Die Bekanntgabe der Expansion von Uber Freight nach Polen hat hitzige Debatten in der Branche ausgelöst. Das war aber nicht das einzige Highlight des HyperLOG-Transport and Logistics Future Forum.

1. Uber Freight expandiert nach Polen

Uber Freight expandiert nach Polen – das hat Daniel Buczkowski, Head of European Expansion bei Uber Freight,heute auf dem Hyperlog Logistics and Transport Future Forum bekannt gegeben. Buczkowski hat den polnischen Logistikmarkt als aufregend bezeichnet. Zudem räumte er ein, dass die Entscheidung über die Expansion unter anderem durch die Tatsache beeinflusst wurde, dass der Transportmarkt in Europa von Frachtführern aus Polen dominiert wird, auch wenn dies einigen nicht gefällt.

Die Branche ist vorerst skeptisch.

Es muss betont werden, dass das Weglassen der Spedition in der Transportkette nur für wenige Unternehmen eine gute Lösung ist. Ich glaube nicht, dass große Marktteilnehmer plötzlich von dem Modell der Unterstützung von Logistik- und Transportprozessen durch Speditionen zu einem Modell übergehen werden, bei dem das Wichtigste weggelassen wird – der Spediteur, Disponent – der sich nicht nur um die Ausführung von Aufträgen kümmert, sondern auch um gute Beziehungen zum Kunden und den Kontakt zum Spediteur, sagt Paweł Wasiewicz, dyrektor Sales Director bei Omida Group.

Das ist aber nicht alles.

Wir wissen nicht, über welches Kapital Uber Freight verfügt, wir wissen nicht, wie aggressiv das Unternehmen auf dem polnischen Markt agieren wird, und wir wissen daher nicht, wie viel Bares die Firma in den Markt pumpen wird. Uber Freight lockt mit schnellem Geld. Die Firma ist sich der Attraktivität des polnischen Marktes bewußt. Doch die Expansion ist mit unglaublichen Kosten verbunden. In ein paar Jahren müssen sie doch ROI erzielen. Weiß jemand, wie der von Uber Freight dominierte Transportmarkt dann in 2-3 Jahren aussehen wird? Wird Uber dann die Marktbedingungen diktieren? Wird das Unternehmen immer noch die gleichen  Tarife haben,fragt sich Wasiewicz.

Aus seiner Sicht kann theoretisch auch die Einfachheit der von Uber Freight App von Vorteil sein. Theoretisch, weil es in der Praxis mehr Ärger als Nutzen bringen kann.

Schon im Fall Uber war klar, was passieren wird, wenn die Firma auf den Markt kommt. Es gab Proteste, dass es beim Personentransport zu einer Verbiegung des Rechts kommen kann. Was wird  mit den Ladungen passieren? Ich denke, dass Uber Freight die Realität in Europa und eine ganze Reihe von Vorschriften, die es in den USA nicht gibt,  nicht kennt. Ich denke zum Beispiel an die detaillierten Regelungen zur Arbeitszeit,  sagt Maciej Zwyrtek, General Sales Director bei Kuźnia Trans.

Maciej Zwyrtek weist außerdem darauf hin, dass die Anwendung “Uber Freight” den Nutzern im Endeffekt doch mitteilen werden muss, wer die Ladung genau befördert, ob er ein zuverlässiger Beförderer ist, welche Strecke gefahren wird oder ob der ganze Prozess überhaupt kontrolliert wird.

Einerseits möchte Uber wahrscheinlich selbst Spediteur sein. Auf der anderen Seite wird es mit Sicherheit dazu kommen, dass eine ganze Reihe kleinerer Spediteure seine App wie jedes andere Tool benutzen wird. Uber Freight wird nicht den gesamten Markt erobern, aber einen Teil bestimmt. Vor allem kleine Firmen könnte Uber erobern, die bisher nicht an Digitalisierung gedacht haben und sich vor allem auf den Spotmarkt konzentriert haben, sagt Zwyrtek.

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2. Wie wird man zu einer digitale Spedition, ohne Milliarden Euro dafür ausgeben zu müssen?

Gefco gab kürzlich die Übernahme des Startups Chronotruck bekannt. C. H. Robinson plant, eine Milliarde Dollar in die Digitalisierung zu investiere. Durch größere Investitionen oder Akquisitionen wollen große Betreiber die digitalen Spediteure wie Convoy, Instafreight und Sennder einholen, die in den letzten Monaten den Markt erobert haben. Jeder möchte effizienter und schneller arbeiten. Das sind klare Vorteile der Digitalisierung.

Was aber mit kleinen traditionellen Speditionen, die sich einen digitalen Wandel theoretisch nicht leisten können? Die Antwort auf diese brennende Frage präsentierte Bogdan Kosturek von Trans.eu in während des HyperLOG-Transport and Logistics Future Forums.

– Die Antwort ist einfach: Plattformisierung und market place. Anstatt ein separates Ladengeschäft zu eröffnen, ist es sinnvoll, einem großen Cluster von Geschäften beizutreten, d. h. einer Plattform, auf der alle Geschäfte an einem Ort sind und sich auf diese Weise Zugriff auf riesige Ressourcen – Spediteure und Fracht – verschaffen.  Trans.eu ist eine solche digitale Plattform, die selbst kleinen Spediteuren Tools bietet, mit denen jede Spedition digital sein und damit schneller arbeiten kann. Dabei werden Algorithmen verwendet, die viele manuelle Vorgänge für Spediteure ausführen. Und das ohne Millionen Euro  für eigene Tools ausgeben zu müssen, sagte Bogdan Kosturek.

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3. C.H. Robinson kündigt gigantische Investitionen an

Eine Milliarde Dollar, die Bob Biesterfeld, Präsident von C.H. Robinson, einem der größten Logistikdienstleister, zufolge von der Firma in fortschrittliche Technologien investiert werden soll , wird auch Einfluss auf die Geschäftstätigkeit in  Polen haben. Arkadiusz Glinka, Direktor für Mittel- und Osteuropa bei C.H. Robinson, hat vor allem diese Information während des HyperLOG-Transport and Logistics Future Forums betont.

Veranlasst zu solchen Investitionen hat C.H. Robinson eine Umfrage durchgeführt unter 3.000 Verladern. Diese hat belegt, dass bis zu 88 Prozent der Teilnehmer der Studie Technologie als einen wichtigen Faktor bezeichnet haben. Transparenz und prediktive Analyse hatten auch einen hohen Stellenwert – 65 Prozent der Befragten gaben an, diese Tools innerhalb der nächsten zwei Jahren implementieren zu wollen.Darüber hinaus war die Kenntnis der lokalen und globalen Gegebenheiten auch von entscheidender Bedeutung.

Daher beabsichtigt das Unternehmen seine  IT-Abteilung und der Softwareentwicklung in Warschau zu erweitern. Vor ein paar Monaten hat C.H. Robinson  die Einstellung von über 100 IT-Spezialisten bis Ende nächsten Jahres angekündigt.

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Foto: Trans.INFO

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