German Bionic ist der erste europäische Hersteller der Roboter-Exoskelette für die Arbeitswelt und den industriellen Einsatz. Diese Mensch-Maschinen-Systeme verbinden die menschliche Intelligenz mit maschineller Kraft, indem sie die Bewegungen des Trägers aktiv unterstützen und Fehlhaltungen vorbeugen. In dem heutigen Interview erzählt das innovative Unternehmen unter anderem über sein einzigartiges Flaggschiffprodukt, die Gründungsidee, die bisherigen Erfolge sowie die künftigen Herausforderungen.

Agnes Sterniak, Trans.INFO: Womit genau beschäftigt sich Ihr Startup?

Armin G. Schmidt, CEO von German Bionic: German Bionic mit Standorten in Augsburg, Berlin und Tokio ist der erste europäische Hersteller, der Roboter-Exoskelette für die Arbeitswelt entwickelt und fertigt. Exo- oder Außenskelette sind Mensch-Maschinen-Systeme, die menschliche Intelligenz mit maschineller Kraft kombinieren, indem sie die Bewegungen des Trägers aktiv unterstützen oder verstärken. Unser Flaggschiffprodukt, der intelligente Kraftanzug Cray X, ist das weltweite einzige voll vernetzte Exoskelett für den industriellen Einsatz. Verbunden mit der eigens entwickelten Cloud-Robotik-Plattform German Bionic IO, liefert es in Echtzeit Daten, auf deren Grundlage maschinelles Lernen ermöglicht wird, wertvolle KPIs für die Anwender abgeleitet und Fernwartung, wie Software-OTA, durchgeführt werden kann. Das Cray X der 4. Generation, das sich in alle Smart Factory-Ökosysteme integrieren lässt, wird derzeit vor allem in Logistik- und Intralogistik-Prozessen als smarte Hebehilfe eingesetzt. Durch eine Entlastung bis zu 30kg pro Hebevorgang schützt es nachhaltig und nachweisbar die Gesundheit von Arbeitskräften, verringert Unfallrisiken und damit Fehlerquellen und steigert dadurch Effizienz und Produktivität. Das globale Marktvolumen für Exoskelette wird von führenden Analysten auf über 20 Milliarden US-Dollar bis 2030 bewertet.

Was ist einzigartig an Ihrem Produkt/Ihrer Idee?

Unser Cray X ist das weltweit erste vernetzte Roboter-Exoskelett, das, verbunden mit der Smart-Factory, selbstlernend Hebebewegungen verstärkt und Fehlhaltungen vorbeugt, und somit zum intelligenten Bindeglied zwischen Mensch und Maschine in Logistik- und Intralogistik-Prozessen wird. Dabei schützt es nachweislich und datenbasiert die Gesundheit der Arbeitskräfte, verringert Unfallrisiken und steigert signifikant deren Produktivität und Effizienz. Für diese technologische Innovation, die den Menschen zurück in den Fokus der Industrie 4.0 rückt, wurde das Cray X und German Bionic vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Bayerischen und Deutschen Gründerpreis 2019, dem Land der Ideen, Automatica und Good Design Award Japan sowie einer Nominierung für den Hermes Award der Hannover Messe.

Wann und wie sind Sie auf Ihre Gründungsidee gekommen?

Als wir unser Unternehmen 2016 in Augsburg gründeten, hatten wir bereits das Gespräch mit vielen Verantwortlichen und Vordenkern aus der Industrie gesucht und den Schluss gezogen, dass die Vollautomatisierung der Industrie keineswegs mehr als das Allheilmittel für Effizienz und Leistungsfähigkeit angesehen wird. Die ökonomische Sinnfrage spricht dagegen – die Anschaffungskosten für Industrieroboter und deren Programmierung sind sehr hoch. Und: Auch im vollautomatisierten Betrieb bleibt der Mensch das Nadelöhr. Wenn etwas schiefgeht, muss er wieder ans Werk. Deshalb haben wir eine hybride Lösung geschaffen: die Verbindung von menschlicher Intelligenz mit maschineller Kraft. Das Ergebnis war die Gründung von German Bionic und die Entwicklung des ersten intelligenten Kraftanzugs, der in Europa hergestellt wird.

Woher kam das Kapital für Ihr Unternehmen?

Unser Umfeld hat sehr früh das ökonomische Potential der Exoskelette  erkannt. Entsprechend hoch war die Bereitschaft, sich an einer Anschubfinanzierung zu beteiligen. In der Series A-Finanzierungsrunde Ende letzten Jahres haben dann Samsung Catalyst, MIG AG, Storm Ventures, Benhamou Global Ventures und IT Farm weitere 20 Million US-Dollar in unser Unternehmen investiert.

Was waren die größten Hindernisse bei der Gründung Ihres Startups?

Neben anspruchsvollen technologischen Herausforderungen, vor allem im Bereich der Robotik und der smarten Software-Steuerung wollten wir natürlich auch die passenden Partner und Mitarbeiter für uns gewinnen. Das hat viel Zeit und Mühen gekostet. Heute arbeiten bei uns 75 Spezialisten im Team, von denen etliche extra für den Job vom Ausland nach Berlin und Augsburg umgezogen sind – Das sagt schon etwas über die Strahlkraft des Projektes aus.

Was war der Wendepunkt, als die ersten Kunden auftauchten und Sie zu glauben begonnen haben, dass dies funktionieren würde?

Wir haben von Anfang sehr viel Zuspruch aus unserem Netzwerk, aber auch von unabhängigen Experten, erhalten. Im Zentrum stand aber immer die Aussicht, dass wir mit unserem Projekt das Leben sehr vieler Menschen verbessern können. Und das tun wir heute.

Was hätten Sie rückblickend in der Startphase anders gemacht?

Wir wussten nicht, wie viele unterschiedliche Zielgruppen unser smarter Kraftanzug haben würde. Die Bereiche Logistik und Intralogistik in der Produktion hatten wir natürlich als Anwendungsbereiche im Visier. Wir haben uns aber beispielsweise nicht vorstellen können, wie groß Bedarf im Handwerk ist. Das haben uns die Handwerkskammern dann aber schnell deutlich gemacht, jetzt arbeiten wir eng zusammen und beraten die Betriebe.

Welche Tipps würden Sie anderen Startup-Gründern geben, die gerade erst anfangen?

  1. Immer offen sein für neue Ideen.
  2. Das eigene Netzwerk einbeziehen.
  3. In interdisziplinären Teams arbeiten.
  4. Möglichst früh ein Feedback aus dem Markt einholen.
  5. Global denken.
  6. lokal handeln.
  7. Und last-but-not-least: Auch ein „Startup“ benötigt professionelles Management.

Was ist die größte unmittelbare Herausforderung für Ihr Unternehmen und wo sehen Sie sich selbst in 5 Jahren?

Wir haben uns mit unserem Cray X bereits erfolgreich im deutschsprachigen Raum und Japan etabliert. Im Rahmen unserer Series A-Finanzierungsrunde werden wir jetzt die internationale Expansion vorantreiben. Der Markt für smarte Mensch-Maschine-Systeme ist gigantisch und wir sind jetzt perfekt positioniert, um massiv daran zu partizipieren und das Arbeitsleben vieler Menschen substanziell zu verbessern.

Was würden Sie tun, wenn Sie kein Startup-Unternehmen gründen würden?

Um die Welt reisen und unterschiedlichste Kulturen kennenlernen. Unsere Erde und seine Menschen – und natürlich auch alle anderen Lebewesen – sind phantastisch und außergewöhnlich. Man muss gar nicht unbedingt zum Mars fliegen, um Neues zu entdecken!

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Foto: Armin G. Schmidt, CEO von German Bionic

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