Verschärfte Corona-Maßnahmen haben der Geschäftstätigkeit im deutschen Servicesektor zu Jahresbeginn erneut einen Dämpfer verpasst. Industrieunternehmen litten wegen des wachsenden Drucks auf die Lieferketten und Störungen im Frachtverkehr unter nie da gewesenen Lieferverzögerungen bei Rohmaterialien. Als Konjunkturmotor haben sich hingegen die Exporte erwiesen, die erneut wuchsen.

Der IHS Markit Flash Deutschland Composite Index Produktion gab gegenüber Dezember um 1,2 Punkte auf 50,8 nach und landete damit auf einem 7-Monatstief. Im Servicesektor fielen die vierten Geschäftseinbußen in Folge noch etwas stärker aus als im Vormonat. Der Index Industrieproduktion hielt sich zwar deutlich im Wachstumsbereich, er sank jedoch mit 58,6 auf ein 5-Monatstief. Ähnlich verlief die Entwicklung auch beim Auftragseingang, wo der anhaltende Rückgang bei den Dienstleistern von den – wenngleich etwas abgeschwächten – Zuwächsen in der Industrie weitgehend kompensiert wurde. Dafür wies der Export-Auftragseingang im Januar aber dank des erneut starken Auslandsgeschäfts im verarbeitenden Gewerbe abermals ein Plus aus. Angezogen hat die Nachfrage laut Befragten vor allem aus China und den USA. Der Auftragsbestand nahm zum sechsten Mal hintereinander insgesamt zu, wenngleich nur mäßig, da der Anstieg in der Industrie von einem weiteren Minus im Servicesektor durchkreuzt wurde.

Durchschnittliche Lieferzeiten verlängerten sich im Januar so stark wie nie zuvor

Die Verkaufs- bzw. Angebotspreise für Güter und Dienstleistungen stagnierten im Januar. Insgesamt nahm der Kostendruck aber weiter zu – vor allem im produzierenden Gewerbe. Hier stiegen die Einkaufspreise so rasant wie seit Juli 2018 nicht mehr. Zurückzuführen ist das auf den zunehmenden Druck auf die Lieferketten, ausgelöst durch die gestiegene Nachfrage nach Rohstoffen und Vormaterialien sowie Verknappungen und Engpässe infolge der begrenzten Frachtkapazitäten und dem Mangel an verfügbaren Schiffscontainern. Folglich verlängerten sich die durchschnittlichen Lieferzeiten im Januar so stark wie nie zuvor seit Beginn der Umfrage im April 1996. Vor allem Industrieunternehmen litten wegen des wachsenden Drucks auf die Lieferketten und Störungen im Frachtverkehr unter nie da gewesenen Lieferverzögerungen bei Rohmaterialien.

Alles in allem ist Deutschland auf schwachem Fuß ins neue Jahr gestartet und die Verlängerung der jüngsten Eindämmungsmaßnahmen bis mindestens Mitte Februar bedeutet, dass sich daran auch in den kommenden Wochen nicht viel ändern dürfte. Die Industrie ist weiter der Lichtblick, unterstützt vom nachhaltigen Wachstum der Exporte. Die Hersteller strotzen nur so vor Zuversicht, wie der Rekordwert bei den Geschäftsaussichten zeigt. Anscheinend lassen sie sich dabei auch nicht von den zunehmenden Unterbrechungen in den Lieferketten abschrecken, die im Januar zu einer beispiellosen Verlängerung der Lieferzeiten führte. Wir sehen jedoch bereits einen entsprechend kräftigen Anstieg der Kosten, wenngleich es angesichts stagnierender Verkaufspreise momentan keine Anzeichen für einen generell steigenden Inflationsdruck gibt, sagt Phil Smith, Associate Director bei IHS Markit.

Auftragsbestand im Bereich Transport und Logistik entwickelte sich schwächer

Im Januar beurteilten die Unternehmer ihre aktuelle Lage schlechter als im Vormonat: Der ifo Geschäftsklimaindex ist von 92,2 Punkten im Dezember auf auf 90,1 Punkte gefallen. Im Verarbeitenden Gewerbe ist der Index nach zuletzt acht Anstiegen in Folge wieder gesunken. Dies war auf deutlich weniger optimistische Erwartungen der Industriefirmen zurückzuführen. Dafür bewerten die Unternehmer die aktuelle Lage merklich besser.

Auch im Dienstleistungssektor ist der Geschäftsklimaindikator gesunken. Der Auftragsbestand, insbesondere im Bereich Transport und Logistik, entwickelte sich schwächer.Im Gegensatz zu dem Verarbeitenden Gewerbe blicken die Unternehmer mit Pessimismus in die Zukunft. 

Im Januar wurde im Handel der stärkste Rückgang seit April 2020 verzeichnet. Die Stimmung in den Chefetagen verschlechterte sich merklich- in nahezu allen Einzelhandelssparten. Auch im Großhandel zeigten im Januar viele Indikatoren nach unten.

Nicht anders ging es im Berichtsmonat im Bauhauptgewerbe zu, wo die Einschätzungen zur aktuellen Lage schlechter ausfielen.

Foto: IHS Markit

Kommentare

comments0 Kommentare
thumbnail
Um Benachrichtigungen über Kommentare freizuschalten - gehen Sie zu Ihrem Profil