Die Sanierung der Nothegger Transport Logistik GmbH aus St. Ulrich am Pillersee kommt langsamer voran als geplant. Bei der Verhandlung am 19. Oktober vor dem Landesgericht Innsbruck konnte nicht über den vorgelegten Sanierungsplan abgestimmt werden. Wie der Alpenländische Kreditorenverband (AKV) mitteilt, wurden im laufenden Insolvenzverfahren bislang 444 Forderungen in Höhe von insgesamt rund 86,06 Millionen Euro angemeldet.
Davon hat die Insolvenzverwaltung Forderungen über etwa 29,6 Millionen Euro anerkannt. Die übrigen Ansprüche im Umfang von mehr als 56 Millionen Euro sind weiterhin bestritten. Damit sind wesentliche Voraussetzungen für eine Entscheidung über den Sanierungsplan noch nicht erfüllt. Auf Antrag des Unternehmens wurde die Abstimmung deshalb auf den 30. November verschoben.
Sanierungsplan sieht 20 Prozent Rückzahlung vor – Finanzierung der ersten Rate offen
Nothegger bietet seinen Gläubigern eine Sanierungsquote von 20 Prozent innerhalb von zwei Jahren an. Das entspricht der gesetzlichen Mindestquote für einen Sanierungsplan. Die Rückzahlung soll in vier Raten zu jeweils fünf Prozent erfolgen. Die erste Zahlung wäre innerhalb von 60 Tagen nach Annahme des Plans fällig. Weitere Raten sind bis zum 30. September 2027, 31. März 2028 und 30. September 2028 vorgesehen.
Allerdings ist nach Angaben des AKV gerade die Finanzierung der ersten Rate bislang nicht gesichert. Auch die zahlreichen bestrittenen Forderungen erschweren die weitere Planung, da deren endgültige Anerkennung Auswirkungen auf den Finanzierungsbedarf des Unternehmens haben könnte.
Die Tiroler Spedition muss daher in den kommenden Wochen nicht nur offene Fragen mit den Gläubigern klären, sondern auch nachweisen, wie sie die vorgesehenen Zahlungen finanzieren will.
Fuhrpark verkleinert, Standort geschlossen: Nothegger baut das Unternehmen um
Parallel zum Insolvenzverfahren arbeitet Nothegger an einer grundlegenden Neuausrichtung seines Geschäftsmodells. Nach Angaben des AKV wurde der Fuhrpark bereits reduziert. Außerdem hat das Unternehmen den Standort Fürnitz geschlossen. Weitere Standortschließungen werden geprüft. Auch beim Personal sind Veränderungen vorgesehen. Stellen werden abgebaut und die Produktivität soll gesteigert werden.
Besonders im Fokus steht dabei das Verhältnis zwischen Disponenten und Fahrern. Dieses sei bislang nicht wettbewerbsfähig gewesen und müsse angepasst werden.
Darüber hinaus plant das Unternehmen, interne Abläufe stärker zu digitalisieren und künftig auch künstliche Intelligenz zur Unterstützung betrieblicher Prozesse einzusetzen. Gleichzeitig soll das Leistungsangebot überprüft und stärker auf wirtschaftlich tragfähige Geschäftsbereiche ausgerichtet werden.
Intermodaler Verkehr wird vorläufig aufgegeben
Eine wesentliche Veränderung betrifft den intermodalen Verkehr, den Nothegger vorerst einstellen will. Als Grund nennt der AKV erhebliche Probleme bei der operativen Abwicklung durch ausländische Bahnpartner.
Der Rückzug soll allerdings nicht endgültig sein. Angesichts der langfristigen Bedeutung des kombinierten Verkehrs könnte das Unternehmen diesen Geschäftsbereich zu einem späteren Zeitpunkt erneut aufgreifen. Damit konzentriert sich die Restrukturierung nicht allein auf Kostensenkungen, sondern auch auf eine Veränderung des Leistungsportfolios.
Holding soll finanzielle Unterstützung leisten
Für die Finanzierung der Sanierung setzt Nothegger unter anderem auf seine Hauptgesellschafterin, die Nothegger Holding GmbH. Diese könnte zusätzliche Eigenmittel bereitstellen oder externe Finanzierungsquellen erschließen.
Daneben ist der Abschluss einer neuen Factoring-Vereinbarung vorgesehen, um die Liquidität des Unternehmens zu verbessern. Ob diese Maßnahmen ausreichen, um die angebotene Sanierungsquote zu finanzieren, ist bislang offen.
Bereits im August hatte der Gläubigerschutzverband KSV1870 darauf hingewiesen, dass verbindliche Finanzierungszusagen für die erfolgreiche Umsetzung des Sanierungsplans entscheidend seien.
Liquidation könnte Gläubiger noch stärker belasten
Trotz der offenen Fragen gilt eine Zerschlagung des Unternehmens aus Sicht des AKV derzeit nicht als wirtschaftlich vorteilhaftere Alternative. Bei einer Liquidation könnten zusätzliche Forderungen entstehen, unter anderem durch die Auflösung bestehender Verträge und mögliche Schadenersatzansprüche.
Zudem lassen sich die Erlöse aus dem Verkauf des Unternehmensvermögens nach Einschätzung des Gläubigerschutzverbands nicht verlässlich prognostizieren. Die Fortführung des Betriebs bleibt deshalb ein zentrales Ziel des Sanierungsverfahrens.
Das Insolvenzverfahren wurde im März 2026 eröffnet. Nach Angaben des KSV1870 beschäftigte die insolvente Gesellschaft damals knapp 200 Mitarbeiter. Weitere knapp 200 Lkw-Fahrer waren bei einer Schwestergesellschaft angestellt.
Entscheidung über die Zukunft fällt frühestens Ende November
Mit der Verschiebung auf den 30. November erhält Nothegger zusätzliche Zeit, um die Finanzierung der angebotenen Quote abzusichern und die offenen Forderungsfragen zu klären. Die geplante Restrukturierung umfasst inzwischen nahezu alle zentralen Geschäftsbereiche – vom Fuhrpark über Personal und Standorte bis hin zum Leistungsangebot.
Ob es gelingt, die Gläubiger von dem Sanierungskonzept zu überzeugen, hängt vor allem davon ab, ob das Unternehmen bis zum nächsten Gerichtstermin eine tragfähige Finanzierung nachweisen kann.
Fest steht: Trotz laufender Umstrukturierung ist die Zukunft des Tiroler Transportunternehmens weiterhin nicht gesichert.









