WERBUNG
Trans V1

Foto: AdobeStock_Drazen

Fachkräftemangel auf Fünfjahrestief. Logistikbranche spürt Entlastung

Lesezeit 3 Min.

Der Druck auf viele Logistikunternehmen lässt nach: Erstmals seit Jahren entspannt sich die Personalsituation merklich. Doch die guten Nachrichten haben eine zweite Seite, denn sie gehen mit einer anhaltend schwachen Nachfrage einher.

Wie das ifo Institut am 18. Februar mitteilt, berichten derzeit 22,7 Prozent der Unternehmen von fehlenden Fachkräften, nach 25,8 Prozent im Oktober. Das ist der niedrigste Wert seit fünf Jahren.

Besonders deutlich zeigt sich die Entspannung in Transport und Logistik: Der Anteil der betroffenen Unternehmen sank von 42,7 auf 30,6 Prozent. Damit klagt zwar weiterhin fast jedes dritte Unternehmen über Engpässe, der akute Personaldruck hat jedoch spürbar nachgelassen. Gleichwohl liegt die Branche weiterhin deutlich über dem gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt.

Ifo-Forscher Klaus Wohlrabe ordnet ein:

„Eine Rolle spielt weiterhin die schwache konjunkturelle Entwicklung. Gleichzeitig verändert der technologische Wandel, vor allem die künstliche Intelligenz, zunehmend den Arbeitsmarkt.“

In der Industrie berichten aktuell 16,6 Prozent der Unternehmen von Engpässen, ein vergleichsweise niedriger Wert. Auch im Handel hat sich die Lage entspannt: Rund 18 Prozent der Betriebe klagen über fehlende qualifizierte Arbeitskräfte (Einzelhandel: 21,6 Prozent, Großhandel: 16,2 Prozent).

Auf ähnlich hohem Niveau wie Transport und Logistik bleibt das Bauhauptgewerbe mit 30,4 Prozent. Besonders ausgeprägt ist der Fachkräftemangel weiterhin in wissensintensiven Dienstleistungen: 58,4 Prozent der Rechts- und Steuerberatungen sowie 56,6 Prozent der Leiharbeitsfirmen berichten laut ifo von Engpässen.

Weniger Aufträge, weniger Personalbedarf

Die Entspannung beim Personal hängt eng mit der wirtschaftlichen Lage zusammen. Bereits Ende Januar hatte das ifo Institut gemeldet, dass 36,3 Prozent der Unternehmen über zu wenig Aufträge berichten, kaum weniger als im Oktober (36,9 Prozent).

„Die leichte Entspannung darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass viele Unternehmen nach wie vor zu wenig Aufträge haben“, so Wohlrabe.

Für die Transport- und Logistikbranche bedeutet das: Wo weniger produziert und gehandelt wird, sinkt kurzfristig auch der Bedarf an Fahrern, Disponenten und Lagerpersonal.

Strukturelle Probleme bleiben

Trotz der positiven Tendenz bleibt der Fachkräftemangel im Logistiksektor über dem gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt. Hinzu kommen demografische Effekte und neue Qualifikationsanforderungen durch Digitalisierung und Automatisierung.

Die aktuellen Zahlen sind daher weniger ein Zeichen struktureller Entspannung, sondern vielmehr ein Spiegel der konjunkturellen Schwäche. Für die Branche bedeutet das eine Atempause, aber keine Trendwende.

Tags:

Auch lesen