Eine riesige Geldstrafe für Amazon – spürbar selbst für einen solchen Riesen

Nach einer Entscheidung der italienischen Kartellbehörde muss Amazon eine beträchtliche Geldstrafe in Höhe von fast 1,13 Milliarden Euro zahlen. Aus dem Urteil geht hervor, dass der Riese seine "absolut marktbeherrschende" Stellung missbraucht hat, indem er zum Schaden potenzieller Konkurrenz unter anderem seitens der Zulieferer und Logistikunternehmen handelte.

Eine riesige Geldstrafe für Amazon – spürbar selbst für einen solchen Riesen
Foto Bartosz Wawryszuk

Die verhängte Geldstrafe wird spürbar sein, auch wenn es sich um einen der reichsten multinationalen Konzerne handelt, so italienische Medien. Die Strafe betrifft fünf Unternehmen: Amazon Europe Core, Amazon Services Europe, Amazon, Amazon Italia Services und Amazon Italia Logistics – zählt das Portal trasportoeuropa.it auf.

Die Kartellbehörde wies darauf hin, dass Amazon seine marktbeherrschende Stellung missbraucht und gegen „Artikel 102 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union bei der Erbringung von Logistikdienstleistungen für den elektronischen Handel” verstoßen hat.

Amazon privilegierte seinen eigenen Logistikdienst (Fulfillment by Amazon), indem es seine marktbeherrschende Position ausnutzte. Verkäufer, die den Dienst nutzten, unterlagen beispielsweise keinem strengen System zur Leistungsmessung, im Gegensatz zu diejenigen, die externe Betreiber und Lieferanten einsetzten. Wie in den italienischen Medien zu lesen ist, kann eine extrem niedrige Punktzahl im System sogar zur Sperrung des Verkäuferkontos führen.

Darüber hinaus soll Amazon „die Nutzung des Zugangs zu seinem 'Fulfillment by Amazon’ mit einer Reihe von exklusiven Vorteilen, einschließlich des Prime-Labels, kombinieren, die dazu beitragen, die Sichtbarkeit (des Angebots auf der Plattform – Anm. d. Red.) zu erhöhen und die Verkäufe auf Amazon.it anzukurbeln”, so cnn.com weiter.

Die Kartellbehörde argumentierte, dass die konkurrierenden Logistikunternehmen aufgrund der Praktiken des Konzerns nicht in der Lage waren, den Verbrauchern zu zeigen, dass sie eine vergleichbare Dienstleistungsqualität bieten.

Tun sie es, weil es billiger ist?

Amazon ist mit der Entscheidung nicht einverstanden und hat angekündigt, gegen das Bußgeld in Berufung zu gehen.

Wenn Verkäufer sich für Fulfillment by Amazon entscheiden, dann tun sie dies, weil (die Lösung – Anm. d. Red.) effizient, bequem und preislich wettbewerbsfähig ist”, so das Unternehmen in einer Erklärung, die vom US-Portal zitiert wird. „Die vorgeschlagene Geldbuße und die Abhilfemaßnahmen sind ungerechtfertigt und unverhältnismäßig”, heißt es weiter.

Zu den erwähnten Maßnahmen gehört die Verpflichtung des Riesen, alle Privilegien jenen Unternehmen zu gewähren, die in der Lage sind, „faire und diskriminierungsfreie Standards der Auftragsabwicklung zu erfüllen, die mit dem Serviceniveau übereinstimmen, das Amazon den Prime-Kunden garantieren will”, berichtete das italienische Portal. Diese Standards sollen veröffentlicht werden.

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