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36 Millionen Euro Forderungen: Tiroler Großspediteur kämpft ums Überleben

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Die Insolvenz der Tiroler Spedition Nothegger nimmt größere Dimensionen an. Bei der ersten Gläubigerprüfung am Landesgericht Innsbruck wurden Forderungen von insgesamt 36,4 Millionen Euro angemeldet. Anerkannt wurden davon zunächst rund 15,4 Millionen Euro.

Dieser Text wurde vollständig von einem Redakteur verfasst – basierend auf fachlichem Wissen, journalistischer Erfahrung und sorgfältiger Recherche. Künstliche Intelligenz kam dabei nicht zum Einsatz.

Die finanzielle Lage der insolventen Nothegger Transport Logistik GmbH hat sich deutlich zugespitzt. Bei der ersten Berichts- und Prüfungstagsatzung am Landesgericht Innsbruck wurden 388 Forderungen in Höhe von insgesamt 36,4 Millionen Euro geprüft.

Damit liegt die Summe weit über den zunächst bekannten Verbindlichkeiten. Anerkannt wurden vorerst allerdings nur rund 15,4 Millionen Euro. Ein großer Teil der Forderungen wurde bestritten und müsste gegebenenfalls gerichtlich geklärt werden.

Betrieb läuft weiter – Liquidität bleibt knapp

Trotz Insolvenz läuft der operative Betrieb weiter. Das 1992 gegründete Familienunternehmen beschäftigt laut Insolvenzunterlagen 191 Mitarbeiter. Weitere rund 270 Beschäftigte arbeiten in verbundenen Gesellschaften.

Nach Angaben des österreichischen Gläubigerschutzverbands KSV1870 stellte die Eigentümerfamilie kurzfristig eine Fortführungskaution von rund 1,4 Millionen Euro bereit. Zusätzlich sei durch den Verkauf einer Beteiligung rund eine Million Euro Liquidität geschaffen worden.

Die Insolvenzverwaltung kämpft dennoch weiter mit einer angespannten Finanzlage. Ein Problem: Forderungen aus bereits erbrachten Transportleistungen waren im Rahmen eines Factoring-Modells an Banken abgetreten worden. Dadurch fehlten nach Insolvenzeröffnung zunächst laufende Einnahmen.

Dieselpreise verschärften die Krise

Zusätzlichen Druck erzeugten laut Insolvenzverwaltung die zuletzt stark gestiegenen Kraftstoffpreise. Bereits vereinbarte Transporte hätten nicht kurzfristig nachkalkuliert werden können.

Das Unternehmen musste Aufträge damit teilweise zu Preisen abwickeln, die nicht mehr kostendeckend waren. Erst bei neuen Verträgen lasse sich die gestiegene Kostenlage inzwischen besser berücksichtigen.

Sanierung ohne externes Geld kaum realistisch

Nach Einschätzung des Alpenländischen Kreditorenverbands (AKV) dürfte die gesetzlich notwendige Sanierungsquote von 20 Prozent kaum aus dem laufenden Geschäft finanziert werden können.

Bei den bisher anerkannten Forderungen müssten innerhalb von zwei Jahren mindestens rund 3,1 Millionen Euro an die Gläubiger bezahlt werden. Dafür werde zusätzliche Finanzierung notwendig sein, heißt es vom AKV.

Auch der KSV1870 verlangt nun einen „spürbaren Sanierungsbeitrag“ aus dem Umfeld der Eigentümer.

Eine der größten Transport-Insolvenzen der Region

Die Insolvenz zählt bereits jetzt zu den größten Unternehmenspleiten Tirols der vergangenen Jahre. KSV1870-Leiter Klaus Schaller sprach von der größten Firmeninsolvenz im Bundesland seit rund 15 Jahren – gemessen an der Zahl der betroffenen Beschäftigten.

Ausgelöst worden war das Verfahren durch einen Insolvenzantrag der Österreichischen Gesundheitskasse wegen offener Sozialversicherungsbeiträge von rund 3,2 Millionen Euro.

Die nächsten Wochen dürften nun entscheidend werden. Neben weiteren Forderungsanmeldungen braucht das Unternehmen vor allem eines: neues Kapital. Ohne externe Unterstützung dürfte die Sanierung schwierig werden.

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