Offener Datenaustausch: Ein Ende von Daten Blockaden und mehr Transparenz in der Logistikbranche

Da internationale Supply Chains immer komplexer geworden sind, hat sich der Zugang zu Real Time Visibility Daten (RTV) schnell als eine wichtige Voraussetzung für all jene Unternehmen herausgestellt, die im Zeitalter der Digitalisierung ein langfristiges Wachstum erzielen möchten. Durch die pandemiebedingten Probleme im Jahr 2020 gilt das heute mehr denn je.

Offener Datenaustausch: Ein Ende von Daten Blockaden und mehr Transparenz in der Logistikbranche
Foto: Canva

Unsere Befragung von mehr als 100 Logistikexperten aus der ganzen Welt hat ergeben, dass mangelnde Transparenz von Abläufen (57 %) sowie ein Mangel an verwertbaren Daten (47 %) die beiden größten Herausforderungen der Supply Chain im Jahr 2020 gewesen sind. Es ist daher keine Überraschung, dass die Optimierung des Lagerbetriebs bzw. die Optimierung von Prozessen die höchste Priorität für das Jahr 2021 darstellt.

Hierbei kommen RTV-Daten ins Spiel, die Verladern, Spediteuren und Logistikdienstleistern eine ganze Reihe von Vorteilen bieten können. Jederzeit genau zu wissen, wo sich die entsprechende Fracht aktuell befindet und ihre voraussichtliche Ankunftszeit in Echtzeit, oder Estimated Arrival Time (ETA), einsehen zu können, ermöglicht es Unternehmen, Effizienz zu steigern, Prozesse zu optimieren und ihre Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. Die sinnvolle Nutzung von Daten bildet somit heute den Kern des Supply-Chain-Erfolgs und liefert zudem einen Einblick in wertvolle Geschäftsinformationen.

Mit Blick auf die Zukunft erkennen Logistikexperten ganz klar einen Bedarf an RTV-Daten: 61 % der Unternehmen haben entweder bereits Echtzeit-Transparenz in ihre Abläufe integriert oder planen dies zu tun. Bislang wurden Unternehmen davon abgehalten diesen Schritt zugehen. Das lag vor allem daran, dass die Sicherstellung des Zugriffs auf die richtigen Daten traditionell eine Herausforderung für sie darstellte.

Daten-Blockaden

Der Zugang zu präzisen ETAs für Warensendungen ist mittlerweile ein Marktstandard in der Transportlogistik. Die meisten Verlader und Spediteure sind in der Lage, diese Daten automatisch über Visibility-Service-Provider bereitzustellen.

Trotzdem ist der Zugang zu Daten immer noch ein großes Problem in der gesamten Branche. Ein Mangel an Standardisierung hat den Informationsfluss zwischen konkurrierenden Visibility-Service-Providern verlangsamt oder in einigen Fällen sogar komplett blockiert. Jedoch sollten die Provider grundsätzlich in der Lage sein, Informationen auszutauschen – und zwar unabhängig davon, dass sie im direkten Wettbewerb zueinanderstehen.

In der Theorie funktioniert das bei ihnen nämlich ähnlich wie bei Mobilfunknetzbetreibern. Diese müssen zusammenarbeiten, um Anrufe und Nachrichten über konkurrierende Netzwerke hinweg zu ermöglichen und so eine positive Benutzererfahrung zu gewährleisten. Ohne diese Zusammenarbeit würde das System ganz einfach nicht funktionieren.

Dieses Maß an Offenheit hat in der Logistik-Branche zu lange gefehlt. Traditionell ist der horizontale Datenfluss zwischen konkurrierenden Parteien eine Herausforderung. Aber wir glauben, dass RTV-Daten frei zwischen Visibility-Providern austauschbar sein sollten. Spediteure sollten die Kontrolle über ihre RTV-Daten haben, damit sie sich mit Verladern verbinden, die digitale Transformation beschleunigen und in der Branche wettbewerbsfähig bleiben können. Doch bisher war dies für viele von ihnen unerreichbar.

Und es sind nicht nur die Spediteure, die von einer solchen Maßnahme profitieren würden. Der freie und offene Datenaustausch würde den Wert dieser Daten für alle Teilnehmer der Supply Chain maximieren und eine neue Ära der Zugänglichkeit und Transparenz in der gesamten Logistikbranche einleiten.

Sharing is caring

Wie können wir also diese neue Ära vorantreiben? Der Schlüssel liegt in der Einführung neuer Standards für den freien und offenen Datenaustausch, die Spediteuren und Logistikdienstleistern die Kontrolle über ihre RTV-Daten zurückgibt.

Wir müssen die Hindernisse beseitigen, die Unternehmen lange Zeit zurückgehalten haben. Zum Beispiel würde die Einführung von Data Sharing APIs es den Unternehmen ermöglichen, ihre RTV-Daten einfach mit Verladern oder Warenempfängern zu teilen, unabhängig davon, welches Transportmanagementsystem verwendet wird.

API-Schlüssel können verwendet werden, um Datenschutz und Sicherheit zu gewährleisten, indem der Zugang für jeden Kunden separat erteilt und somit sichergestellt wird, dass nur autorisierte Akteure auf die jeweiligen Daten zugreifen können. Dies kann durch Geofencing-Algorithmen ergänzt werden, um sicherzustellen, dass Kunden nur Zugriff auf Daten haben, die sich auf ihre laufenden Sendungen beziehen. Dies würde die Macht wieder zurück in die Hände der Spediteure legen und sie in die Lage versetzen, ihren Verladern auf einfache und sichere Weise Zugang zu Echtzeit-Transportstandortinformationen und ETA-Updates zu gewähren.

Letztlich wurden die Abläufe in der Supply Chain in den letzten 12 Monaten auf die Probe gestellt wie nie zuvor. Die Unternehmen hatten keine andere Wahl, als ihre Abläufe umzustellen, um die Unterbrechungen und Unsicherheiten in ihren Lieferketten zu bewältigen. Die gesamte Branche war gezwungen, sich möglichst schnell anzupassen.

Daher ist die Zeit reif für eine offene Netzwerkstruktur, die es Spediteuren ermöglicht, Sendungsdaten mit jedem zu teilen, den sie wollen, wann immer sie es wollen – ohne jegliche Einmischung ihres Visibility-Providers. Keine Barrieren, Blockaden oder Hindernisse. Nur ein neues Level der Zugänglichkeit, das es ermöglicht, Dateneinblicke in Echtzeit als Teil einer nahtloseren und effizienteren Supply Chain zu integrieren. Es ist an der Zeit, die wahre Kraft der gemeinsamen Nutzung von RTV-Daten freizusetzen.

Meistgelesene Artikel
Kommentare
0 Kommentare
Benutzer gelöscht
Meistgelesene Artikel