Die wichtigsten Punkte:
- Im Werk von Barilla in Pedrignano übernimmt ein automatisiertes System mit lasergeführten LGVs die Verladung der Lkw.
- Die Roboter holen Paletten im Versandbereich ab und bringen sie direkt in den Auflieger.
- Eine Vorrichtung verriegelt und stabilisiert das Fahrzeug während des Ladevorgangs.
- Die neue Lösung wurde in die vorhandene Lagerinfrastruktur des Werks integriert.
- Am Standort sind mehr als 100 LGVs im Einsatz.
- Durch eine frühere Erweiterung des Lagers entfallen jährlich mehr als 3.000 Lkw-Fahrten zu externen Lagerstandorten.
Barilla nahm das neue System Ende September im Werk Pedrignano in Betrieb. Das Werk ist die größte Pastafabrik des Konzerns. Automatisiert wird der letzte Abschnitt des Auslieferungsprozesses – vom Fertigwarenlager über den Versandbereich bis in den Auflieger.
Im Mittelpunkt steht eine Flotte autonomer LGVs, also lasergeführter Fahrzeuge. Sie nehmen Paletten auf und fahren sie direkt in den Auflieger. Damit reicht die Automatisierung über die Laderampe hinaus bis in das Fahrzeug hinein.
Der Auflieger muss sicher fixiert sein
Damit die automatische Beladung funktioniert, muss das Fahrzeug sicher und stabil stehen. In Pedrignano setzt Barilla dafür eine gemeinsam mit Rite-Hite entwickelte Verriegelungs- und Stabilisierungstechnik ein. Rite-Hite ist auf Lösungen für Laderampen spezialisiert.
Die Vorrichtung blockiert den Lkw und schafft stabile Bedingungen, während die Roboter in den Auflieger fahren. Zusätzlich hat Barilla einige Verladebuchten neu angeordnet. Nach Angaben des Unternehmens waren mehr Sicherheit und eine bessere Kontrolle der Abläufe wichtige Gründe für die Einführung des Systems.
Weniger Handarbeit an der Laderampe
Barilla hat nicht mitgeteilt, wie viel Zeit die Lösung pro Fahrzeug einspart oder ob sich dadurch die Warteschlangen vor dem Werk verkürzt haben. Verändert hat sich jedoch der eigentliche Ablauf der Beladung.
Die Waren gelangen über ein automatisiertes internes System vom Lager in den Versandbereich. Anschließend platzieren die Roboter die Paletten direkt im Auflieger. Gesteuert wird der gesamte Materialfluss von der Plattform SM.I.LE80, die alle Prozesse vom Eingang der Rohstoffe bis zum Versand der Fertigprodukte koordiniert.
Für Fahrer besteht der wichtigste Unterschied darin, dass die Paletten im Auflieger nicht mehr von einem Staplerfahrer verteilt werden müssen. Weder Barilla noch der Anbieter der Roboter haben bislang genau erklärt, welche Aufgaben beim Positionieren des Fahrzeugs an der Rampe weiterhin der Fahrer übernimmt.
Technik mit Erfahrung aus den USA
Nach Angaben der E80 Group installiert der Systemanbieter seit mehr als zehn Jahren vergleichbare Lösungen für das automatisierte Be- und Entladen von Lkw in den Vereinigten Staaten. Diese Systeme kommen vor allem in Anlagen für schnell drehende Konsumgüter zum Einsatz. In Pedrignano wurde die Technik an das bestehende Layout und die vorhandene Infrastruktur angepasst.
Barilla musste deshalb kein vollständig neues Werk errichten. Die automatische Verladung wurde in ein bereits laufendes Lagersystem integriert.
Mehr als 100 LGVs an einem Standort
Die automatisierte Verladung ist der jüngste Schritt beim Ausbau der Lagerprozesse in Pedrignano. 2013 nahm dort ein 40.000 Quadratmeter großes Lager mit 80.000 Palettenstellplätzen und 54 LGVs den Betrieb auf. Damals wickelte das Werk rund ein Viertel der weltweiten Barilla-Mengen ab und fertigte täglich etwa 120 Lkw ab.
Ein Jahrzehnt später umfasste der Standort 165.000 Quadratmeter. Die Zahl der LGVs war auf 107 gestiegen. Hinzu kamen 35 robotergestützte Maschinen, darunter Palettierer, Etikettierer und Stretchwickler. Heute sind in dem Werk mehr als 100 LGVs im Einsatz.
Weniger Transporte zwischen externen Lagern
Die früheren Investitionen in die Lagerkapazität wirken sich auch auf die Transportabläufe aus. Durch den Ausbau ist Barilla weniger auf externe Lager angewiesen. Nach Angaben des Unternehmens entfallen dadurch jährlich mehr als 3.000 Lkw-Fahrten, die zuvor für den Warentransport zwischen dem Werk und externen Standorten erforderlich waren.
Das Beispiel zeigt, dass Entscheidungen über Lagerflächen und interne Prozesse nicht nur die Warenhandhabung beeinflussen. Sie können ebenso den Transportbedarf und das Verkehrsaufkommen rund um einen Standort verändern.
Die Laderampe wird Teil des automatisierten Prozesses
In vielen automatisierten Lagern endet der Einsatz der Roboter, sobald eine Palette den Versandbereich erreicht. Das Beladen des Aufliegers übernehmen dann weiterhin Mitarbeiter. In Pedrignano wird nun auch dieser letzte Abschnitt automatisiert.
Das bedeutet nicht, dass Transportunternehmen und Fahrer künftig überall auf denselben Ablauf treffen werden. Das Projekt zeigt jedoch, wie sich die Arbeit an der Schnittstelle zwischen Lager und Fahrzeug verändern kann.
Damit rücken neben den Prozessen im Lager auch die Bedingungen an der Rampe stärker in den Mittelpunkt. Eine sichere Fahrzeugverriegelung, die Gestaltung der Verladebereiche und die Eignung des Aufliegers entscheiden mit darüber, ob die automatische Beladung sicher und effizient funktioniert.








