Foto: Schnellecke Logistics

Nach 18 Monaten Insolvenz: Schnellecke steigt bei Spedition Wandt ein

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Die Braunschweiger Spedition Wandt hat nach rund 18 Monaten Insolvenz in Eigenverwaltung einen Investor gefunden. Die Gläubiger stimmten dem Insolvenzplan einstimmig zu, Schnellecke Logistics steigt als Mehrheitsgesellschafter ein. Die Marke Wandt und die Beteiligung der Gründerfamilie bleiben erhalten. Noch ist die Sanierung allerdings nicht formell abgeschlossen.

Dieser Text wurde vollständig von einem Redakteur verfasst – basierend auf fachlichem Wissen, journalistischer Erfahrung und sorgfältiger Recherche. Künstliche Intelligenz kam dabei nicht zum Einsatz.

Für die Wandt Spedition Transportberatung GmbH ist die entscheidende Weiche gestellt: Schnellecke Logistics aus Wolfsburg steigt mehrheitlich bei dem Braunschweiger Familienunternehmen ein. Die Gläubiger haben dem Insolvenzplan in dieser Woche einstimmig zugestimmt. Damit hat Wandt eine Perspektive für die Fortführung gefunden, nachdem das Unternehmen im Februar 2025 Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt hatte. Das geht aus einer Mitteilung von Schnellecke vom 23. September hervor.

Gerettet im Sinne eines abgeschlossenen Insolvenzverfahrens ist Wandt damit noch nicht. Laut Schnellecke stehen aufschiebende Bedingungen aus. Erst wenn diese erfüllt sind, kann die Beendigung des Verfahrens eingeleitet werden. Welche Schritte noch fehlen und wann der Abschluss erwartet wird, teilte das Unternehmen nicht mit. Auch zur genauen Beteiligungsquote, zum Kaufpreis und zur Höhe möglicher weiterer Investitionen gibt es bislang keine Angaben.

Warum Wandt einen neuen Mehrheitsgesellschafter braucht

Die wirtschaftlichen Probleme des 1939 gegründeten Unternehmens wurden Anfang 2025 öffentlich. Am 25. Februar ordnete das Amtsgericht Braunschweig die vorläufige Eigenverwaltung an. Wandt nannte damals Umsatzeinbrüche bei Großkunden und die allgemeine wirtschaftliche Lage als Ursachen der finanziellen Schwierigkeiten. Maßnahmen zur Anpassung des Geschäftsmodells und zur Kostensenkung waren nach Angaben der Sanierungsberater bereits vor dem Antrag eingeleitet worden.

Damit traf Wandt ein Risiko, das gerade mittelständische Speditionen kennen: Brechen größere Kundenvolumina weg, lassen sich Personal, Fuhrpark und andere laufende Kosten nicht im selben Tempo reduzieren. Wie stark einzelne Kunden zum Umsatzrückgang bei Wandt beigetragen haben, wurde allerdings nicht veröffentlicht.

Zu Beginn des Verfahrens setzte die Geschäftsführung noch auf eine Sanierung aus eigener Kraft. Nun ist ein strategischer Investor Teil der Lösung. Das verändert die Ausgangslage: Wandt soll nicht nur den Geschäftsbetrieb fortführen, sondern künftig Leistungen und Kundenbeziehungen mit einem größeren Logistikunternehmen verbinden können.

110 Beschäftigte sollen bleiben – weniger als zu Beginn der Insolvenz

Nach der aktuellen Mitteilung sollen die Arbeitsplätze bei Wandt durch den Einstieg gesichert werden. Das Unternehmen beschäftigt demnach 110 Mitarbeitende. Bei der Ankündigung der Eigenverwaltung im Februar 2025 hatte Wandt 134 Beschäftigte angegeben. Die aktuelle Zahl liegt damit um 24 niedriger.

Aus den veröffentlichten Angaben lässt sich nicht ableiten, ob diese Veränderung auf Stellenabbau im Rahmen der Sanierung, natürliche Fluktuation oder andere Gründe zurückgeht. Ebenso wenig liegt eine Aufschlüsselung nach Geschäftsbereichen vor.

Für die verbliebenen Beschäftigten sieht die Vereinbarung eine Fortführung unter der bisherigen Marke vor. Wandt soll als Unternehmen erhalten bleiben. Die Familie bleibt beteiligt und will die weitere Entwicklung mitgestalten, gibt mit dem Einstieg von Schnellecke aber die Mehrheit ab.

Wir sind erleichtert und stolz, dass wir diese Lösung für unser Unternehmen, unsere Mitarbeiter und unsere Kunden gefunden haben“, sagt Geschäftsführer Anthony Wandt laut Unternehmensmitteilung.

Was Schnellecke mit der Beteiligung gewinnt

Die beiden Unternehmen ergänzen sich vor allem in ihrer Aufstellung. Wandt ist regional verwurzelt und bietet Transport- und Logistikdienstleistungen sowie Leistungen rund um Zoll und internationalen Warenverkehr an. Schnellecke bringt ein internationales Netzwerk und ein breiteres Angebot integrierter Logistikleistungen ein, darunter Lagerlogistik, Verpackung und zusätzliche Dienstleistungen entlang industrieller Lieferketten.

Für Schnellecke bedeutet die Beteiligung den Einstieg bei einem etablierten regionalen Anbieter mit bestehenden Kundenbeziehungen. Wandt wiederum erhält Zugang zu einem größeren Netzwerk, über das sich zusätzliche Leistungen anbieten und Kunden über den bisherigen regionalen Schwerpunkt hinaus betreuen lassen könnten.

Ob daraus neue Transportaufträge, zusätzliche Standorte oder Investitionen in den Fuhrpark entstehen, ist noch offen. Die Unternehmen kündigen an, ihre Zusammenarbeit nach Abschluss der ausstehenden Schritte schrittweise auszubauen. Konkrete Projekte oder finanzielle Ziele nennen sie bislang nicht.

Thomas Lammer, Vice President Transport bei Schnellecke Logistics, sieht nach eigenen Angaben Entwicklungsmöglichkeiten in der Verbindung von Wandts regionaler Position mit dem internationalen Netzwerk und der Logistikkompetenz von Schnellecke.

Was der Einstieg für Kunden und Geschäftspartner bedeutet

Für Auftraggeber ist zunächst entscheidend, dass Wandt nach der angekündigten Lösung als Unternehmen und Marke bestehen bleiben soll. Ein vollständiges Aufgehen in Schnellecke ist nach den bislang veröffentlichten Plänen nicht vorgesehen. Auch die weitere Beteiligung der Familie spricht für Kontinuität in der Unternehmensführung und den bestehenden Geschäftsbeziehungen.

Die neue Eigentümerstruktur könnte Wandt zugleich Spielraum geben, Kunden zusätzliche Logistikleistungen anzubieten. Das ist vor allem dort interessant, wo reine Transportaufträge mit Lagerung, Zollabwicklung oder weiteren Dienstleistungen verbunden werden können.

Wie eng die beiden Unternehmen ihre operativen Abläufe tatsächlich verzahnen wollen, bleibt abzuwarten. Zu gemeinsamen Transportnetzen, Standorten, IT-Systemen oder einer möglichen Neuordnung von Zuständigkeiten haben sie keine Einzelheiten veröffentlicht.

Der einstimmig angenommene Insolvenzplan und der Einstieg von Schnellecke sind deshalb mehr als eine unverbindliche Absichtserklärung, aber noch nicht der formale Schlusspunkt der Sanierung. Für Wandt steht der neue Mehrheitsgesellschafter fest. Nun müssen die ausstehenden Bedingungen erfüllt werden, damit das Braunschweiger Unternehmen das Insolvenzverfahren hinter sich lassen kann.

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