Damit bleiben Kontrollen an Schengen-Binnengrenzen weiter Realität – obwohl sie nach den Regeln eigentlich nur als Ausnahmeinstrument vorgesehen sind: befristet, verhältnismäßig und nur dann zulässig, wenn öffentliche Ordnung oder innere Sicherheit als gefährdet gelten.
Niederlande: Verlängerung bis Ende September 2026
Die niederländische Regierung führt die temporären Grenzkontrollen bis zum 30. September 2026 fort. Als Gründe werden anhaltender Migrationsdruck genannt – darunter viele Asylanträge, irreguläre Migration, Schleusung sowie sogenannte Sekundärmigration.
Betroffen sind:
- die Landgrenzen zu Belgien und Deutschland,
- Flugverbindungen innerhalb des Schengen-Raums (Schengen-Binnenluftgrenzen).
Rechtliche Grundlage ist der Schengener Grenzkodex. Er erlaubt die vorübergehende Wiedereinführung von Kontrollen in außergewöhnlichen Situationen – unter der Voraussetzung, dass sie verhältnismäßig bleiben und zeitlich begrenzt sind.
Gleichzeitig betonen die Behörden, dass die Kontrollen in ihrer aktuellen Form am 30. September 2026 enden sollen und anschließend voraussichtlich nicht erneut verlängert werden. Vorgesehen ist stattdessen ein Ausbau der regulären Grenzüberwachung im Rahmen des Mobile Security Monitoring (MTV).
Operative Anpassung: mehr Spielraum für Kontrollen
Parallel dazu bereiten die Niederlande Änderungen bei der praktischen Umsetzung der Grenzaufsicht vor. Die Koninklijke Marechaussee bleibt dabei operativ federführend und soll innerhalb des MTV-Rahmens mit erweiterten Handlungsmöglichkeiten arbeiten.
Kernpunkt ist eine Anhebung der Kontrollgrenzen. Das soll ermöglichen:
- einen flexibleren Einsatz je nach Risikolage,
- intensivere Kontrollen auf Basis operativer Analysen,
- ein breiteres Spektrum an Kontrollen über verschiedene Verkehrsträger hinweg – darunter Flugzeuge, Züge, Schiffe, Busse und Pkw.
MTV-Kontrollen finden in einem Streifen von bis zu 20 Kilometern entlang der Binnengrenzen statt.
Im Zeitraum von Dezember 2024 bis März 2026 führten diese Maßnahmen laut Angaben zu:
- 600 Zurückweisungen ausländischer Staatsangehöriger,
- 270 Festnahmen, unter anderem in Fällen mit gefälschten Dokumenten sowie im Zusammenhang mit Schleusung.
Schweiz: Befristete Kontrollen wegen G7-Gipfel
Auch die Schweiz führt vorübergehend wieder Grenzkontrollen ein. Geplant sind sie für den Zeitraum vom 10. bis 19. Juni 2026. Hintergrund ist der G7-Gipfel in Évian (Frankreich), der vom 15. bis 17. Juni 2026 stattfinden soll.
Die Kontrollen betreffen:
- die Landgrenze zu Frankreich,
- den Grenzabschnitt auf dem Genfersee,
- mit besonderem Fokus auf die Region rund um den Genfersee.
Laut Mitteilung handelt es sich um präventive Maßnahmen als Teil des Sicherheitskonzepts für das internationale Ereignis.
Italien verlängert Kontrollen an der Grenze zu Slowenien
Auch andere Schengen-Länder halten an ähnlichen Maßnahmen fest. Italien verlängert die temporären Kontrollen an der Landgrenze zu Slowenien bis zum 18. Dezember 2026. In der Mitteilung an die Europäische Kommission verweist Italien auf das fortbestehende Risiko, dass Migrationsrouten von terroristischen Netzwerken genutzt werden könnten, auf die angespannte Lage im Nahen Osten und in der Ukraine sowie auf weiterhin hohe Zahlen irregulärer Migration. Zudem nennen die italienischen Behörden die Aktivitäten organisierter Gruppen, die entlang der sogenannten Balkanroute in Schleusung und Menschenhandel involviert sind.









