbeiter bewerben. Hier macht es zwar für einzelne Unternehmen kurzfristig Sinn, sich besser als die Mitbewerber oder andere Branchen zu positionieren, dies löst aber nicht das gesellschaftliche Problem an sich. Lösungen für Unternehmen können darin bestehen, dass sie die Anzahl der verfügbaren Mitarbeiter durch Qualifizierungsangebote erhöhen und das Akquirieren von Fachkräften außerhalb des deutschen Arbeitsmarktes intensivieren.

Wie sieht bei Ihnen im Unternehmen der Wettbewerb um junge Leute aus?

Der Wettbewerb um junge Fachkräfte im Unternehmen ist groß. Sie können davon ausgehen, dass sowohl unsere dualen Studierenden wie auch unsere Auszubildenden bereits vor ihren Abschlussprüfungen von den einzelnen Abteilungen zur Übernahme angesprochen werden. Intern fördern wir den Wechsel zwischen den Abteilungen, denn so können Mitarbeitende immer wieder neue Herausforderungen finden und sich weiterqualifizieren, ohne hierfür das Unternehmen verlassen zu müssen. Das ist allerdings nicht nur auf junge Leute beschränkt, sondern erstreckt sich auf alle Altersgruppen. Nach außen versuchen wir uns sowohl von der Art der Kommunikation als auch der verwendeten Kanäle darauf einzustellen, dass es bei den jungen Leuten ein verändertes Verhalten bei der Informationsbeschaffung bezüglich neuer Jobs und der Art der Bewerbung gibt. So ist es heute beispielsweise wichtig, dass eine Personalmarketingkampagne genauso gut auf dem Smartphone funktioniert wie auf einem PC-Bildschirm.

Wie wird sich der Arbeitsmarkt in der Transport- und Logistik in Zukunft entwickeln?

Wenn wir einmal temporäre Dellen in der Arbeitsmarktentwicklung, wie die Corona-Pandemie oder die derzeitige vornehmlich kriegsbedingte Inflationssituation, außer Acht lassen, wird sich der Arbeitsmarkt weiter zu Gunsten der Arbeitnehmer entwickeln und das sogar aus zwei Richtungen: Wir werden mehr Nachfrage bei den Unternehmen in der Transport- und Logistikbranche haben, aber immer weniger Menschen, die einen neuen Job suchen. Geben wird es weiterhin eine starke Nachfrage nach Mitarbeitern, die an körperlich orientierten Tätigkeiten interessiert sind. Zudem werden verstärkt Spezialisten, z.B. im Bereich der IT, mit besonderem Know-how gesucht werden.

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