Nachdem das Coronavirus den größten Teil Europas und Nordamerikas in beträchtlichem Ausmaß betroffen hat, treffen viele Unternehmen alle möglichen Maßnahmen, um ihre Mitarbeiter in Verteilzentren vor einer Ansteckung zu schützen. Hier gebe ich einen Überblick darüber, was auch in diesem späten Stadium getan werden kann, um zu versuchen, negative Auswirkungen auf  Lieferketten Ihrer Kunden zu beschränken.

1.Kümmern Sie sich um Ihre Mitarbeiter 

Die Gesundheit Ihrer Mitarbeiter ist sowohl für sie selbst sowie für ihre Angehörigen von entscheidender Bedeutung. Genauso wichtig ist das auch für Ihr Unternehmen, weil eine Großzahl von infizierten Mitarbeiten dazu führen kann, dass Sie Ihr Geschäft schließen müssen. Über die entsprechenden und erforderlichen hygienischen Maßnahmen sowie Zugangskontrollen wurde bereits so viel geschrieben, dass ich dies hier nicht wiederholen werde. Für Distributionszentren können Sie jedoch noch mehr tun. In vielen Fällen werden in Verteilzentren zahlreiche Leiharbeitnehmer beschäftigt. In Westeuropa sind es häufig Mitarbeiter aus anderen Teilen des Kontinents. Sie wechseln häufig ihren Arbeitsplatz und leben in Wohngemeinschaften. Sie sollten mit Ihrem Personaldienstleister eng zusammenarbeiten, um die Hygiene in den Wohnkommunen zu verbessern. Ihre Verantwortung geht in diesem Fall über Ihre vollzeitbeschäftigten Mitarbeiter hinaus, auch in Ihrem eigenen Interesse. Wenn Sie Hauslieferung anbieten, werden Ihre Mitarbeiter mit vielen Menschen in Kontakt treten, wodurch Ihr Risiko noch weiter steigt. Unbedingt sollten sie auch Handhygiene-Produkte in Ihren Lieferwagen bereitstellen. 

2. Verschaffen Sie sich Gewissheit über ausreichendes Inventar 

Auch wenn es trivial klingt, ist es nicht immer so offensichtlich. Viele Einzelhändler richteten sich nach Richtlinien, um ihre Lagerbestände zu begrenzen und die Lagerkosten zu senken.  Die Lieferanten müssen wiederum Lagerbestände halten und nur dann nachfüllen, wenn ein unmittelbarer Bedarf besteht. Angesichts der Wahrscheinlichkeit von Störungen aufgrund der vorübergehenden Schließung vieler Objekte, sollten Sie Inventar an Ihre Standorte holen, anstatt es Ihren Lieferanten zu überlassen. Wenn Sie über das Inventar vor Ort verfügen, haben Sie mehr Kontrolle bei Engpässen und Störungen. Dabei sollten Sie natürlich darauf achten, um zu einem Peitscheneffekt nicht zu führen und Ihrem Lieferanten transparent erklären, dass dies nicht nachfrageorientiert ist  und aus der Analyse des Lieferkettenrisikos resultiert. Auf jeden Fall ist es sehr wichtig, transparent zu bleiben und jedem Lieferanten die getroffenen Maßnahmen entsprechend zu kommunizieren. 

3. Verteilen Sie Ihr Inventar auf mehrere Standorte

Wegen einer hohen Wahrscheinlichkeit von Störungen ist es heute wichtiger denn je, die Lagerbestände an mehreren Standorten aufzubewahren. Die meisten Unternehmen tendieren dazu, ihre Standorte in Downstream-Richtung (Richtung des Kunden) zu gründen als sich nach “Upstream” (Richtung des Lieferanten) zu richten. Daher ist es durchaus sinnvoll, Ihre Lagerbestände an die nachgelagerte Versorgungskette anzupassen. Wenn es ein Virus wie Corona überall herrscht, wird das traditionelle Pooling von Bestandsrisiken plötzlich mehr als weniger riskant. Wenn Sie Ihr Inventar an einem einzigen Ort lagern, können Sie nicht liefern, wenn dieser Standort isoliert werden muss. Durch die Verteilung des Inventars auf mehrere Standorte, erhöht sich wiederum die Wahrscheinlichkeit, dass sich Lagerbestände an jedem von ihnen letztendlich verringern werden. Daher sollten Sie  laterale Transshipments zwischen Ihren Standorten ermöglichen. Genauso sollten Sie in der Lage sein, den Markt von alternativen Vertriebszentren aus zu bedienen. Dies kann möglicherweise entsprechende Vereinbarungen mit Logistikdienstleistern erfordern. Bei zulassungspflichtigen Produkten wie Arzneimitteln können spezielle Genehmigungen der zuständigen Behörden bedurft werden. Es wäre eine gute Idee, solche Berechtigungen im Voraus zu beantragen.

4. Verbessern Sie die Robustheit Ihres Lagerhauses

Das Lagerpersonal ist in der Regel völlig flexibel. Wenn sich Kommissionierer durch das ganze Warenlager bewegen, entsteht eine solche Flexibilität und niedrige Kosten. Dies sorgt jedoch auch für ein maximales Kontakt- und Infektionsrisiko. Eine Alternative könnte darin bestehen, Ihren Standort virtuell zu unterteilen und einen Kommissionierer nur einem bestimmten Bereich zuzuweisen. Ein Freund von mir hat mir dies als eine Möglichkeit genannt, was ich für sehr interessant halte und wo auch andere davon profitieren könnten. Etwas höhere Kosten, aber viel weniger Risiko.

 

Foto: sepag.de

Kommentare

comments0 Kommentare
thumbnail
Um Benachrichtigungen über Kommentare freizuschalten - gehen Sie zu Ihrem Profil