Gründer-Interview: Wir bringen Lager-Automatisierung in kleine Flächen bis hin zu vollautomatisierten innerstädtischen Micro-Hubs

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Das in München ansässige Start-up Noyes Technologies hat mit dem NoyesStorage eine kompakte und modulare Lagerlösung für kleinere, typischerweise innerstädtische Lagerräume entwickelt. In unserem heutigen Gründer-Interview gibt Co-Founder und COO/CFO Aaron Spiegelburg Einblicke in die Arbeit des jungen Unternehmens.

Gründer-Interview: Wir bringen Lager-Automatisierung in kleine Flächen bis hin zu vollautomatisierten innerstädtischen Micro-Hubs
Foto: Noyes Technologies/ Gründer Marco Prüglmeier (CEO) und re. Aaron Spiegelburg (CFO)

Natalia Jakubowska, Trans.iNFO: Was genau macht Ihr Start-up?

Aaron Spiegelburg, Co-Founder und COO/CFO von Noyes Technologies: Wir haben eine klassische goods-to-person Automatisierung entwickelt, allerdings in einer noch nie dagewesenen Modularität und Einfachheit. Unser System baut sich vergleichbar mit Legobausteinen aus 50×70 cm Modulen auf und kann sehr einfach erweitert und umgebaut werden. Wir erreichen eine sehr hohe Flächendichte, da wir keinen Verlust durch Gänge im System haben. Zu dem kommt unser System ohne Wartung vor Ort aus. Damit ermöglichen wir eine sehr dichte, automatisierte Warenlagerung auch in kleinen Flächen, die sehr einfach von den bestehenden Mitarbeitern des Kunden vor Ort betrieben werden kann.

Was für ein Problem wird durch Ihr Produkt gelöst? Welche Nachfrage wird damit gedeckt?

Es gibt immer mehr Bedarf viele Produkte auf einer kleinen Fläche zu lagern, die auch nicht immer logistik optimal gestaltet ist: Postfilialen, kleine Innenstadt Lager für e-Commerce/Q-Commerce, Krankenhäuser, in der Industrie am Fließband oder in sogenannten Groß- und Supermärkten und viele weitere. Durch unsere Automatisierung kann die Ware noch kompakter gelagert werden, so dass wir mehr SKUs pro Fläche erzielen. Überdies kommt die richtige Ware automatisch zum Mitarbeiter oder Kunden – es entsteht keine Wegzeit und es werden keine falschen Produkte geliefert.

Was ist Ihre Zielgruppe?

Produzierende Industrie, eCommerce, Paketdienstleister, Krankenhäuser, Pharma, Q-Commerce und jeder der auf kleiner Fläche möglichst viel lagern und seinen Bestand immer online transparent abrufbar haben möchte.

Inwiefern entspricht das Produkt den aktuellen Markttrends?

Es entstehen immer mehr kleine Hubs/Warenlager in dezentralen Bereichen, um Kunden kurze Lieferzeiten zu ermöglichen. Die Zahl sogenannter DarkStores soll bis 2030 von aktuell 6.000 auf 45.000 wachsen. Die Paketdienstleister investieren immer mehr in dezentrale Micro-Hubs und 2D-Parcel Locker.

Wann und wie sind Sie auf Ihre Gründungsidee gekommen?

Ende 2020 haben wir uns gefragt, wie man die vielen leerstehenden Ladengeschäfte in der Innenstadt besser nutzen kann und sind dabei auf die Idee gekommen, einzelne sehr kleine Lagerboxen in einer vollautomatisierten Infrastruktur anzubieten, so dass kleine Einzelhändler Ihre Produkte in Boxen physisch vor Ort anbieten können und sich keine Ladenmiete zwischen 2.000 und 10.000 Euro mehr leisten müssen, sondern einzelne Boxen ab 30 – 50 Euro pro Monat mieten können. Dann haben wir begonnen, das dafür notwendige technische System zu entwickeln und gemerkt, dass es eine sehr hohe Nachfrage für eine solche Automatisierungslösung in sehr vielen Bereichen gibt.

Welche Art von Wissen hatten Sie in diesem Bereich während der Gründung Ihres Startups? Und wie haben Sie Ihr Produkt überprüft?

Durch unsere jahrzehntelange Automatisierungs- und Logistikerfahrung in der Automobilindustrie kannten wir den industriellen Einsatzbereich bereits sehr gut. Aber schon vor Gründung bekamen wir hohes Interesse aus dem Q-Commerce und weiteren Anwendungsgebieten, mit denen wir den Bedarf der Lösung verifizieren konnten.

Woher kam das Kapital für Ihr Unternehmen?

Von drei Venture Capital Fonds im Rahmen einer Seed-Runde im März 2021.

Was hätten Sie rückblickend in der Startphase anders gemacht?

Wir hätten mehr Fokus auf den Aufbau einer Marke und eine starke, emotionale Kundenstory legen sollen. Als Ingenieure waren wir einfach zu sehr technisch getrieben und waren begeistert von der Vielzahl an Möglichkeiten unserer Lösung. Hier hätten wir trennschärfer erste Einsatzmöglichkeiten fokussieren und direkt umsatzwirksam am Markt anbieten sollen.

Welche Tipps können Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben?

Unbedingt den Schritt wagen! Gründen ist eine großartige Erfahrung! Gründerinnen und Gründer sollten sich nicht scheuen externe Kapitalgeber anzusprechen. Wichtig ist, schnell ein MVP aufzubauen und eine klare Kunden-/User-Story zu erarbeiten. Die Absatzplanung sollte dabei realistisch bis konservativ verlaufen.

Was ist die größte unmittelbare Herausforderung für Ihr Unternehmen und wo sehen Sie sich selbst in fünf Jahren?

Momentan arbeiten wir daran, emotionale Kunden Use-Cases aufzubauen. Und wir stehen auch vor der Wandlung eines Start-ups hin zu einem professionellen Unternehmen, welches als etablierter Lösungsanbieter wahrgenommen wird. Mit diesen Maßnahmen sind wir dabei, den Vertrieb zu stärken und den Absatz weiter zu steigern. In fünf Jahren sehen wir uns als einen der größten internationalen Anbieter in der Lager-Automatisierung und Wegbereiter der einfachen Lager-Automatisierung.

Was würden Sie beruflich machen, wenn Sie kein Start-up hätten?

Ich war 18 Jahre lang in der Industrie, vermutlich wäre ich noch da. Mit meinem heutigen Erfahrungsschatz würde ich aber bevorzugt in anderen Start-ups arbeiten oder auf die andere Seite in den Venture Capital Bereich wechseln, da mich die Dynamik und die Gestaltungsmöglichkeiten im Start-up Umfeld einfach begeistern.

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