In ganz Europa herrscht ein Mangel an Berufskraftfahrern. Das Vereinigte Königreich ist nicht am schwersten davon betroffen.

Laut Transport Intelligence (TI) mangelt es in Europa an rund 400 Tsd. Fahrern. Fast ein Drittel davon ist auf den Mangel in Polen zurückzuführen!

In ganz Europa herrscht ein Mangel an Berufskraftfahrern. Das Vereinigte Königreich ist nicht am schwersten davon betroffen.
Karte: Trans.INFO, Datenquelle - Transport Intelligence

Nach Berechnungen von TI fehlen im europäischen Straßenverkehrssektor 400 Tsd. Fahrer. Am schwierigsten ist die Situation in Polen, Großbritannien und Deutschland. Nach Schätzungen von Analysten mangelt es in unserem Land an bis zu 124 Tsd. Fahrern. Darüber hinaus schätzt die Internationale Straßentransport-Union (IRU), dass der Mangel an qualifizierten Fahrern in Polen 37 % der Gesamtzahl der in unserem Land beschäftigten Fahrer ausmacht.

Schwierig ist die Lage auch im Vereinigten Königreich, wo nach verschiedenen Schätzungen zwischen 60 Tsd. und 76 Tsd. Fahrer fehlen. Im Vereinigten Königreich haben der Brexit und die Pandemie zu der Personallücke beigetragen, da viele Arbeitnehmer aus Angst vor Lockdowns das Land verlassen haben. Darüber hinaus haben europäische Frachtführer die Zahl der Verbindungen auf die Britischen Inseln aufgrund der administrativen Schwierigkeiten beim Austritt aus der EU und der im Vereinigten Königreich und auf dem Kontinent verhängten Pandemie-Beschränkungen erheblich reduziert.

Auch in Deutschland ist ein Mangel an Fahrern zu verzeichnen. Der Mangel wird auf 45 Tsd. bis 60 Tsd. Arbeitskräfte geschätzt. Die IRU prognostiziert jedoch, dass bis 2027 in der Bundesrepublik 185 Tsd. Fahrer fehlen werden!
Interessant ist die Situation in der Ukraine. Die Schätzungen des Fahrermangels schwanken dort erheblich und reichen von 12 Tsd. bis zu 120 Tsd. (!!). Zugleich handelt es sich um Daten aus dem Jahr 2019. In Anbetracht des Arbeitskräftemangels in Polen, der hauptsächlich durch den Import von Arbeitskräften aus der Ukraine ausgeglichen wird, kann davon ausgegangen werden, dass der Mangel in der Ukraine eher in der Nähe dieser höheren Grenze liegen dürfte.

Maβnahen gegen das Problem
Der Fahrermangel ist derzeit ein besonders drängendes Problem, da die Nachfrage nach Transportdienstleistungen in ganz Europa aufgrund der sich öffnenden Volkswirtschaften und des steigenden Verbrauchs hoch ist. Engpässe führen u. a. zu höheren Löhnen und Kosten und damit zu höheren Preisen für Produkte und Dienstleistungen.

Zu den Möglichkeiten, mit denen die Länder dem Fahrermangel begegnen können, gehören kurzfristige Maßnahmen wie die Erhöhung der Löhne, die Einführung von Bonus- und Prämienregelungen, flexible Arbeitszeiten und sogar die Möglichkeit für Fahrer, Anteile am Unternehmen zu erwerben. In Zeiten erhöhter Nachfrage nach Transportdienstleistungen besteht auch die Möglichkeit der Zeitarbeit.

Andere Maβnahmen sind längerfristiger Natur – wie Ausbildungsprogramme (einschließlich Praktika), Personalrekrutierungsprogramme, der Einsatz ehemaliger Militärangehöriger oder schließlich die Schaffung besserer Rastmöglichkeiten für Fahrer sowie eines Parksystems. So hat die Europäische Kommission beispielsweise 178 Millionen Euro für Unternehmen bereitgestellt, die geschützte Parkplätze für Lastkraftwagen einrichten.

Die massenhafte Einführung von Sichtbarkeitssystemen in Verkehrsunternehmen kann auch bei der Verwaltung der Arbeitskräfte im Verkehrswesen hilfreich sein, was den effizienten Einsatz des verfügbaren Personals verbessern dürfte. Natürlich scheint die Einführung von autonomen Fahrzeugen die Lösung für das Problem des Fahrermangels zu sein, aber das ist eher ein Plan für die ferne Zukunft.

Es wird auch viel darüber gesprochen, das Alter für den Erwerb des Führerscheins für schwere Nutzfahrzeuge auf 18 Jahre zu senken. Der Grund dafür ist, dass der Verkehrssektor mit dem Problem einer alternden Belegschaft zu kämpfen hat. Nach Angaben der IRU sind nur 11 % der Fahrer in Polen unter 25 Jahre alt. Dies ist immer noch besser als der europäische Durchschnitt, der bei 7 % liegt.

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