Modility  fungiert als anbieterneutrales Corporate Spin-off und ist ein Buchungs-und Vermittlungsportal,  welches das Ladungsangbot der Spediteure und freie Transportkapazitäten der Operateure zusammenbringt. Das junge Unternehmen will die Zukunft des Kombinierten Verkehrs mitgestalten  und den Einstieg in klimafreundliche KV-Transporte fördern.In unserem Interview erklärt CEO Hendrik-Emmanuel Eichentopf, welche Vorteile der Kombinierte Verkehr als Wachstumssegment in der Logistik bietet und welche Pläne das Start-up für die nahe Zukunft hat.

Natalia Jakubowska, Trans.INFO: Womit genau beschäftigt sich Ihr Startup?

Hendrik-Emmanuel Eichentopf, CEO von modility: Modility ist ein neues offenes Buchungs- und Vermittlungsportal für den Kombinierten Verkehr, das den Zugang zu intermodalen Transporten mit dem Verkehrsträgerfokus Schiene vereinfachen soll. Operateure können Transportkapazitäten über modility vermarkten und Spediteure diese unkompliziert finden und buchen. Damit wollen wir den Einstieg in den KV als CO2-freundlichere Alternative für jeden Interessierten ermöglichen.

Was ist einzigartig an Ihrer Idee?

Mit Blick auf andere Plattformen im Markt gibt es aktuell keine vergleichbare Lösung, denn modility unterscheidet sich in wesentlichen Aspekten. Einerseits ist die Vorgehensweise bei der Entwicklung des Portals zu nennen: Von Beginn an entwickeln wir modility gemeinsam mit repräsentativen Marktteilnehmern, die von der Definition des Geschäftsmodells bis hin zu einzelnen Funktionalitäten im Portal alles mitgestalten können. Darum fungiert modility auch als Vermittler von KV-Transporten, der anders als digitale Speditionen keine eigene Transportverantwortung trägt. Denn unseren Kunden ist es wichtig, dass sie die Verantwortung für die operative Abwicklung weiterhin selbst übernehmen. Andererseits unterscheiden sich auch die Kernfunktionen des Portals von anderen Lösungen im Markt: Wir bieten unseren Nutzern in jedem Schritt Hilfestellung – von der Informationssuche über die Planung bis hin zur Buchung. Ein Spediteur, der einen KV-Transport sucht, kann bei modility passende Relationen aus dem Angebot zahlreicher Operateure auswählen und dabei sofort sehen, ob die Kapazität des Zuges für die Anfrage ausreichend ist bzw. zu welchem Preis ein Transport stattfindet. Der Transport kann dann direkt gebucht werden, ohne auf die Rückmeldung zu einer platzierten Anfrage zu warten. Das Ganze funktioniert ganz einfach im Stil einer B2C-Anwendung für die Flug- oder Hotelbuchung. So schaffen wir erstmals einen freien Zugang zum KV-Markt für alle Spediteure – unabhängig von ihrer Größe oder KV-Erfahrung. Damit modility auch für Operateure attraktiv ist, steht ihnen das Portal als neuer, unabhängiger und anbieter-neutraler Vertriebskanal für Relationen und Kapazitäten offen.

Wann und wie sind Sie auf Ihre Gründungsidee gekommen?

Der Kombinierte Verkehr als Wachstumssegment in der Logistik bietet viele Vorteile, bspw. die 44t-Regelung, die Umgehung des Sonntagsfahrverbots oder das Einsparpotenzial von CO2-Emissionen.Diese Vorteile werden bislang aber nur von wenigen Unternehmen erschlossen, weil die Komplexität der Buchungsabwicklung hohe Barrieren für den Zugang zum Kombinierten Verkehr schafft. Die Folge: Spediteure haben mit komplexen Informations- und Buchungsprozessen zu kämpfen und die Züge der Operateure bleiben oftmals unausgelastet. Deshalb haben wir Anfang 2019 ein Projekt ins Leben gerufen, um den komplexen Markt mit einer digitalen Lösung für alle Akteure einfacher und profitabler zu gestalten. Gemeinsam mit Marktteilnehmern wurde das Konzept für eine Vermittlungs- und Buchungsplattform entwickelt, welche jedem Interessierten die Buchung Kombinierter Verkehre ermöglicht und Operateure bei der Vermarktung von (Rest-)Kapazitäten sowie der Neukundengewinnung unterstützt. Im weiteren Prozess haben wir einen MVP gebaut und sind dabei vom Markt sowie unseren heutigen Entwicklungspartnern immer wieder bestärkt worden, dass unsere Idee wirklich funktionieren kann!

Woher kam das Kapital für Ihr Unternehmen?

Da modility ein Corporate Spin-Off ist, haben wir unsere Anschubfinanzierung vom Mutterkonzern erhalten. Das hat uns – vor allem im Vergleich zu anderen Startups – direkt zu Beginn viele Möglichkeiten eröffnet. Einerseits konnten wir uns auf die Entwicklung unseres Konzepts konzentrieren anstatt auf das Einwerben neuer Gelder. Andererseits haben wir Zugang zu einem Netzwerk erhalten, das den Aufbau von Kontakten zu relevanten Marktspielern wesentlich erleichtert hat. Darauf ruhen wir uns aber natürlich nicht aus. Wie viele andere Startups sind auch wir immer auf der Suche nach passenden Investoren, um unseren Finanzbedarf für die Weiterentwicklung und Skalierung von modility zu decken. Denn wir haben ja ambitionierte Ziele.

Was waren die größten Hindernisse bei der Gründung Ihres Startups?

Der Kombinierte Verkehr als Markt ist relativ komplex, da die vielfältigen Marktteilnehmer ganz individuelle Geschäftsmodelle verfolgen und dadurch sehr spezifische Bedürfnisse und Anforderungen haben. Das fängt schon damit an, dass Rollenprofile wie „Spediteur“ und „Operateur“ im Markt nur selten in Reinform vorkommen. Es war herausfordernd, mit modility eine zentrale Lösung zu schaffen, von der alle Marktteilnehmer profitieren. Der Mehrwert der Nutzung von modility muss auf der Hand liegen und darf bisherige Marktvorteile nicht gefährden, damit alle Nutzergruppen das Portal akzeptieren. Das spiegelt sich auch in den Funktionen wider: vom Rechte-Rollen-Konzept über die Individualisierbarkeit von Geschäftsbeziehungen bis hin zur Anpassungsmöglichkeit aller hinterlegten Daten auf Ebene einzelner Abfahrten. Eine wesentliche Herausforderung ist in diesem Kontext die Offenheit unserer Lösung, sodass kein Marktteilnehmer durch modility bevorzugt wird und die Interessenlagen ausgeglichen sind. Dabei helfen uns die verschiedenen Entwicklungspartner an unserer Seite, die eine wichtige Signalwirkung für den Markt haben. Zusätzlich kommunizieren wir bereits heute, dass wir weitere Shareholder für modility gewinnen wollen, die einen Querschnitt des Marktes in unserer Gesellschafterstruktur verankern sollen.

Was war der Wendepunkt, als die ersten Kunden auftauchten und Sie zu glauben begonnen haben, dass dies funktionieren würde?

Rückblickend gibt es bei modility keinen eindeutigen Wendepunkt, an dem auf einmal Kunden auftauchten. Es ist eher so, dass unsere Geschichte mit den Kunden anfängt. Gleich zu Beginn war es für uns sehr wichtig, Partner aus dem Kundenkreis für das Projekt zu gewinnen und in der Corporate-Organisation Unterstützer zu finden. In der Zusammenarbeit mit ihnen gab es in allen Evolutionsstufen des Projektes immer wieder Schlüsselereignisse, die uns gezeigt haben, dass unsere Idee wirklich funktionieren kann. Beispielsweise als wir zum ersten Mal operative Disponenten von Spediteuren und Operateuren interviewt oder mit ihnen den ersten Test des MVP durchgeführt haben. Der Austausch zur Weiterentwicklung unserer Idee und das direkte Feedback signalisieren uns, dass modility eine Lösung ist, über die sich der Markt wirklich freut. Allerdings: Im Markt auf längere Sicht zu bestehen, steht uns noch bevor.

Was hätten Sie rückblickend in der Startphase anders gemacht? 

In den einzelnen Teilbereichen eines Projekts gibt es immer Themen, in denen man hätte schneller oder allgemein besser unterwegs sein können. Bei einem agilen Vorgehen gehört es jedoch dazu, Fehler zu nutzen und aus ihnen zu lernen, um besser zu werden. Wichtig ist dafür insbesondere das regelmäßige Feedback unserer Kunden. Ohne den dringlichen Wunsch unserer Kunden hätten wir nicht schon heute den Fokus unseres Portals von kontinental kombinierten Verkehren um maritime Verkehre erweitert. Zusätzlich haben wir bereits jetzt die Möglichkeit geschaffen, Haus-Haus-Transporte zu buchen, was eigentlich erst als spätere Funktionserweiterung gedacht war. Steigende Anforderungen im Entwicklungsprozess bedeuten auch, dass die Aufwände nicht immer planbar sind. Rückblickend würden wir sagen, mehr Leute gleich zu Beginn hätten uns einen kleinen Vorteil verschafft, um noch etwas schneller einen marktbereiten MVP in den Händen zu halten.

Welche Tipps würden Sie anderen Startup-Gründern geben, die gerade erst anfangen? 

Wir stehen mit modility noch am Anfang, daher wollen wir zu dem Thema keine großen Reden schwingen. Trotzdem möchten wir einen wichtigen Faktor betonen: Verprobt eine Idee so früh wie möglich mit den Kunden! Dabei erfährt man, welche Bedürfnisse sie wirklich haben und ob ein echter Anwendungsfall besteht. So wird sichergestellt, dass das Produkt alle erforderlichen Funktionen besitzt und diese nutzerfreundlich gestaltet sind. Dies ist am Ende ein entscheidender Hebel für die Akzeptanz im Markt.

Was ist die größte unmittelbare Herausforderung für Ihr Unternehmen und wo sehen Sie sich selbst in 5 Jahren?

Zum Jahresende planen wir, in die Pilotierungsphase unseres Portals einzutreten und modility so unter Realbedingungen im Arbeitsalltag unserer Nutzer zu testen. Nach dem initialen Papier-Prototypen, einem Klick-Dummy und dem MVP folgt damit im nächsten Schritt der Proof-of-Concept unseres Produkts. Im praktischen Einsatz werden wir auch hier wieder mit neuen Bedürfnissen und Anforderungen seitens der Anwender konfrontiert werden, welche systematisch aufgenommen, priorisiert und in unserem Portal umgesetzt werden müssen. Dabei sind wir jedoch zuversichtlich, durch unsere Erfahrungen in der agilen Entwicklung mit unseren Partnern gut auf diese Aufgaben vorbereitet zu sein und den Marktstart gut zu meistern. In fünf Jahren wollen wir mit modility eine am Markt etablierte Lösung geschaffen haben, die fest im Alltag unserer Nutzer integriert ist. Dabei soll modility Mehrwerte für jeden Einzelnen bieten – egal ob beim Buchen von Transporten oder beim Anbieten von Kapazitäten.

Was würden Sie tun, wenn Sie kein Startup-Unternehmen gründen würden? 

Unserem Team sind auf diese Frage viele unterschiedliche Antworte eingefallen: vom Family-Manager über Entwicklungshelfer bis hin zum Tauchlehrer auf den Seychellen. Wir waren uns aber alle einig, dass wir uns da, wo wir heute sind, gut aufgehoben fühlen!

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Foto: Darauf zu sehen sind v.l.n.r.: Hendrik-Emmanuel Eichentopf (CEO), Erik Fiske (Product & Customer Happiness Manager), Nils Funke (Content Marketing Manager)

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