Es hat sich schon Ende 2025 abgezeichnet: Die M&A-Aktivitäten in der Transport- und Logistikbranche haben die Korrekturphase nach der Pandemie eindeutig hinter sich gelassen. Aber statt ungebremster Deal-Aktivitäten sind die Transaktionsbemühungen in eine diszipliniertere, selektivere Phase übergegangen. Die Entwicklung war dann 2025 auch kein volumenbedingter Aufschwung, sondern eine strategische Neukalibrierung, die nun die Erwartungen für 2026 prägt. Und bereits jetzt ist klar: Käufer bevorzugen Unternehmen mit stabilen und planbaren Erträgen, die idealerweise durch langfristige Verträge gestützt werden und nur in geringem Maße von der Volatilität der Spotfracht abhängen.
Technologie als Unterscheidungsmerkmal
Neben der Ertragsqualität rückt Technologie dabei immer stärker in den Mittelpunkt der Kaufüberlegungen. Unternehmen, die Automatisierung, digitales Frachtmanagement, Ökosystem-Integration, Echtzeittransparenz oder KI-gestützte Optimierung anbieten, bieten Käufern strukturelle Vorteile. Technologische Entwicklungen werden von den Käufern zunehmend als Kerninfrastruktur betrachtet, die für die Sicherung der Gewinnspanne, die Skalierbarkeit, die Kundenbindung und den Gewinn von Marktanteilen unverzichtbar ist. Die Zeiten, als „Tech“ ein angenehmes Zusatzprodukt war, dürften damit endgültig vorbei sein.
2026: In einem unvollkommenen Umfeld zielgerichtet agieren
Die Dynamik der vergangenen Monate hat es gezeigt, die Entwicklung der transatlantischen Beziehungen und der weltweiten Spannungen lassen kaum noch Prognosen zu, die länger als ein paar Tage gültig sind. Zolldiskussionen ebenso wie makroökonomische und geopolitische Unsicherheiten haben den Markt entscheidend verändert und spiegeln sich in der Verlagerung hin zu sehr gezielten Übernahmen, Bolt-ons und operativ orientierten Transaktionen wider. Käufer warten nicht mehr auf optimale Bedingungen, sondern sind sich im Klaren, dass sie in einem unvollkommenen und sich ständig ändernden Umfeld agieren müssen. Aber was heißt das für die einzelnen Segmente aus Sicht möglicher Käufer?
Speditionen: Konsolidierung mit klaren Filtern
Die Speditionsbranche steht 2026 vor großen Herausforderungen. Ein mögliches Wachstum wird 2026 allmählich wieder einsetzen, aber der Druck auf die Margen und die Volatilität der Preise wird anhalten. Insbesondere die Preise für Seefracht könnten durch eine breite Rückkehr der Spediteure in den Suezkanal und neue Aufträge für Schiffskapazitäten, die das Wachstum des Frachtvolumens übersteigen, beeinträchtigt werden.
Strategic Buyers werden sich auf Firmen konzentrieren, die branchenspezifisches Fachwissen und Dienstleistungstiefe mit Zollfachwissen sowie hohem Digitalisierungsgrad verbinden. Nach dem Zusammenschluss von DSV-Schenker 2025 fand nur noch eine begrenzte Konsolidierung statt, was für 2026 zu einer neuen Welle führen dürfte, da andere Top-20-Unternehmen mit dem Branchenführer gleichziehen wollen. Die Bedeutung der Themen Künstliche Intelligenz und Digitalisierung für Speditionen lässt sich am Beispiel von C.H. Robinson und seiner fulminanten Kursentwicklung der vergangenen Monate ablesen. Das US-Unternehmen gilt derzeit als Pionier und Musterbeispiel dafür, durch den erfolgreichen, großflächigen Einsatz von KI nachhaltige Effizienz- und Margensteigerungen in der Spedition zu erreichen.
Das Interesse von Private-Equity-Firmen wird sich auf technologiegestützte Modelle und Aggregator-Plattformen konzentrieren, die Spielraum für wertsteigernde M&A-Aktivitäten bieten, wie etwa risikoarme Übernahmen von kleineren, operativ tätigen Einheiten und Unternehmen oder der Zukauf spezialisierter Expertise in bestimmten Handelsrouten oder vertikalen Kundenbereichen. KI-Initiativen können auch hier eine wichtige Rolle im Rahmen der Wertschöpfung durch Verbesserung der operativen Effizienz und Kundenbindung spielen.
Um es vorsichtig zu sagen: Für Spediteure, denen es an Differenzierungsmerkmalen oder entsprechender IT-Kompetenz fehlt, wird 2026 ein sehr herausforderndes Jahr werden.
Kontraktlogistik: der zentrale Wachstumsmotor
Die Kontraktlogistik hingegen wird unser Erwartung nach auch 2026 das attraktivste Segment im Bereich T&L sein. Das Wachstum wird durch die fortgesetzte Auslagerung komplexer Logistikvorgänge sowie durch langfristige Faktoren wie E-Commerce, Nearshoring und die Lokalisierung von Beständen unterstützt.
Marktbeobachter gehen von einer stetigen Expansion aus, insbesondere bei automatisierungsintensiven Lagern, temperaturgeführter Logistik und Mehrwertdiensten, wobei Logistikdienstleister, die Outsourcing-Möglichkeiten nutzen, Wachstumsraten über dem BIP erzielen können.
Strategic Buyers werden auf Größe in Kombination mit den richtigen Kapazitäten schauen, einschließlich Sektor-Spezialisierung, länderübergreifender Serviceabdeckung und Automatisierungs- oder Technologiekompetenz. Cross-Selling und der Aufbau von End-to-End-Kapazitäten werden weiterhin im Mittelpunkt der Überlegungen stehen.
Private-Equity-Investoren werden weiterhin aktiv sein, konkurrieren aber mit Infrastrukturkapital um hochwertige Ziele mit stabilen, langfristigen Cashflows. Im Fokus stehen hier auch Zielunternehmen, die dem Erwerber zugleich Eigentum an strategischen Logistikimmobilien, etwa in der Nähe von Häfen oder Flughäfen, verschaffen können.
Road Transport: Normalisierung statt Boom
2026 könnte für den Stückgut- und Industrie-Straßentransport eine Stabilisierungsphase einläuten, auch wenn die strukturellen Herausforderungen in Nordamerika und Europa weiterhin bestehen bleiben. Kapazitätsdisziplin, bessere Finanzierungsbedingungen und eine allmähliche Erholung der Preise, insbesondere in Nordamerika dürften die Normalisierung der Erträge unterstützen.
Mittelfristig sollten der Fahrermangel und der Trend zu Nearshoring die Geschäftsaussichten für die Anbieter im europäischen Landtransport strukturell verbessern. Darüber hinaus kann die Dekarbonisierung für europäische Spediteure, welche die Vorteile einer Umstellung der Flotten auf batteriebetriebene Lkw nutzen können, ein nicht zu unterschätzender Vorteil sein.
Strategic Buyers werden sich auf Ergänzungen konzentrieren, um Netzwerksynergien zu erzielen oder Zugang zu spezialisierten Flotten zu erhalten, um sich vom Wettbewerb abzuheben.
Private Equity wird sich selektiv und operativ ausrichten und wahrscheinlich den Fokus auf Spediteure mit spezialisierten Flotten und angrenzenden Dienstleistungsangeboten legen.
Verkäufer sollten damit rechnen, dass die Auslastung, die Gewinnspannen und die Möglichkeiten des digitalen Flottenmanagements genauestens geprüft werden.
Infrastrukturkapital: eine strukturelle Verschiebung
Infrastrukturinvestoren werden bei M&A-Transaktionen eine entscheidende Rolle spielen: Große, langfristig agierende Kapitalpools haben starkes Interesse an Transport-&-Logistik-Unternehmen, die essenzielle Dienstleistungen für das Funktionieren von Volkswirtschaften erbringen und dabei mit vorhersehbaren Cashflows, Inflationsabsicherung und einer strategisch guten Positionierung am Markt punkten können.
Das Übernahmeangebot von Macquarie für die australische Logistikgruppe Qube Holding im vierten Quartal 2025 unterstreicht diese Entwicklung und zeigt deutlich, dass Infrastrukturkapital, Private Equity und strategische Käufer sich zunehmend um die gleichen Zielunternehmen bemühen. Dieser Trend ist derzeit besonders deutlich im Bereich der Kontraktlogistikunternehmen mit Ausrichtung auf Kunden aus den Branchen Pharma und Gesundheit sowie bei Dienstleistern für die Lebensmittel- und Tiefkühlbranche zu beobachten. Für Unternehmen, die den Anforderungsprofilen entsprechen, dürfte diese Dynamik die Bewertungsresistenz unterstützen und die Exit-Optionen erweitern.
Vom Reset zum Momentum
Die M&A-Branche im Bereich Transport und Logistik scheint mit größerer Klarheit und Zuversicht in das Jahr 2026 zu starten als noch ein Jahr zuvor. Die Erfahrungen und Entwicklungen von 2025 haben das Verhalten der Käufer grundlegend verändert und wir gehen davon aus, dass dieses Jahr durch zielgerichtete, qualitativ hochwertige Transaktionen geprägt sein wird. Diese Entwicklungen sind auch eine gute Nachricht für die Verkäuferseite. Vorausgesetzt, sie sind gut positioniert, klar differenziert und halten einer immer strengeren Investitionsprüfung stand. Das sehr lebhafte T+L-Transaktionsumfeld sowohl in Europa als auch in Nordamerika bereits in den ersten Wochen scheint diesen Ausblick auf den Rest des Jahres zu bestätigen.
Über den Autor
Dirk Engelmann ist Managing Director bei der M&A-Beratung Lincoln International in Frankfurt. Er hat eine leitende Funktion im Business Services Team inne und ist auf Transaktionen im Bereich Transport und Logistik spezialisiert. Engelmann berät Unternehmenskunden und Private-Equity-Investoren bei nationalen und internationalen Fusionen und Übernahmen.











