In der Europäischen Union (EU) ist der Indikator der wirtschaftlichen Einschätzung im Juni 2020 gegenüber dem Vormonat um 8,1 Punkte auf 74,8 Punkte gestiegen.  Nach ersten Lockerungen im Mai zeichnet sich langsam wieder Erholung in der Wirtschaft ab.

Der Indikator der wirtschaftlichen Einschätzung wird im Auftrag der EU-Kommission durch eine EU-weite Befragung erhoben und ist auf ein langfristiges Mittel von 100 skaliert.  Einer jüngsten Auswertung zufolge ist dieser im Juni 2020 gegenüber dem Vormonat um 8,1 Punkte auf 74,8 Punkte gestiegen.  Den Gesamtindikator bilden fünf unterschiedlich gewichtete Vertrauensindikatoren. Sie werden in der Industrie (Gewichtung: 40 %), der Dienstleistungsbranche (30 %), bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern (20 %), im Einzelhandel (5 %) und im Baugewerbe (5 %) erhoben. Infolge der Corona-Krise war der Vertrauensindikator in allen fünf Bereichen im April 2020 auf einen historischen Tiefstand eingebrochen. Nach den ersten Lockerungen im Mai zeichnet sich langsam wieder Erholung in der Wirtschaft ab.

Obwohl der Indikator der wirtschaftlichen Einschätzung in Deutschland im Juni 2020 um 6,6 auf 81,9 Punkte gestiegen ist, bleibt er weiterhin  unter dem Niveau vor der Corona-Pandemie.

Was die restlichen EU-Staaten angeht, hat sich das Wirtschaftsklima bei der Mehrheit verbessert (in 25 von 27 EU-Staaten).  Anstiege von mehr als 10 Punkten verzeichneten dabei Dänemark und die Slowakei (jeweils +12,6 Punkte) sowie Portugal (+11,1) und Polen (+10,7). Spanien und Italien konnten ebenfalls ein Plus von 8,2 Punkten vorweisen sowie im Vereinigten Königreich( Anstieg von 61,7 auf 65,2 Punkte). Verschlechtert hat sich hingegen das Wirtschaftsklima in Griechenland (-0,9 Punkte) und Malta (-0,1 Punkte).

Einkaufsmanagerindex der Industrie geht ebenfalls aufwärts

Umfrageergebnissen zufolge schwächte sich im Juni der Produktionsrückgang in Deutschlands ab. Zum ersten Mal seit langer Zeit wurde eine signifikante Verbesserung der Geschäftsaussichten verzeichnet und der Einkaufsmanagerindex der Industrie war wieder im positiven Bereich.  Zahlreiche Umfrageteilnehmer zeigten sich zuversichtlich, dass sich das Produktionsniveau in der zweiten Jahreshälfte erholen wird. Mehr Unternehmen nahmen ihre Geschäftstätigkeit wieder auf, auch Produktion und Auftragseingang haben einen Schub bekommen. Beim Geschäftsausblick zeigten sich die Hersteller erstmals wieder optimistisch.

Trotz erster Anzeichen der Erholung setzte sich der Stellenabbau vielerorts fort. Darüber hinaus wurde im Export weiterhin ein Minus beim Auftragseingang verzeichnet, wodurch eine stärkere Erholung des Industriesektors ausgebremst wurde.

Schrittweise wieder aufwärts

Den Prognosen des ifo Institut zufolge sollte es in der deutschen Wirtschaft wieder langsam aufwärts gehen. Nachdem die Wirtschaftsleistung im ersten Vierteljahr um 2,2 Prozent zurückgegangen ist und 11,9 Prozent im zweiten Quartal, geht das ifo Institut von einem Wachstum von 6,9 Prozent im dritten und von 3,8 Prozent im letzten Vierteljahr aus.Insgesamt wird die Wirtschaftsleistung in diesem Jahr um 6,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr schrumpfen. Für das kommende Jahr erwartet das ifo ein Wachstum von 6,4 Prozent, sodass die Wirtschaftsleistung Ende 2021  das Niveau vor Corona wieder erreichen könnte.

Positiv hervorzuheben ist, dass es in der Autobranche langsam bergauf geht. Der Erwartungsindikator stieg im Juni auf plus 27,7 Punkte, nach minus 11,9 im Mai, was zeigt,  dass in der Branche wieder ein wenig Optimismus herrscht.

Die Zahl der Arbeitslosen wird im Jahresdurchschnitt von 2,3 Millionen auf 2,7 Millionen steigen. Im nächsten Jahr hingegen wird sie auf 2,6 Millionen sinken. Damit steigt die Arbeitslosenquote von 5,0 auf 5,9 Prozent, um 2021 dann auf 5,6 Prozent zu fallen.

Negativ betroffen werden auch die deutschen Exporte sein, die laut Prognosen des ifo Instituts 2020 um 13,3 Prozent sinken werden. Der Rückgang der Importe wird auf  7,7 Prozent geschätzt. Insgesamt wird zur Folge haben, dass der Überschuss der Leistungsbilanz von 245,2 Milliarden Euro auf 176,2 Milliarden Euro schrumpfen wird, also von 7,1 Prozent der Wirtschaftsleistung auf 5,4 Prozent. Für das kommende Jahr wird aber wieder Wachstum prognostiziert:  Exporte würden 13,4 Prozent zulegen‚ die Importe 7,8 Prozent. Damit erhöht sich der Überschuss in der Leistungsbilanz auf 268,7 Milliarden oder 7,6 Prozent.

Foto:ifo

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