Das Wichtigste in Kürze
- 70 Prozent der befragten Unternehmen haben bereits direkte oder indirekte Folgen einer Insolvenz erlebt.
- 47 Prozent beobachten mehr Zahlungsausfälle oder verspätete Zahlungen.
- 86 Prozent nennen Energie-, Personal- und Kraftstoffkosten als eine der größten Herausforderungen.
- Trotz der Risiken rechnen 70 Prozent kurzfristig mit einer stabilen Geschäftslage.
Für die Erhebung wurden im Mai und Juni 2026 knapp 100 Unternehmen aus der deutschen Logistikbranche online befragt. Wegen der geringen Teilnehmerzahl sind die Ergebnisse nicht auf die gesamte Branche übertragbar. Sie geben jedoch Hinweise darauf, wie stark Zahlungsausfälle und Insolvenzen inzwischen in laufende Geschäftsbeziehungen hineinwirken.
Insolvenzen wirken über den betroffenen Betrieb hinaus
29 Prozent der Befragten berichten von direkten Folgen einer Insolvenz – etwa weil ein Kunde oder Dienstleister zahlungsunfähig geworden ist. Weitere 41 Prozent spüren indirekte Auswirkungen auf ihre Geschäftsbeziehungen.
Die Folgen einer Insolvenz können sich damit entlang der Transport- und Lieferkette fortsetzen. Bleiben Rechnungen offen oder vertraglich vereinbarte Leistungen aus, geraten auch wirtschaftlich gesunde Geschäftspartner unter finanziellen Druck.
Besonders deutlich zeigt sich dies beim Zahlungsverhalten. 47 Prozent der Befragten beobachten mehr Zahlungsausfälle oder verspätete Überweisungen. Rund 23 Prozent sprechen von einer leichten, weitere rund 23 Prozent von einer deutlichen Verschlechterung. Bei 52 Prozent hat sich die Situation dagegen nicht verändert.
Für Transportunternehmen können ausstehende Forderungen schnell zum Liquiditätsproblem werden. Kosten für Kraftstoff, Fahrer, Maut, Leasing oder Versicherungen fallen unabhängig davon an, ob der Auftraggeber seine Rechnung bereits bezahlt hat.
Unternehmensinsolvenzen bleiben auf hohem Niveau
Die Befragung fällt in eine Phase weiterhin hoher Unternehmensinsolvenzen in Deutschland.
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes registrierten die deutschen Amtsgerichte im Juni 2026 insgesamt 2.266 beantragte Unternehmensinsolvenzen. Das waren 15,8 Prozent mehr als im Juni des Vorjahres.
Auch der Insolvenztrend des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle weist weiterhin auf ein erhöhtes Niveau hin. Das IWH registrierte im August 2026 insgesamt 1.525 Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften. Zwar waren das 10 Prozent weniger als im Juli, gegenüber August 2025 lag die Zahl jedoch um 9 Prozent höher. Im Vergleich mit einem durchschnittlichen August der Jahre 2016 bis 2019 fiel die Zahl sogar 63 Prozent höher aus.
Hohe Kosten verschärfen den finanziellen Druck
Zahlungsrisiken treffen die Branche zugleich in einer Phase hoher laufender Belastungen. 86 Prozent der von Creditsafe befragten Unternehmen nennen Energie-, Personal- und Kraftstoffkosten als eine ihrer größten Herausforderungen.
Die Hälfte der Befragten verweist zusätzlich auf starken Preisdruck im Wettbewerb. Damit schrumpft der Spielraum, höhere Kosten vollständig über steigende Frachtraten oder Logistikpreise an Auftraggeber weiterzugeben.
Auch amtliche Zahlen belegen den Kostendruck. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lagen die Erzeugerpreise im Bereich Verkehr und Lagerei im zweiten Quartal 2026 um 6,2 Prozent über dem Vorjahresniveau. Im Straßengüterverkehr betrug der Anstieg 5,8 Prozent. Als einen wesentlichen Faktor nennt Destatis höhere Treibstoffkosten.
Für die Betriebe entsteht damit eine ungünstige Kombination aus steigenden eigenen Kosten, begrenztem Preisspielraum und höheren Ausfallrisiken auf Kundenseite.
Bonitätsprüfung gewinnt an Bedeutung
Ein Teil der befragten Betriebe reagiert bereits mit einem vorsichtigeren Kreditmanagement. Genannt werden strengere Bonitätsprüfungen, Vorauszahlungen bei Kunden mit erhöhtem Ausfallrisiko, kürzere Zahlungsziele sowie niedrigere oder enger gefasste Kreditlinien.
Dabei rücken nicht nur Neukunden in den Fokus. Auch die Zahlungsfähigkeit langjähriger Geschäftspartner kann sich innerhalb kurzer Zeit verschlechtern.
Für Transportunternehmen ist das besonders relevant, weil zwischen erbrachter Leistung und Zahlung häufig mehrere Wochen liegen. Verschlechtert sich in diesem Zeitraum die finanzielle Lage des Auftraggebers, trägt zunächst der Frachtführer das Risiko eines Forderungsausfalls.
Kurzfristig überwiegt dennoch Zuversicht
Trotz der gestiegenen Risiken beurteilt die Mehrheit der Befragten die eigene Geschäftslage kurzfristig vergleichsweise stabil.
70 Prozent erwarten für die kommenden drei Monate keine Veränderung. 17 Prozent rechnen sogar mit einer Verbesserung. Lediglich 11 Prozent gehen von einer Verschlechterung aus.
Die Befragung deutet damit weniger auf einen unmittelbar bevorstehenden Einbruch als auf ein zunehmendes Gegenparteirisiko innerhalb der Lieferkette hin. Selbst wirtschaftlich stabile Transport- und Logistikunternehmen können unter Druck geraten, wenn Kunden oder Dienstleister Rechnungen verspätet begleichen oder Forderungen vollständig ausfallen. Bei hohen laufenden Kosten können bereits einzelne größere Zahlungsausfälle die Liquidität spürbar belasten.









