Die Zahl großer Unternehmenspleiten hat 2025 einen neuen Negativrekord erreicht. Weltweit meldeten 475 Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 50 Millionen Euro Insolvenz, das entspricht laut Analyse von Allianz Trade einem Anstieg von 1 % gegenüber 2024 (469 Fälle). Rechnerisch ging damit alle 18 Stunden ein großes Unternehmen insolvent.
Deutschland zählt dabei zu den Haupttreibern der Entwicklung.
Deutschland mit Höchststand seit Beginn der Auswertung
In Deutschland registrierte Allianz Trade im Jahr 2025 94 Großinsolvenzen, sieben mehr als im Vorjahr (87) und ein Anstieg um 8 %. Damit wurde der höchste Wert seit Beginn der Erhebungen im Jahr 2015 erreicht.
„Wenn es kracht, dann oft richtig. Wir sehen bereits seit vier Jahren deutlich ansteigende Großinsolvenzen, die 2025 den höchsten Stand seit 2015 erreicht haben, sowohl weltweit als auch in Deutschland“, sagt Milo Bogaerts, CEO von Allianz Trade in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Deutschland macht laut Analyse rund 20 % aller weltweiten Großinsolvenzen aus und ist damit einer der wichtigsten Treiber der globalen Dynamik.
Auffällig ist die zeitliche Entwicklung: Im ersten Halbjahr 2025 schien sich die Lage zunächst leicht zu entspannen (30 Fälle nach 39 im Vorjahreszeitraum). Im zweiten Halbjahr kehrte sich das Bild jedoch deutlich um, mit 64 Großpleiten, davon allein 37 im vierten Quartal. Auch global war das Schlussquartal mit 147 Fällen das stärkste seit Beginn der Analyse.
Branchenstruktur: Industrie und Dienstleistungen dominieren
In Deutschland traf es 2025 vor allem:
- Dienstleistungen (14 Fälle) – darunter 9 Kliniken und Pflegeeinrichtungen
- Automobilbranche (12 Fälle)
- Chemie (11 Fälle)
- Metall (11 Fälle)
- Baugewerbe (10 Fälle)
- Einzelhandel (9 Fälle)
Gerade für Transport- und Logistikunternehmen ist diese Branchenstruktur relevant. Automotive, Chemie, Metall und Bau zählen traditionell zu volumenstarken Auftraggebern für Speditionen, Kontraktlogistik und spezialisierte Transportdienstleister.
Dominoeffekt in den Lieferketten: Kleine Zulieferer besonders gefährdet
Ein zentrales Risiko liegt laut Allianz Trade weniger in der Fallzahl selbst, sondern im Schneeballeffekt entlang der Lieferketten.
„Das problematische an vielen Großinsolvenzen ist der mögliche Dominoeffekt auf die Lieferketten“, sagt Maxime Lemerle, Leiter der Insolvenzanalyse bei Allianz Trade. „Gerade kleine Unternehmen mit einer starken Abhängigkeit von wenigen großen Abnehmern sind hier gefährdet.“
Weltweit stieg der Gesamtumsatz der insolventen Großunternehmen um 12 % auf 208 Milliarden Euro. Je größer die insolventen Unternehmen, desto höher sind potenzielle Forderungsausfälle bei Zulieferern, Logistikdienstleistern und Subunternehmern.
Für kleinere Speditionen und Frachtführer mit hoher Kundenkonzentration bedeutet das:
- steigende Ausfallrisiken
- Liquiditätsdruck durch offene Forderungen
- kurzfristige Auftragsverluste
- erschwerte Refinanzierung
Gerade im europäischen Straßengüterverkehr mit vielen mittelständischen Betrieben ist diese Abhängigkeit strukturell ausgeprägt.
Europa im Fokus: Deutlicher Anstieg der Gesamtinsolvenzen
Nicht nur die Großinsolvenzen sind gestiegen, auch die Gesamtzahl der Unternehmenspleiten nahm deutlich zu.
Weltweit lag der Anstieg 2025 bei +6 %, in Deutschland sogar bei +11 %.
Bei den absoluten Fallzahlen liegt Europa vorne:
- Schweiz: +3.400 Fälle
- Deutschland: +2.500 auf insgesamt 24.300 Fälle
- Italien: +2.480 Fälle
- Frankreich: +2.330 Fälle
Prozentual besonders starke Anstiege verzeichneten:
- Türkei (+57 %)
- Hongkong (+45 %)
- Griechenland (+40 %)
- Schweiz (+40 %)
- Singapur (+27 %)
Rückgänge meldet Allianz Trade für Indien und Russland (je -24 %), Kanada (-23 %) sowie die Niederlande (-16 %).
Für die europäische Transportbranche ist entscheidend: Mehr Insolvenzen bedeuten nicht nur weniger Frachtvolumen, sondern vor allem höhere Forderungsausfälle und volatilere Auftragssituationen.
2026: Weitere Zunahme, aber mit geringerer Dynamik
Für 2026 erwarten die Allianz-Trade-Experten weltweit einen weiteren Anstieg der Insolvenzen um rund 3 % – es wäre das fünfte Wachstumsjahr in Folge. Als zusätzlicher Risikofaktor werden unter anderem Handelskonflikte und Zolleffekte genannt.
In Deutschland dürften die Fallzahlen 2026 um etwa 1 % auf rund 24.450 Fälle steigen.
„2026 dürfte sich die Dynamik beim Anstieg der Unternehmensinsolvenzen etwas abflachen“, sagt Bogaerts.
Eine echte Trendwende erwarten die Experten jedoch erst 2027. Dann könnten die weltweiten Fallzahlen um -1 % sinken, in Deutschland sogar um -6 %. Allerdings blieben die Insolvenzen weiterhin auf einem historisch hohen Niveau.










