- Der Verwalter hat bislang Forderungen von rund 24 Millionen Euro anerkannt. Angemeldet wurden jedoch fast 60 Millionen Euro.
- Nothegger Transport Logistik bietet den Gläubigern eine Quote von 20 Prozent auf ihre anerkannten Forderungen an.
- Die österreichische Gläubigerschutzorganisation KSV1870 hält es für schwierig oder sogar unmöglich, die erforderlichen Mittel allein aus dem laufenden Geschäft aufzubringen.
- Die Zukunft von fast 200 Beschäftigten ist weiterhin ungewiss.
- Bei der Eröffnung des Verfahrens im März 2026 wurden die Verbindlichkeiten auf mehr als 15 Millionen Euro geschätzt. Inzwischen belaufen sich die anerkannten Forderungen auf rund 24 Millionen Euro.
Das seit März 2026 laufende Insolvenzverfahren bei Nothegger Transport Logistik stellte den Verwalter zunächst vor große Herausforderungen. Die Liquidität war in den ersten Wochen so angespannt, dass die Fortführung des Betriebs nur schwer sicherzustellen war. Unterstützung kam in den vergangenen Monaten von der Kanzlei HRR Rechtsanwälte aus Wörgl, die zur Stabilisierung des Geschäfts beitrug.
Nun bemüht sich das Tiroler Transportunternehmen um eine Einigung mit seinen Gläubigern. Damit soll die Grundlage für eine Fortführung des Betriebs geschaffen werden.
Sanierungsplan sieht Mindestquote von 20 Prozent vor
Der dem Gericht vorgelegte Sanierungsplan sieht für die Gläubiger eine Quote von 20 Prozent auf ihre anerkannten Forderungen vor. Damit entspricht das Angebot der gesetzlichen Mindestquote. Bislang hat der Verwalter Forderungen in Höhe von rund 24 Millionen Euro anerkannt. Die Prüfung ist jedoch noch nicht abgeschlossen.
Insgesamt haben Gläubiger Forderungen von fast 60 Millionen Euro angemeldet. KSV1870 weist darauf hin, dass ein erheblicher Teil dieser Summe noch bestritten werden könnte. Das gilt insbesondere für Forderungen anderer Gesellschaften aus der Nothegger-Gruppe. Nach Einschätzung der Organisation könnte sich der Betrag der anerkannten Forderungen bis zur Abstimmung über den Sanierungsplan noch um mehrere Millionen Euro erhöhen.
KSV1870: Externe Finanzierung dürfte notwendig sein
Die zentrale Frage ist derzeit, wie die Sanierung finanziert werden soll.
Klaus Schaller, Leiter der Tiroler KSV1870-Stelle, bezweifelt, dass Nothegger die erforderlichen Mittel allein aus dem laufenden Geschäftsbetrieb erwirtschaften kann.
Nach unserer Einschätzung dürfte es schwierig, möglicherweise sogar unmöglich sein, die für die Umsetzung des Sanierungsplans erforderlichen Mittel in den kommenden zwei Jahren ausschließlich aus dem laufenden Geschäft zu erwirtschaften.
Damit der Plan fristgerecht umgesetzt werden kann, müsse das Unternehmen verbindliche Finanzierungszusagen externer Geldgeber vorlegen.
In österreichischen Medien wurden dafür mehrere mögliche Wege genannt. Dazu zählen der Einstieg eines Investors oder der Verkauf einer Immobilie, die einer Schwestergesellschaft gehört.
Verfahren legt deutlich höhere Forderungssumme offen
Als das Verfahren im März 2026 eröffnet wurde, lagen die geschätzten Verbindlichkeiten bei mehr als 15 Millionen Euro. Darin enthalten waren unter anderem rund 9,25 Millionen Euro Bankschulden, 3,2 Millionen Euro an ausstehenden Beiträgen zur österreichischen Sozialversicherung sowie 1,8 Millionen Euro an Verbindlichkeiten beim Finanzamt.
Mittlerweile hat der Verwalter etwa 24 Millionen Euro an Forderungen anerkannt. Die Summe aller beim Gericht angemeldeten Forderungen liegt dagegen bei fast 60 Millionen Euro. Daraus lässt sich nicht ableiten, dass die aktuellen Verbindlichkeiten des Unternehmens tatsächlich 60 Millionen Euro betragen. Einzelne Forderungen können noch zurückgewiesen werden. Wie hoch die endgültig anerkannten Forderungen ausfallen, wird sich erst im weiteren Verlauf des Verfahrens zeigen.
Gestundete Pandemieabgaben und Probleme im kombinierten Verkehr
Die finanzielle Schieflage bei Nothegger entwickelte sich über einen längeren Zeitraum. KSV1870 hatte bereits darauf hingewiesen, dass das Unternehmen während der Pandemie in erheblichem Umfang Steuerzahlungen und Sozialversicherungsbeiträge gestundet hatte. Diese Verpflichtungen belasteten in den Folgejahren zunehmend die Liquidität.
Firmengründer Karl Nothegger verwies zudem auf Schwierigkeiten im kombinierten Verkehr, der rund 40 Prozent des Unternehmensumsatzes ausmachte. Verzögerungen und Ausfälle bei Bahnunternehmen sollen zusätzliche Kosten verursacht haben.
Noch vor Beginn des Verfahrens hatte Nothegger versucht, die finanzielle Situation durch die Suche nach einem Investor sowie den Verkauf einer betrieblich genutzten Immobilie zu verbessern. Beide Vorhaben wurden jedoch nicht rechtzeitig abgeschlossen.
Sanierungsplan entscheidet über fast 200 Arbeitsplätze
Seit März 2026 wird der Betrieb unter Aufsicht des Verwalters fortgeführt. Das Unternehmen beschäftigt weiterhin fast 200 Menschen. Regionale Medien bezeichnen das Verfahren als größten Insolvenzfall in Tirol seit 15 Jahren – gemessen an der Zahl der betroffenen Beschäftigten.
Für die Mitarbeiter hängt nun alles davon ab, ob Nothegger die Zustimmung der Gläubiger erhält und die zur Umsetzung des Sanierungsplans notwendige Finanzierung sicherstellen kann. KSV1870 betont, dass eine mögliche Schließung nicht nur die Beschäftigten und ihre Familien treffen würde, sondern auch Auswirkungen auf die regionale Wirtschaft hätte.
Entscheidend sind nun drei Punkte: die endgültige Höhe der anerkannten Forderungen, die Zustimmung der Gläubiger zum Sanierungsplan und die Finanzierung der Auszahlung der 20-Prozent-Quote.









