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Tankrabatt verpufft teilweise: Warum Diesel und Benzin schon wieder teurer werden

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Nach Einführung des Tankrabatts sind die Kraftstoffpreise in Deutschland zunächst deutlich gefallen. Die Statistiken zeigen jedoch: Ein erheblicher Teil der Steuersenkung kommt offenbar nicht bei Verbrauchern und Transportunternehmen an. Gleichzeitig sorgt die neue 12-Uhr-Regel weiter für extreme Preisschwankungen im Tagesverlauf.

Dieser Text wurde vollständig von einem Redakteur verfasst – basierend auf fachlichem Wissen, journalistischer Erfahrung und sorgfältiger Recherche. Künstliche Intelligenz kam dabei nicht zum Einsatz.

Seit dem 1. Mai gilt in Deutschland die befristete Senkung der Energiesteuer auf Kraftstoffe. Nach Angaben des Bundeskartellamts entspricht das inklusive Mehrwertsteuer einer rechnerischen Entlastung von bis zu rund 16,7 Cent je Liter.

An den Tankstellen kam davon zunächst ein spürbarer Teil an. Daten von tankpreise.de, clever-tanken.de und ich-tanke.de zeigen bei Diesel sowie Super E5 und E10 unmittelbar zum Monatswechsel einen deutlichen Preisrückgang.

Bei Super E10 fiel der bundesweite Durchschnittspreis laut den veröffentlichten Statistiken von rund 2,10 Euro je Liter auf knapp unter 1,98 Euro. Diesel sank im selben Zeitraum von etwa 2,19 Euro auf rund 2,06 Euro je Liter.

Auch das Bundeskartellamt registrierte einen deutlichen Rückgang. Nach Angaben der Behörde sanken die Kraftstoffpreise vom 30. April auf den 1. Mai im Schnitt um knapp 13 Cent je Liter. Zeitweise habe die Entlastung am Vormittag bei rund 14 Cent gelegen.

Rabatt kommt offenbar nur teilweise an

Die rechnerisch mögliche Entlastung von knapp 17 Cent wurde damit allerdings im Durchschnitt nicht erreicht.

Der ADAC sieht deshalb Hinweise darauf, dass die Steuersenkung nicht vollständig weitergegeben wird. Laut aktueller Auswertung sank der bundesweite Durchschnittspreis für Super E10 innerhalb einer Woche um 7,8 Cent je Liter, Diesel verbilligte sich um 10,5 Cent.

Am 5. Mai kostete Super E10 laut ADAC im Tagesdurchschnitt 2,025 Euro je Liter, Diesel lag bei 2,095 Euro.

Der Automobilclub verweist darauf, dass sich die Marktbedingungen seit Ende April kaum verändert hätten. Sowohl der Brent-Ölpreis als auch der Euro-Dollar-Kurs bewegten sich weiterhin ungefähr auf dem Niveau vor Einführung des Tankrabatts.

Das häufig genannte Argument, Tankstellen hätten zunächst noch Kraftstoff mit höherem Steuersatz verkauft, hält der ADAC inzwischen für wenig überzeugend. Fünf Tage nach Inkrafttreten der Maßnahme spiele dieser Effekt praktisch keine Rolle mehr.

Ähnlich äußerte sich auch der Verbraucherzentrale Bundesverband. Dort hieß es, statt einer Entlastung für Autofahrer drohe erneut ein „Konzernrabatt“.

Mineralölbranche widerspricht

Die Mineralölwirtschaft weist die Kritik dagegen zurück. Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie erklärte, der Tankrabatt werde gemessen an den Preisen vom 30. April vollständig weitergegeben. Ohne die Steuersenkung lägen die Preise derzeit deutlich höher.

Gleichzeitig verweist die Branche auf erneut gestiegene Produktpreise am Weltmarkt.

Auch der Tankstellenverband bft spricht von zeitverzögerten Effekten. Der Steuerabschlag gelte nur für Kraftstoff, der ab dem 1. Mai ausgeliefert worden sei. Eine sofortige vollständige Weitergabe sei daher „weder wirtschaftlich darstellbar noch regulatorisch vorgeschrieben“.

12-Uhr-Regel verändert Preisverlauf

Unabhängig vom Tankrabatt sorgt zudem die seit April geltende 12-Uhr-Regel weiter für starke Preissprünge im Tagesverlauf.

Nach dem sogenannten Österreich-Modell dürfen Tankstellen ihre Preise nur einmal täglich um 12 Uhr erhöhen. Preissenkungen bleiben jederzeit möglich.

Dadurch steigen die Preise rund um die Mittagszeit häufig sprunghaft an und fallen anschließend über Stunden wieder ab. Laut ADAC liegt der günstigste Tankzeitpunkt derzeit meist kurz vor Mittag.

Die Daten des Bundeskartellamts zeigen teils erhebliche Unterschiede innerhalb weniger Stunden. Am 1. Mai stieg der Dieselpreis im Tagesverlauf zeitweise von rund 2,04 Euro auf etwa 2,17 Euro je Liter. Bei Super E10 ging es von rund 1,95 Euro auf etwa 2,07 Euro nach oben.

Kartellamtspräsident Andreas Mundt sprach zuletzt von „groben Abweichungen“ zwischen einzelnen Tankstellen und Marken.

Diesel bleibt für Speditionen Kostenproblem

Für Transportunternehmen bringt der Tankrabatt damit zwar eine gewisse Entlastung, von einer echten Entspannung kann jedoch keine Rede sein.

Diesel kostet trotz Steuersenkung weiterhin deutlich mehr als zwei Euro je Liter. Gleichzeitig erschweren die starken regionalen Unterschiede und die extremen Tagesschwankungen die Kalkulation vieler Speditionen.

Hinzu kommt: Der April war nach ADAC-Berechnungen der teuerste Tankmonat seit Beginn der Auswertungen. Damit bleibt Kraftstoff einer der größten Unsicherheitsfaktoren für den Straßengüterverkehr in Deutschland.

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