Die im Zuge der Corona-Pandemie geäußerte Forderung nach einer weniger integrierten Welt führt zu Einkommens- und Wohlstandsverlusten. Dies zeigt eine aktuelle Studie des ifo Instituts.

Die ifo-Studie hat den Effekt der Pandemie auf die deutsche Wirtschaft und die Rolle der Globalisierung und globaler Lieferketten in der aktuellen Krise analysiert. Die Ergebnisse haben ergeben, dass das Zurückholen der Produktion keine Lösung ist, da es zu wirtschaftlichen Schäden führen würde. Renationalisierung hätte zwar die Volkswirtschaften von der Pandemie minimal abgeschirmt,  würde aber zugleich zu einem deutlichen Rückgang des Realeinkommens führen.

Die Globalisierung zurückzudrehen, also zum Beispiel Produktion in größerem Umfang nach Deutschland zurück zu holen, wäre keine Lösung für die aktuelle Krise, stellt Lisandra Flach, Leiterin des ifo Zentrums für Außenwirtschaft, fest.

Laut der Studie wären in einer deglobalisierten Welt wären die negativen Auswirkungen der Corona-Pandemie nur marginal kleiner, gleichzeitig befände sich aber die Wirtschaftsleistung Deutschlands signifikant unter dem heutigen Niveau.

Wir können zeigen, dass die wirtschaftlichen Folgen von Covid-19 nur marginal kleiner wären, wenn wir die Globalisierung jetzt zurückdrehen, ergänzt Flach.

Laut den Berechnungen des ifo Instituts liegt das durch Covid-19 verringerte BIP Deutschlands auf dem Niveau von 2013. In einer weniger globalisierten Welt wäre das heutige BIP-Niveau mit dem Stand von 1996 vergleichbar. Zwar trifft der Covid-19-Schock globalisierte Länder stärker als geschlossene Volkswirtschaften. Aber durch die Globalisierung wurden die beteiligten Länder bereits früher auf ein Niveau gehoben, das ohne weltweite Wertschöpfung nie erreicht worden wäre.

In einer Welt mit um 100 Prozentpunkte erhöhten Handelskosten zwischen allen Handelspartnern würde der Covid-19-Schock zu einer Verringerung des realen Einkommens von 7,4 Prozent führen, ergänzt Marina Steininger, Ko-Autorin der Studie.

Die Tatsache, dass Deutschland in einigen Sektoren (z.B. Automobilindustrie) sehr wettbewerbsfähig ist und über eine stabile Struktur mit widerstandsfähigen, funktionierenden Firmen verfügt, erlaubt es, kurzzeitige negative Schocks zu überstehen, ohne einen kompletten Zusammenbruch zu erleiden.

Deglobalisierung hätte hingegen eine geringerere Spezialisierung des Landes zur Folge, so dass die Wirtschaft nicht mehr durch die spezialisierten und wettbewerbsstarken Sektoren angetrieben wäre, dafür gäbe es aber mehr Firmen in weniger produktiven Sektoren. Folglich würde dies zu einer geringeren  Produktivität, teuren Zwischengütern und einer schwächeren Wirtschaftsleistung führen.

Foto:Pixabay

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