Lösungen zur Kraftstoffersparnis sowie Möglichkeiten zur CO2-Messung und -Reduzierung gewinnen an Bedeutung und sind immer gefragter unter Logistik- und Transportunternehmen. Das Startup Tracks kommt den Bedürfnissen der Branche entgegen und bietet  eine automatisierte und präzise Ermittlung von CO2-Emissionen im Straßengüterverkehr an. Im heutigen Interview erzählt Jakob Muus, Founder & CEO bei Tracks unter anderem darüber, woher die Gründungsidee kommt, warum das Produkt immer erfolgreicher wird, welche Hindernisse das junge Unternehmen bisher überwinden musste und vor welchen Herausforderungen es noch steht.

Agnes Sterniak, Trans.INFO: Womit genau beschäftigt sich Ihr Startup?

Jakob Muus, Founder & CEO von  Tracks: Tracks bietet eine automatisierte und präzise Ermittlung von CO2-Emissionen im Straßengüterverkehr an. Wir kombinieren die Versand-Daten von Verladern und Versendern mit den tatsächlichen Verbrauchsdaten von sowohl unternehmenseigenen als auch externen LKWs und ermöglichen so ein international zertifiziertes CO2-Reporting und eine KI-basierte Entscheidungsunterstützung für Maßnahmen zur CO2-Senkung.

Was ist einzigartig an Ihrem Produkt/Ihrer Idee?

Das Nutzen realer Verbrauchsdaten sowohl von eigenen LKWs als auch von externen Dienstleistern (Scope 1 & Scope 3). Denn die Tracks Plattform ist einfach integrierbar, das heißt, es sind weder neue Hardware noch Software nötig. Die Reports werden automatisch erstellt und erfüllen internationale Standards. Wir nutzen den sogenannten GLEC-Standard, den “Goldstandard” der Branche.

Wann und wie sind Sie auf Ihre Gründungsidee gekommen?

Als ich vor Jahren bei Volkswagen gearbeitet habe, bin ich mit dem Thema “Platooning”, also dem kraftstoffsparenden Fahren von LKWs im Konvoi, in Berührung gekommen. Außerdem habe ich mich viel mit Flottenmanagern ausgetauscht und dabei unglaublich viel über die Zusammenhänge und den Kontext von CO2 in der Logistikbranche gelernt. Dabei habe ich gemerkt, wie schwer es ist, die Emissionen messbar und vergleichbar zu machen. Im Grunde vergleicht man momentan Äpfel mit Birnen.

Da kam mir die Idee, dass es doch möglich sein muss, mit den vorhandenen Daten – die die LKW-Flotten alle fleißig sammeln – und neuester, auf künstlicher Intelligenz basierender, Technik, einheitliche Benchmarks und Ist-Soll-Analysen zu erstellen. Ich wollte, dass wir in der Branche Äpfel mit Äpfel vergleichen können.

Woher kam das Kapital für Ihr Unternehmen?

Wir haben das Glück, tolle Investoren auf unserer Seite zu haben, die unsere Vision eines nachhaltigeren Güterverkehrs teilen. In unserer gerade abgeschlossenen Pre-A Investitionsrunde sind unter anderem der Mobility Fund und die Investitionsbank Berlin dabei.

Was waren die größten Hindernisse bei der Gründung Ihres Startups?

Als ich vor drei Jahren Tracks gegründet habe, war die Straßengüterbranche gerade erst dabei, sich der Wichtigkeit von Nachhaltigkeit bewusst zu werden. Wenn ich heute mit Logistikern und auch Investoren spreche, ist dieses Bewusstsein deutlich stärker ausgeprägt – damals aber war es durchaus eine Herausforderung, andere von meiner Vision zu überzeugen.

Was war der Wendepunkt, als die ersten Kunden auftauchten und Sie zu glauben begonnen haben, dass dies funktionieren würde?

Anfangs haben wir versucht, Lösungen zur Kraftstoffersparnis für die Logistikbranche anzubieten. Es stellte sich jedoch heraus, dass dies ein sehr schwerer Markt ist. Der Wendepunkt kam, als CO2-Reduzierung in der Logistik vom Nischenthema auf die politische und wirtschaftliche Agenda gesetzt wurde, denn da konnten wir ansetzen. Plötzlich kamen große Player aus der Logistikbranche von allein auf uns zu und wollten mit uns über Möglichkeiten zur CO2-Messung und -Reduzierung sprechen.

Was hätten Sie rückblickend in der Startphase anders gemacht?

Grundsätzlich hätte ich nichts anders gewollt, als es kam. Man lernt aus jeder Erfahrung. Es gibt aber zwei Dinge, auf die ich mich früher schon fokussieren würde. Erstens: Der Kunde ist der beste Investor. “Schneller zum Kunden” hätte mein Motto sein sollen. Vor allem aber, zweitens, schneller zum kleineren Kunden. Man kann es sich auch so vorstellen: Lieber auf Gazellenjagd gehen, als auf Elefantenjagd. Gazellen sind zwar wendiger und scheuer, aber es gibt dafür auch mehr davon – langfristig ist man also viel erfolgreicher damit. Dadurch, dass Gazellen häufiger vorkommen, ist man auch krisenfester, wenn man sich eher auf sie als auf die schwer zu findenden Elefanten konzentriert.

Welche Tipps würden Sie anderen Startup-Gründern geben, die gerade erst anfangen?

Es gibt viele Tipps und Ratschläge, und jeder muss letztlich für sich entscheiden, was für einen funktioniert. Ich persönlich rate denjenigen, die gemeinsam gründen, auf jeden Fall dazu, sich ihre Mitgründer sehr sorgfältig auszusuchen. Eine Firmengründung ist eine aufregende, zu Zeiten auch zehrende, Aufgabe. Dessen muss man sich bewusst sein. Ein weiterer Tipp meinerseits lautet daher: Seid euch bewusst, worauf ihr euch einlasst, und seid von eurer Vision zu 100% überzeugt. Dann übersteht man auch die schwierigeren Phasen.

Was ist die größte unmittelbare Herausforderung für Ihr Unternehmen und wo sehen Sie sich selbst in 5 Jahren?

Unmittelbar spüren wir natürlich die Auswirkungen der Coronakrise. Die Logistik selbst hat die Krise gut überstanden, aber wir als Startup merken es an anderen Stellen – z.B. haben Investoren hierzulande ihre neu entwickelte bullische Haltung abgelegt, als die Pandemie kam. Geldgeber sind vorsichtiger geworden und zögern länger, Startups zu finanzieren, was diesen Startups zum Verhängnis werden kann. Denn sie brauchen das Geld jetzt, um zu überleben. In 5 Jahren würde ich mich freuen zu sehen, dass traditionelle Unternehmen stärker mit Startups zusammenarbeiten, denn davon profitieren beide Seiten – nicht nur in Krisenzeiten. Die Zusammenarbeit zwischen Startups und etablierten Unternehmen fördert Innovationen und beschleunigt die Umsetzung digitaler Konzepte. Die Zeit bis dahin werde ich nutzen, um genau solche Kooperationen voranzutreiben, wo ich nur kann.

Was würden Sie tun, wenn Sie kein Startup-Unternehmen gründen würden?

Dann würde ich wahrscheinlich in einem großen Unternehmen arbeiten und dort versuchen, die Digitalisierung in Deutschland kräftig voranzutreiben! Es gibt noch viel zu tun, und das Thema liegt mir sehr am Herzen.

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