Nach einem schwachen Start ins neue Jahr ist die deutsche Wirtschaft im Frühjahr durch die Corona-Krise in eine tiefe Rezession geraten. Wie schnell sie sich von dieser erholt, hängt laut dem Hamburgischen WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) vor allem vom weiteren Verlauf der Pandemie ab.

Laut Prognosen des HWWI ist angesichts dem Rückgang der Infektionsentwicklung und infolge der Lockerungsmaßnahmen eine moderate V-Erholung wahrscheinlich. Für 2020 bedeutet das einen Rückgang der gesamten Wirtschaftsleistung von 5 Prozent, für 2021, unter Vorbehalt dass die Nachholeffekte eintreten, ein Wachstum von 4,5 Prozent.  Die genaue Entwicklung ist jedoch schlecht absehbar, da sich der jüngste Einbruch der Wirtschaft von den aus der Vergangenheit bekannten Rezessionen unterscheidet, da der Lockdown in dem Fall von der Politik beschlossen wurde. 

Laut dem HWWI wird, auch wenn die gesamtwirtschaftliche Aktivität jetzt wieder in Schwung kommt, der Einbruch im März und April nicht ausgeglichen.  Das reale Bruttoinlandsprodukt wird im zweiten Quartal weiter sinken , um dann im dritten und vierten Quartal zu steigen. Insgesamt ist mit einem Rückgang des realen Bruttoinlandsprodukts in diesem Jahr um 5 Prozent zu rechnen.

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Eigene Darstellung,Quelle:HHWI

Im nächsten Jahr erwartet das HHWI eine Erholung der Wirtschaft und eine Normalisierung der  außenwirtschaftlichen Handels-, Reise- und Produktionsbeziehungen. Die Binnenkonjunktur sollte ebenfalls beschleunigen, so dass in der zweiten Jahreshälfte 2021 das Vor-Corona-Niveau erreicht werden könnte.Für das reale Bruttoinlandsprodukt prognostiziert das Institut in 2021 ein Wachstum um 4,5 Prozent bei einem moderatem Anstieg der Verbraucherpreise. Steigen werden Energiepreise, sinken hingegen die Preise für  Obst und Gemüse.

Eine ähnliche Entwicklung hält auch das ifo Institut für möglich.  Laut diesem wird die deutsche Wirtschaft im laufenden Jahr um 6,6 Prozent schrumpfen, um dann im Jahr 2021 um 10,2 Prozent zu wachsen. Sollte die Normalisierung fünf Monate dauern, könnte die Wirtschaftsleistung in diesem Jahr nur um 3,9 Prozent schrumpfen, und das Wachstum im nächsten Jahr bei 7,4 Prozent liegen. Sollte die Normalisierung jedoch 16 Monate dauern,  würde die Wirtschaftsleistung in diesem Jahr um 9,3 Prozent schrumpfen und im kommenden Jahr um 9,5 Prozent wachsen.

Konsumentenverhalten normalisiert sich

Laut dem aktuellen HDE-Konsumbarometer bleibt die Verbraucherstimmung auch im Juni auf niedrigem Niveau. Auf eine Normalisierung könnte die Tatsache hindeuten, dass der Abwärtstrend der letzten Monate gestoppt ist.  Trotzdem warnt der Handelsverband Deutschland vor einer Trendwende zu sprechen,  da erst die nächsten Monate zeigen werden, ob sich die Konsumlaune nachhaltig normalisieren wird.

Ähnliche Tendenzen zeigt auch die „Global Consumer Pulse Survey“  von Deloitte, laut der die Befragten in Deutschland mittlerweile deutlich weniger besorgt sind um ihre berufliche sowie finanzielle Situation als in den Vormonaten, wass Einfluss auf das Konsumverhalten hat. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes und der Befragung von Deloitte zufolge gehen auch die Hamsterkäufe deutlich zurück: Noch im April gaben 40 Prozent an, Vorratskäufe gemacht zu haben, bei der jetzigen Befragung waren es 31 Prozent. Die Befragten nutzen auch seltener Lebensmittellieferungen (21 statt 33 Prozent).

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Bild:Statistisches Bundesamt

Gesunken ist die Absicht, für Annehmlichkeiten beim Einkaufen einen Aufpreis zu zahlen – von 40 auf 35 Prozent.  Die Befragten planen auch mehr Geld für größere Anschaffungen wie beispielsweise ein Auto auszugeben. Auf die Rückkehr zu den alten Gewohnheiten weist auch der Rückgang der Online-Käufe hin: kontinuierlich sinkt unter den Befragten die Bereitschaft, Produkte vorab online zu bestellen oder/ und sie im Laden abzuholen (Click and Collect).

Darüber hinaus planen die Befragten Urlaub, was vor kurzem noch nicht der Fall war: 23 Prozent gaben an innerhalb der nächsten drei Monate mit dem Zug verreisen und in einem Hotel (24 Prozent) oder in einer Ferienwohnung (23 Prozent ) übernachten zu wollen.

Arbeitslosenzahlen steigen weiter

Der Arbeitsmarkt ist weiterhin von der Corona-Pandemie stark betroffen.  Obwohl die Erwerbstätigkeit normalerweise saisonbedingt im April immer zunimmt, war das in diesem Jahr nicht der Fall. Laut neuesten Angaben der Bundesagentur für Arbeit ist die Zahl der Arbeitslosen von April auf Mai wieder gestiegen. Mit 2.813.000 liegt sie 169.000 höher als im Vormonat und hat sich somit gegenüber dem Vorjahr um 577.000 erhöht. Die Arbeitslosenquote  ist um 0,3 Prozentpunkte auf 6,1 Prozent gestiegen,was Mai 2019 gegenüber  ein Plus von 1,2 Prozentpunkten bedeutet. Die nach dem ILO-Erwerbskonzept vom Statistischen Bundesamt ermittelte Erwerbslosenquote belief sich im April auf 4,3 Prozent.

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Bild:Statistisches Bundesamt

Vom 1. bis einschließlich 27. Mai wurde für 1,06 Millionen Personen Kurzarbeit angezeigt, nach zusammen 10,66 Millionen im März und April. Weiterhin rückläufig ist die Nachfrage nach neuen Arbeitskräften. Im Mai waren 584.000 Arbeitsstellen bei der Bundesagentur gemeldet, 208.000 weniger als vor einem Jahr.

Ähnliche Tendenzen waren in der Transport-und Logistikbranche bemerkbar. Laut dem neuesten Wochenbericht des BAG zu den Auswirkungen der Coronakrise auf den deutschen Güterverkehrsmarkt wurde in den Bereichen „Verkehr und Logistik (außer Fahrzeugführung)“sowie „Führung von Fahrzeug- u. Transportgeräten“ im April 2020 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum eine Zunahme bei den Arbeitslosen und Arbeitsuchenden sowie eine deutliche Abnahme bei den gemeldeten offenen Stellen verzeichnet. In der Berufshauptgruppe „Verkehr und Logistik ist die Arbeitslosenzahl im Vergleichszeitraum um 24,7 Prozent auf 46.441 gestiegen. Die Berufshauptgruppe „Führung von Fahrzeug- und Transportgeräten“ verzeichnete im April 2020 im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum einen Anstieg der Arbeitslosen um rund 26,5 Prozent auf insgesamt 101.051. Kein absoluter Anstieg der Arbeitslosen wurde hingegen bei den Berufen der Lagerwirtschaft , gefolgt von Speditions- und Logistikkaufleuten verzeichnet.

Foto: Statistisches Bundesamt

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