“Eine Million Kilometer” heißt es zu Deutsch der in Polen unter Berufskraftfahrern beliebte Youtube-Kanal “MilIon Kilometrów”, im Rahmen dessen der polnische Trucker Marcin mit einer Go-Pro Kamera seine alltägliche Arbeit dokumentiert. Am vergangenen Donnerstag teilte er einen erschütternden Bericht von der deutschen Autobahn A10, mithilfe dessen er vor der Gefühllosigkeit und fehlender Empathie warnt.

Der Autor der Aufnahme befand sich gerade auf der deutschen Autobahn A10, als er auf die Bauarbeiten auf einem sanierten Abschnitt stieß. Auf der rechten Spur bemerkte der polnische Fahrer einen stehenden Lastwagen mit dem deutschen Kennzeichen, der die Durchfahrt anderen Fahrzeugen erschwerte. In dem DAF-LKW wurde die Warnblinkanlage eingeschaltet. Obwohl man in der Kabine sofort die unnatürliche, verzerrte Position des Fahrers erkennen konnte, fuhren alle anderen Fahrzeuge einfach weiter, ohne anzuhalten und zu überprüfen, was diesem Mann passiert ist.

Der polnische Trucker war der einzige, der reagierte. Er stoppte seinen Lkw, lief zur DAF-Kabine und fand dort den bewusstlosen Fahrer. Der Mann hatte einen kaum noch fühlbaren Puls, deswegen zählte jede Sekunde, um sein Leben zu retten. Erst einige Minute später erschienen weitere Lkw-Fahrer, ein Krankenwagen wurde gerufen und die Reanimation aufgenommen.

Eine halbe Stunde später, als sich der Autor der Aufnahme auf weitere Fahrt begab, erreichte ihn die tragische Nachricht. Der ungefähr 56-jährige DAF-Fahrer aus Deutschland verstarb, weil die Rettung und medizinische Hilfe eindeutig zu spät kamen. Sein Fahrzeug wurde in keiner Weise beschädigt, zu einem Verkehrsunfall mit dem Sattelzug war es auch nicht gekommen. Demnach musste der Grund des Todes in einem akuten gesundheitlichen Problem liegen.

Diese traurige Geschichte erinnert an einen weiteren tragischen Fall in der polnischen Region Schlesien, im Hintergrund dessen auch fehlende Empathie und Gefühllosigkeit festgestellt werden konnten. Im April des laufenden Jahres begann an einer roten Ampel ein LKW plötzlich nach hinten zu rollen. Nachdem die seltsame Bewegung des Fahrzeugs von einem Zeugen bemerkt worden war, sprang ein Mann in die Kabine und hielt den LKW an. Dem Fahrer wurde aber aus Angst vor dem Coronavirus nicht geholfen. Niemand leistete Erste Hilfe. Erst nach einigen Minuten kam die polnische Luftrettung und begann den Fahrer zu reanimieren. Auch diesmal war es leider zu spät. Der 37-jährige Mann verstarb wegen eines Herzinfarkts.

Diese Tragödie zeigt erbarmungslos, dass die Corona-Pandemie viele Menschen noch stärker verunsichert. Was aber unbedingt bei jeder Gelegenheit hervorgehoben und erinnert werden muss, gilt auch jetzt: alle müssen im Maße der Zumutbarkeit und ohne erhebliche eigene Gefahr Hilfe leisten.

Wir erinnern, wie Erste Hilfe sicher geleistet werden kann:

  1. Vor allem sorgen Sie für eigene Sicherheit, besonders jetzt, weil mit der Ansteckungsgefahr ein zusätzliches Risiko besteht. Wenn möglich, sollte der Mindestabstand von 1,50 Meter gewahrt werden, dies liegt jedoch im Ermessen der helfenden Person.
  2. Wenn ein näherer Kontakt notwendig ist, weil die hilfebedürftige Person verletzt wurde, sind alle möglichen Hygienenemaßnahmen zu beachten. Einweg-Handschuhe müssen ein fester Bestandteil des Sortiments des Verbandskastens im Fahrzeug sein. Besonders jetzt aufgrund des Coronavirus sollten Handschuhe angezogen und ein Mundschutz – sowohl für den Ersthelfer als auch, wenn nur möglich, für die verletzte Person – zugesichert werden.
  3. Prüfen Sie, ob die verunglückte Person bei Bewusstsein ist. Wenn ja, kommunizieren Sie mit dem Betroffenen. Sie sollten den Notruf wählen, danach den Verletzten beruhigen und darüber informieren, dass Hilfe unterwegs ist, und so lange bleiben, bis der Rettungsdienst vor Ort ist.
  4. Ist das Unfallopfer bewusstlos, atmet aber normal, bringen Sie es in die stabile Seitenlage.
  5. Wenn das Unfallopfer bewusstlos ist und keine oder keine normale Atmung vorhanden ist, muss mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung (Reanimation) begonnen werden.
  6. Bei einem Herz-Kreislaufstillstand muss Herzdruckmassage ausgeführt werden, bis professionelle Helfer den Verletzten übernehmen. Eine Atemspende (Mund-zu-Mund- bzw. Mund-zu-Nase-Beatmung) muss nicht durchgeführt werden, weil sie für Laien nicht zwingend erforderlich ist. Dies galt auch vor der Pandemie.
  7. Nach der Hilfeleistung sollten Ihre Hände gründlich und sorgfältig gewaschen und desinfiziert werden.
  8. Sie sollten den Einsatzkräften die eigenen Kontaktdaten überweisen, für den Fall, dass bei der betroffenen Person nachträglich eine infektiöse Erkrankung festgestellt wird.
  9. Falls Sie ein Risikopatient mit Symptomen sind, sollte an einem Unfallopfer keine direkte Erste Hilfe geleistet werden. In so einem Fall sollten Sie sich auf die Organisation der Hilfe beschränken und den Notruf 112 wählen.

Foto: Screen / YT

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