Digitalisierung der Supply-Chain-Planung: Meister oder Opfer des Wandels?

Digitalisierung der Supply-Chain-Planung: Meister oder Opfer des Wandels?

Die letzten zwei Jahre haben gezeigt, dass der Wandel unabänderlich ist. Wir wollten wissen, was genau passierte, als der geplante Wandel der Digitalisierung der Lieferketten auf den ungeplanten Wandel der globalen Pandemie traf.

Um das herauszufinden, haben wir uns mit dem Council of Supply Chain Management Professionals (CSCMP) zusammengetan und weltweit mehr als 200 Supply-Chain-Experten aus den Bereichen Fertigung, Einzelhandel, Konsumgüterindustrie, Ersatzteilhandel, Großhandel und Logistik sowie Beratungsunternehmen befragt.

Das Ergebnis? 74 Prozent der von uns befragten Unternehmen gaben an, dass Corona einen tief greifenden Einfluss auf die Lieferketteplanung gehabt hat.

Die Umfrage zeigte ferner, dass viele Unternehmen in diesem Jahr zu raschen Veränderungen getrieben wurden – und zwar eher aus Notwendigkeit als aus eigenem Antrieb. Wir können dies mit Überzeugung sagen, weil wir zum Jahresende 2019 eine ähnliche Umfrage durchgeführt haben. Damals waren ganze zwei Drittel der von uns befragten Unternehmen noch dabei, die digitale Transformation durchzuführen. Nur sieben Prozent waren schon so weit, von ihrer digitalen Transformation zu profitieren. Ironischerweise gaben im Jahr 2019 30 Prozent der Befragten an, dass „Angst vor Veränderungen“ ihre digitale Transformation ausbremste.

Doch dann kam Corona. Es gab Unterbrechungen in der Lieferkette. Von der Rohstoffbeschaffung, über den Transport bis hin zu einem radikal veränderten Kundenverhalten – kein Bereich der Lieferkette, der nicht betroffen war. Die meisten Unternehmen mussten sich anpassen, und zwar schnell. Einigen hatten empfindliche Geschäftseinbussen, andere mussten von einem Tag auf den anderen neue Lieferanten und Transportwege suchen und auch die glücklichen Gewinner hatten damit zu kämpfen, Nachfragespitzen zu bedienen und Kapital aus dem veränderten Verbraucherverhalten zu schlagen.

Digitalisierung lohnte sich

Es überrascht nicht, dass jene Unternehmen, die am weitesten mit der Digitalisierung ihrer Lieferkettenplanung vorangekommen waren, die Pandemie am erfolgreichsten überstanden haben. In diesem Jahr ergab unsere Umfrage, dass 12 Prozent der Unternehmen bereits von den Vorteilen der digitalen Transformation profitieren. Aus dieser Gruppe gaben 45 Prozent an, dass sie die coronabedingte Nachfrage- und Lieferunsicherheit „sehr gut“ managten. Bei jenen Unternehmen, die sich bei der Umsetzung der digitalen Transformation noch in der Evaluationsphase befinden, beziehungsweise diese gar nicht umsetzen, waren dies hingegen nur bei 13 Prozent der Fall.

Corona deckt Schwachstellen auf

Die Umfrageergebnisse zeigen auch, wie Corona jene Schwachstellen in der Lieferkette aufgedeckt hat, die die Widerstandsfähigkeit von Unternehmen schwächen. Die überwiegende Mehrheit der Umfrageteilnehmer gab an, dass die Pandemie ihr Unternehmen beeinträchtigt hat. In erster Linie durch das Aufdecken von Prozessschwachstellen (49 Prozent), die Instabilität von Lieferanten (45 Prozent) und eine steigende Nachfrage. Aber auch ein Einbruch bei der Nachfrage (31 Prozent) und Personalengpässe (30 Prozent) betrafen viele Unternehmen.

Im Vergleich zu vor zwei Jahren, spielte in der diesjährigen Umfrage die Datenqualität ein viel größeres Transformationshindernis. Gaben 2019 25 Prozent an, das die Datenqualität/ fehlende Daten ihre Digitalisierungsbemühungen ausbremst, waren dies in diesem Jahr bereits 34 Prozent. Die Tatsache, dass diese Zahl innerhalb von zwei Jahren so stark angestiegen ist, ist darauf zurückzuführen, dass viele Unternehmen ihre Transformationsprogramme beschleunigt haben und somit gezwungen sind, sich mit ihren Datenproblemen auseinanderzusetzen.

Der Druck, den Corona auf die Lieferketten ausübte, veranlasste die Unternehmen, ihre Digitalisierungsinvestitionen neu zu priorisieren. Zweiundvierzig Prozent der Befragten gaben an, dass die Pandemie die digitale Transformation ihrer Lieferketten beschleunigt hat, während 17 Prozent sagten, dass die Pandemie die Digitalisierungsprioritäten verschoben hat.

Der Fachkräftemangel bremst die Digitalisierung

Das größte Hindernis für die digitale Transformation war in diesem Jahr mit 41 Prozent der Fachkräftemangel. Im Vergleich: 2019 gaben nur 23 Prozent den Fachkräftemangel als Digitalisierungshindernis an. Das mag daran liegen, dass die Unternehmen mit der Digitalisierung weiter vorangeschritten sind und jetzt eher bemerken, dass die digitale Transformation neben traditionellen technischen Planungsfähigkeiten auch erweiterte Fähigkeiten wie Change Management, Verhandlung und Entscheidungsfindung erfordert.

Unterstützung von oben als kritischer Erfolgsfaktor

Die Ergebnisse der Umfrage legen nahe, dass die Förderung der Digitalisierung von oben zu besseren Ergebnissen führt. Die Hälfte der Unternehmen, die von der Planung der Digitalisierung profitieren, gaben an, dass ihre Transformation von ihrem CEO geleitet wird. Diejenigen, die keine Strategie verfolgen, gaben hingegen an, dass ihre Digitalisierungsbemühungen von den Abteilungsleitern ausgeht.

Sicherlich ist die digitale Transformation nicht einfach und es gibt viele Hürden. Wie eingangs erwähnt, zeigte unsere Umfrage jedoch eine klare Korrelation zwischen dem Reifegrad der digitalen Transformation und der Fähigkeit, coronabedingte Nachfrage- und Lieferunsicherheiten und -unterbrechungen zu bewältigen. Leider hat die Pandemie bei 15 Prozent der Befragten dazu geführt, dass sie ihre Transformationspläne entweder verzögern oder auf Eis legen mussten.

Wir möchten allen Unternehmen, deren digitale Transformationsbemühungen ins Stocken geraten sind, dringend raten, ihre Anstrengungen zu verstärken. Die Pandemie mag abklingen, aber weitere Störungen sind in der Zukunft unvermeidlich. Die Ergebnisse unserer beiden Umfragen sowie unzählige Anekdoten von unseren Kunden und Partnern auf der ganzen Welt führen uns zu einer eindeutigen Schlussfolgerung: Unternehmen können entweder Architekten des Wandels sein oder die Opfer davon.

Foto: Pixabay/geralt

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