Der Tankrabatt steht vor der Umsetzung. Der Finanzausschuss hat der temporären Senkung der Energiesteuer zugestimmt. Damit sollen sich die Kraftstoffpreise vom 1. Mai bis zum 30. Juni rechnerisch um rund 17 Cent pro Liter reduzieren, heißt es im Gesetzentwurf.
Die finale Verabschiedung im Bundestag gilt als Formsache.
Entlastung kommt – aber nicht in der Kalkulation
Für Transportunternehmen ist der Effekt differenziert zu bewerten.
Ein Großteil der Flotten beschafft Diesel nicht zum Spotpreis an der Tankstelle, sondern über Tankkartenmodelle, eigene Tankinfrastruktur oder langfristige Lieferverträge. Preisänderungen wirken dort zeitversetzt oder nur anteilig.
Der rechnerische Preisvorteil von 17 Cent pro Liter schlägt sich damit in vielen Fuhrparks nicht vollständig nieder.
Auch aus Verbandssicht greift die Maßnahme zu kurz.
„Die im Maßnahmenpaket vorgesehene Begrenzung der Preisanpassungen wird vom Logistiksektor kaum profitieren“, erklärte DSLV-Hauptgeschäftsführer Frank Huster.
ADAC-Daten: Mittags wird es systematisch teuer
Parallel zur Steuerentlastung verändert sich die Preisbildung an den Tankstellen – mit unmittelbarer Relevanz für alle, die unterwegs tanken, auch im Transitverkehr.
Seit dem 1. April gilt in Deutschland das sogenannte Österreich-Modell. Es erlaubt nur noch eine Preiserhöhung pro Tag, in der Praxis fast immer um 12 Uhr.
Die Auswertung von mehr als 14.000 Tankstellen zeigt laut ADAC ein klares Muster:
- Kurz vor 12 Uhr: günstigster Zeitpunkt des Tages (bis zu 2,7 Cent unter Durchschnitt)
- 12 Uhr: einmaliger Preissprung
- Direkt danach: Diesel: +10,5 Cent und Super E10: +9 Cent
- Nachmittag/Abend: langsamer Preisrückgang
- Ab ca. 18–20 Uhr: wieder unter Durchschnitt

Damit verschiebt sich das Preisniveau insgesamt nach oben. Die Mineralölkonzerne kalkulieren laut ADAC einen Risikoaufschlag ein, der im Tagesverlauf nur schrittweise abgebaut wird.
Planbarkeit steigt – Kosten auch
Ziel der Regelung war mehr Transparenz und bessere Planbarkeit. Formal funktioniert das: Der günstigste Zeitpunkt ist klar identifizierbar.
In der Praxis bedeutet das jedoch:
- Das Zeitfenster für günstiges Tanken wird enger
- Die durchschnittlichen Preise steigen
- Einsparpotenziale lassen sich nur noch taktisch nutzen
Für international fahrende LKW wird die Tageszeit damit zum entscheidenden Kostenfaktor bei Tankstopps in Deutschland.
Branche fordert strukturelle Entlastung
Die Diskussion in der Branche geht deshalb über kurzfristige Maßnahmen hinaus. BGL-Vorstandssprecher Dirk Engelhardt hatte zuletzt betont:
„Der Straßengüterverkehr steht unter massivem wirtschaftlichem Druck. Jetzt braucht der Mittelstand politische Entscheidungen, die im betrieblichen Alltag tatsächlich wirken.“
Dazu zählen aus Sicht der Unternehmen vor allem:
- verlässliche Energiepreise
- geringere steuerliche Belastung
- Entlastung bei CO2-Kosten









