In einem turbulenten, von Ungewissheit geprägten Jahr ist es völlig verständlich, dass sich Supply-Chain-Führungskräfte fragen, wohin sie sich als nächstes wenden sollen. Glücklicherweise wirft Gartners „Hype Cycle” etwas Licht darauf, wie Unternehmen ihre Investitionen und Innovationen priorisieren sollten.

Der „Hype Cycle” zeigt auf, in welchem Stadium ihrer Entwicklung sich die populären Trends gerade befinden, und gibt damit einen klareren Hinweis darauf, welche Investitionen wo und wann getätigt werden sollten.

Der Zyklus umfasst 5 verschiedene Stadien: den „Innovations-Auslöser”, den „Gipfel der überzogenen Erwartungen”, das „Tal der Enttäuschungen”, den „Pfad der Erleuchtung” und schließlich das „Plateau der Produktivität”.

Ein Gartner-Hype-Zyklus ist eine ausgezeichnete Möglichkeit für Supply-Chain-Führungskräfte, um herauszufinden, welche Maßnahmen als nächstes zu ergreifen sind, wo jetzt investiert werden muss und was auf dem Radar bleiben sollte”, so Noha Tohamy, Distinguished VP Analyst, Gartner. „Einige der Fähigkeiten werden bereits in naher Zukunft ausgereift sein, während andere, wie die künstliche Intelligenz (KI), sich noch in der Entwicklung befinden. Nichtsdestotrotz müssen die Führungspersönlichkeiten ihr Potenzial für die Umgestaltung des Geschäfts erkennen und mit aktiver Exploration und Experimenten beginnen”.

Die Dinge beginnen mit dem „Innovations-Auslöser”, der das schnelle Wachstum eines Trends bewirkt. In relativ kurzer Zeit erreicht der Trend jedoch seinen Höhepunkt, da seine hochgesteckten Erwartungen nicht erfüllt werden. Dies führt dazu, dass der Trend zwar abstürzt, die Talsohle aber nicht vollständig erreicht. An diesem Punkt werden bedeutende Entwicklungen vollzogen, die einen stetigen Wachstumsanstieg bewirken. Dieser führt schließlich zu Plateaus, wenn der Trend die volle Optimierung und Produktivität erreicht.

Das Diagramm von Gartner, das hier zu sehen ist, enthält 32 verschiedene Trends und zeigt, wo jeder von ihnen in Bezug auf seinen Reifegrad steht. Dennoch gibt es 5 Trends, denen Gartner besondere Aufmerksamkeit schenkt und die wir hier in der Reihenfolge ihres Reifegrades auflisten werden:

  1. Künstliche Intelligenz (KI)

Trotz all des Hype und der Diskussion um die KI ist Gartner der Ansicht, dass es noch etwa zehn Jahre dauern wird, bis die Technologie ausgereift ist. Dennoch darf die Bedeutung der künstlichen Intelligenz nicht unterschätzt werden, denn Gartner glaubt, dass die Technologie durch die Erleichterung der Automatisierung einen „transformativen” Effekt auf die Lieferkettenindustrie haben wird.

In der jetzigen Form, so Gartner, haben diejenigen, die die KI-Technologie in einem frühen Stadium eingeführt haben, in begrenztem Maße davon profitiert. Das globale Beratungsunternehmen empfiehlt den Supply-Chain-Führungskräften dennoch, mit der KI zu experimentieren – vorausgesetzt, sie konzentrieren sich auf die Schlüsselbereiche, die das größte Potenzial bieten.

  1. Immersive Erfahrung

Der zweite Trend auf Gartners Liste, die „Immersive Experience”, befindet sich genau auf dem „Gipfel der überzogenen Erwartungen”. Gartner beschreibt den Trend der immersiven Erfahrung als „die Verschmelzung der digitalen und der physischen Welt, um ein verbessertes Erlebnis zu schaffen”.

Gartner räumt ein, dass die Idee der immersiven Erfahrung noch nicht in allen Geschäftsbereichen allgemein anerkannt ist, mit Ausnahme des medizinischen und militärischen Bereichs.

Auf der anderen Seite wird erwartet, dass die Entwicklung der Hardware-Leistung zusammen mit Preissenkungen unweigerlich zu einer stärkeren Verbreitung dieses Konzepts führen wird.

  1. Internet der Dinge (IoT)

Auf dem Weg in das „Tal der Enttäuschungen” treffen wir auf den dritten wichtigen Supply-Chain-Trend von Gartner, die IoT-Technologie.

Hier stellt Gartner fest, dass viele Unternehmen zwar begonnen haben, die IoT-Technologie zu nutzen, dass sie aber auch Schwierigkeiten hatten, herauszufinden, wie sich ihr Einsatz für die Messung und Verfolgung optimieren lässt.

Dies wird jedoch im Wettbewerb kein Hindernis mehr darstellen. Gartner schätzt, dass die Zahl der installierten IoT-Endpunkte für die verarbeitende Industrie und die Rohstoffindustrie in nur 8 Jahren auf 1,9 Milliarden Einheiten ansteigen wird. Um diese Zahl in die richtige Perspektive zu rücken: Sie ist fünfmal höher als die im Jahr 2018 verzeichnete Zahl.

  1. Digitale Supply-Chain-Strategie

Der vorletzte von Gartner hervorgehobene Trend befindet sich auf dem „Pfad der Erleuchtung”. Natürlich kann die Vorstellung, was eine digitale Lieferkettenstrategie darstellt, unterschiedlich sein. Die Definition von Gartner lautet wie folgt:

Eine digitale Supply-Chain-Strategie bereitet die Lieferkette darauf vor, eine kurz- und langfristige Vision zu schaffen, die die Interessenvertreter hinter einem integrierten Satz von Prinzipien sowie digital ermöglichten Fähigkeiten und Investitionen in Einklang bringt. Die Strategie definiert eine digitale Supply-Chain-Roadmap, die die Ambitionen des Unternehmens unterstützt und gleichzeitig sowohl Transformations- als auch Optimierungsinitiativen ausbalanciert.

Es gibt Beweise, die Gartners Behauptung untermauern, dass digitale Lieferkettenstrategien der Reife näher kommen. Das renommierte Beratungsunternehmen stellte kürzlich fest, dass 82% der Führungskräfte eine „Managementinitiative oder ein Transformationsprogramm” unternommen haben, die die weitere Digitalisierung ihres Unternehmens zum Ziel haben.

  1. Descriptive Analytics

Schließlich haben wir den letzten und ausgereiftesten der von Gartner unterstrichenen Trends – Descriptive Analytics [deutsch: deskriptive Datenanalyse]. Dieser Trend wird von Gartner definiert als „die Anwendung von Logik, Mustererkennung, Entdeckung und Geschäftsregeln auf Daten”.

Gartner argumentiert, dass es dank der deskriptiven Analyse für Unternehmen möglich ist, ihre Lieferketten über Live- und Vergangenheitsdaten zu visualisieren. Da Gartner die deskriptive Datenanalyse als „fundamentalen und natürlichen Ausgangspunkt für Organisationen sieht, die ihre Supply-Chain-Performance verstehen wollen”, gilt sie als am Ende des „Hype Cycle” angelangt.

Foto:  pxhere.com

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