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EU und USA setzen Zoll-Deal um: Was das Abkommen konkret bedeutet

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Die EU hat sich auf die Umsetzung des Zollabkommens mit den USA geeinigt. Für Unternehmen bedeutet das vor allem: weniger Zölle auf bestimmte Waren, mehr Planungssicherheit im transatlantischen Handel - aber keine vollständige Entspannung. Denn zahlreiche US-Zölle bleiben bestehen.

Dieser Text wurde vollständig von einem Redakteur verfasst – basierend auf fachlichem Wissen, journalistischer Erfahrung und sorgfältiger Recherche. Künstliche Intelligenz kam dabei nicht zum Einsatz.

Vertreter der EU-Mitgliedstaaten und des Europäischen Parlaments haben sich in der Nacht zum Mittwoch auf die Umsetzung des Zollabkommens mit den USA verständigt. Der Kompromiss soll spätestens bis zum 4. Juli in Kraft treten und beinhaltet mehrere konkrete Änderungen für den Warenverkehr zwischen beiden Wirtschaftsräumen.

Welche Zölle die EU abschafft

Die EU verpflichtet sich, Zölle auf zahlreiche US-Industriegüter abzuschaffen. Zudem erhalten amerikanische Agrarprodukte und Meeresfrüchte besseren Zugang zum europäischen Markt.

Welche Produktgruppen genau betroffen sind, soll die EU-Kommission in den kommenden Wochen im Detail veröffentlichen. Bereits jetzt ist jedoch klar, dass insbesondere Industrieimporte sowie ausgewählte Agrar- und Lebensmittelprodukte von niedrigeren Handelsbarrieren profitieren sollen.

Für europäische Unternehmen bedeutet das vor allem günstigere Importe bestimmter US-Waren und weniger bürokratischen Aufwand im Handel mit amerikanischen Partnern.

Welche US-Zölle bestehen bleiben

Im Gegenzug verzichten die USA vorerst auf weitere Eskalationen im Zollstreit. Allerdings bleiben die bereits vereinbarten US-Zölle von bis zu 15 Prozent auf zahlreiche EU-Exporte bestehen.

Besonders relevant ist das für die europäische Automobil-, Stahl- und Maschinenbauindustrie. US-Präsident Donald Trump hatte zuletzt zusätzlich mit Importzöllen von 25 Prozent auf Fahrzeuge und Lastwagen aus der EU gedroht.

Mit der jetzigen Einigung soll ein weiterer Anstieg dieser Zölle zunächst verhindert werden.

Automobilindustrie sieht weiter Unsicherheiten

Die deutsche Automobilindustrie begrüßte die Einigung grundsätzlich, sieht aber weiterhin Risiken. Hildegard Müller, Präsidentin des Verband der Automobilindustrie, erklärte, die neuen Schutzklauseln dürften nicht dazu führen, dass die USA das Abkommen wieder infrage stellen.

Zugleich verwies Müller auf die weiterhin geltenden US-Zölle von 15 Prozent auf Pkw und Fahrzeugteile sowie auf zusätzliche Belastungen bei Nutzfahrzeugen. Die bis Ende 2029 befristeten Zollregelungen sorgten zudem weiter für Unsicherheit bei den Unternehmen.

Was das für die Transport- und Logistikbranche bedeutet

Für Speditionen, Reedereien und Logistikunternehmen bringt der Deal vor allem mehr Berechenbarkeit. In den vergangenen Monaten hatten die wiederholten Zolldrohungen aus Washington die Unsicherheit im transatlantischen Handel erhöht.

Neue Strafzölle hätten direkte Auswirkungen auf Transportvolumen, Frachtraten und Lieferketten gehabt, insbesondere im Containerverkehr zwischen Europa und Nordamerika.

Von der Einigung profitieren vor allem Unternehmen mit starkem US-Geschäft, darunter Automotive-Logistiker, Hafenbetreiber, Industrie-Speditionen und Luftfrachtanbieter.

Gleichzeitig bleibt das Risiko neuer Handelskonflikte bestehen, da Washington weiterhin Druck auf die EU ausübt.

Sicherheitsklauseln für die EU

Die EU hat deshalb mehrere Schutzmechanismen in das Abkommen eingebaut. So können Zollvergünstigungen wieder ausgesetzt werden, falls die USA gegen Vereinbarungen verstoßen oder neue Zölle verhängen.

Laut dem Vorsitzenden des Handelsausschusses im Europäischen Parlament, Bernd Lange, enthält die Einigung eine sogenannte „Notbremse“. Demnach sollen die wirtschaftlichen Auswirkungen des Deals Ende 2029 überprüft werden.

Zudem soll die EU-Kommission künftig alle drei Monate über die Entwicklung des Handels mit den USA berichten.

Warum der Deal wirtschaftlich wichtig ist

Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen der EU und den USA gehören zu den größten weltweit. Nach EU-Angaben entfallen rund 30 Prozent des weltweiten Handels mit Waren und Dienstleistungen auf beide Wirtschaftsräume. Das Handelsvolumen lag 2024 demnach bei rund 1,7 Billionen Euro.

Entsprechend groß wären die Auswirkungen eines neuen Handelskonflikts auf Industrie, Handel und Logistik gewesen. Die jetzige Einigung gilt daher vor allem als Versuch, die transatlantischen Lieferketten kurzfristig zu stabilisieren.

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