Die schwache deutsche Industrie hat bislang andere Wirtschaftszweige kaum angesteckt. „Damit unterscheidet sich der aktuelle Abschwung von jenem der Jahre 2011 bis 2013, als Deutschland von der Eurokrise erfasst wurde“, sagt ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser. Er kommentiert die neuesten Zahlen des Statistischen Bundesamtes zur Wirtschaftsleistung (BIP) 2019.

Zum Jahreswechsel 2012/13 sei das Land in eine gesamtwirtschaftliche Rezession gerutscht. Die Wertschöpfung in der Industrie sank, und gleichzeitig auch die der konsum- und baunahen Wirtschaftszweige.

2019 hingegen wird die Konjunktur durch eine kräftige Konsum- und Baukonjunktur gestützt. Zwar hat sich der Beschäftigungsaufbau im vergangenen Jahr verlangsamt, die Einkommenszuwächse der privaten Haushalte waren aber nach wie vor hoch. Spürbar steigende Tariflöhne, geringere Abgaben, sowie höhere Renten und mehr Kindergeld haben die Kaufkraft gestärkt.Zudem haben ein reger Konsum und Investitionen der öffentlichen Hand die inländische Nachfrage gestärkt. Nach unseren Schätzungen dürfte die Finanzpolitik die Konjunktur im Jahr 2019 um etwa 0,2 Prozentpunkte gestützt haben.Schließlich sind auch die Hypothekenzinsen noch einmal kräftig gefallen, und die Vergabe von Wohnungsbaukrediten hat sich beschleunigt, kommentiert Wollmershäuser.

Treiber der Abkühlung sind hingegen eine schwache weltweite Nachfrage nach deutschen Industriegütern sowie der Strukturwandel in der Automobilindustrie. Beides hat dazu beigetragen, dass sich das deutsche Verarbeitende Gewerbe seit Mitte 2018 in einer Rezession befindet. Nach Schätzungen des ifo Instituts dürfte allein der Produktionseinbruch in der Automobilindustrie das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts im vergangenen Jahr um 0,75 Prozentpunkte gedämpft haben.

Foto: Pixabay

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