Die neue „Mittelfristprognose Winter 2025/26“ des Bundesamts für Logistik und Mobilität (BALM), erstellt gemeinsam mit Intraplan im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums, zeichnet ein vorsichtiges Bild der kommenden Jahre. Für 2026 wird ein Anstieg des Transportaufkommens um 0,7 Prozent erwartet, die Verkehrsleistung soll lediglich um 0,2 Prozent wachsen.
Damit endet zwar formal die Rückgangsphase – von einer echten Trendwende kann jedoch kaum die Rede sein. Selbst im Jahr 2029 bleibt das Transportaufkommen laut Prognose noch deutlich unter dem Vorkrisenniveau von 2019 (-8,2 %), die Verkehrsleistung liegt weiterhin um 3,7 Prozent darunter.
Konjunktur bleibt der entscheidende Taktgeber
Auffällig ist, wie stark die Entwicklung weiterhin an gesamtwirtschaftliche Faktoren gekoppelt bleibt. Anders als in den Jahren nach der Pandemie gibt es keine Nachholeffekte mehr – der Güterverkehr folgt wieder direkt der Konjunktur.
Für 2025 wird trotz leichtem BIP-Wachstum (+0,2 %) ein Rückgang im Güterverkehr ausgewiesen (Aufkommen -0,4 %, Leistung -1,5 %). Hintergrund sind insbesondere die schwache Industrieproduktion, ein rückläufiger Außenhandel sowie die anhaltende Krise in der Bauwirtschaft.
Erst 2026 wird mit einer moderaten Belebung gerechnet – vor allem, weil sich einzelne Branchen stabilisieren sollen.
Straßengüterverkehr stabilisiert sich – getragen von der Bauwirtschaft
Im Straßengüterverkehr zeigt sich diese Entwicklung besonders deutlich. 2025 stagnierte das Transportaufkommen nahezu (-0,1 %), während die Transportleistung um 0,9 Prozent zurückging – bereits das vierte Minusjahr in Folge.
Für 2026 rechnen die Prognostiker mit einem Anstieg von jeweils rund einem Prozent bei Aufkommen und Leistung. Entscheidend dafür ist vor allem die erwartete Erholung der Bauproduktion, die als zentrale Nachfragequelle für den LKW-Verkehr gilt.
Gleichzeitig zeigt sich: Die Stabilisierung kommt nicht aus der gesamten Breite des Marktes. Während baunahe Gütersegmente wie Steine, Erden und Mineralölprodukte wieder wachsen, bleiben andere Bereiche schwach. Konsumnahe Güter verzeichnen weiterhin Rückgänge, Metalle stagnieren.
Der Markt wächst damit selektiv – nicht flächendeckend.
Schiene verliert weiter – strukturelle Probleme bleiben ungelöst
Deutlich schwächer fällt die Entwicklung im Schienengüterverkehr aus. 2025 ging das Aufkommen um 2,8 Prozent zurück, die Leistung sogar um 3,1 Prozent.
Für 2026 erwarten die Prognostiker keine grundlegende Trendwende. Das Aufkommen soll um weitere 0,9 Prozent sinken, die Verkehrsleistung um 2,2 Prozent.
Neben der schwachen Industrie belasten vor allem strukturelle Faktoren: eine hohe Störanfälligkeit des Netzes, umfangreiche Baustellen sowie Unsicherheiten bei den Trassenpreisen.
Auch der kombinierte Verkehr bleibt hinter den Erwartungen zurück. Nach einem Rückgang im Jahr 2025 wird für 2026 lediglich eine leichte Stabilisierung prognostiziert – ohne klare Wachstumsimpulse.
Europäischer Wettbewerb verschärft sich weiter
Ein zentraler Punkt der Prognose liegt in der zunehmenden Internationalisierung des Straßengüterverkehrs. Der Anteil ausländischer LKW im Inland wächst weiter und liegt bereits bei rund 45 Prozent.
Diese Entwicklung hängt eng mit der Struktur des Verkehrs zusammen. Während der nationale Fernverkehr deutscher Unternehmen unter Druck bleibt, gewinnt der grenzüberschreitende Verkehr an Bedeutung.
Damit verschiebt sich der Wettbewerb zunehmend auf europäische Kostenstrukturen. Anbieter aus Mittel- und Osteuropa profitieren von günstigeren Rahmenbedingungen und bauen ihre Marktanteile weiter aus.
Transitverkehr als Wachstumstreiber – mit begrenztem Nutzen für deutsche Unternehmen
Ein besonders dynamischer Bereich ist der Transitverkehr. Laut Prognose ist er die einzige Verkehrsrelation, die bis 2029 über das Niveau von 2019 hinaus wächst.
Deutschland bleibt damit eine zentrale Drehscheibe im europäischen Güterverkehr. Gleichzeitig zeigt sich jedoch eine strukturelle Verschiebung: Dieses Wachstum wird überwiegend von ausländischen Transportunternehmen abgewickelt.
Für deutsche Anbieter bedeutet das: Der Markt wächst – aber nicht zwingend im eigenen Segment.
Prognose unter klaren Annahmen
Die im Bericht ausgewiesenen Wachstumsraten basieren auf konkreten wirtschaftlichen und geopolitischen Annahmen. So wird unterstellt, dass sich der seit Februar 2026 laufende Iran-Konflikt zeitlich begrenzt und nicht weiter ausweitet. Ebenso geht die Prognose davon aus, dass bestehende Handelskonflikte – insbesondere zwischen den USA und Europa – nicht weiter eskalieren.
Auf wirtschaftlicher Seite rechnen die Autoren mit einem moderaten Wachstum von rund einem Prozent sowie einer leichten Belebung des Außenhandels. Gleichzeitig bleiben zentrale Belastungsfaktoren bestehen: Die Bauwirtschaft erholt sich nur langsam, die Industrieproduktion bleibt gedämpft, und Energiepreise werden weiterhin als volatil eingeschätzt.
Auch bei den Rahmenbedingungen im Verkehrssektor selbst bestehen Unsicherheiten. Dazu zählen laut Bericht insbesondere die weitere Entwicklung der CO2-Bepreisung sowie offene Fragen bei den Trassenpreisen im Schienengüterverkehr, deren konkrete Ausgestaltung noch nicht abschließend geklärt ist.
Entwicklung bis 2029 bleibt unter Vorkrisenniveau
Trotz der erwarteten leichten Erholung ab 2026 bleibt die Entwicklung im Güterverkehr mittelfristig begrenzt. Bis 2029 wird ein durchschnittliches jährliches Wachstum von rund 0,9 Prozent prognostiziert.
Damit wird das Niveau der Jahre vor der Pandemie nicht mehr erreicht. Das gesamtmodale Transportaufkommen liegt im Jahr 2029 weiterhin um 8,2 Prozent unter dem Wert von 2019, die Verkehrsleistung um 3,7 Prozent.
Innerhalb des Marktes verschieben sich die Anteile weiter zugunsten des Straßengüterverkehrs, während der Schienengüterverkehr strukturell unter Druck bleibt. Gleichzeitig gewinnt der grenzüberschreitende Verkehr an Bedeutung, was sich auch in einem steigenden Anteil ausländischer Transportunternehmen im deutschen Markt widerspiegelt.









