byrd betreibt ein Logistik-Netzwerk, ohne ein einziges Paket anzufassen oder ein einziges Lager zu besitzen. Das in Wien ansässige Start-up verbindet Online-Händler mit einem internationalen Lager-Netzwerk, wodurch Unternehmen die Möglichkeit bekommen erstklassige Versandoptionen auf internationaler Ebene anzubieten, ohne eigene Logistik-Kapazitäten aufbauen zu müssen.

Natalia Jakubowska,Trans.INFO: Womit genau beschäftigt sich Ihr Startup?

Petra Dobrocka, Gründerin und COO von byrd: byrd ist ein E-Commerce Fulfillment Anbieter und unterstützt Onlinehändler bei der Abwicklung ihrer Onlinebestellungen. Mit byrd können Händler ihre komplette Logistik – von der Lagerung bis zum Versand – an Logistikexperten auslagern und ihre Produkte weltweit verkaufen. Händler erhalten Zugang zu einem internationalen Logistiknetzwerk mit mehreren Standorten welches kurze Lieferzeiten und geringe Versandkosten ermöglicht. Damit können sie sich auch auf ihre Kernkompetenzen und das eigentliche Geschäft fokussieren. Das Thema ist gerade jetzt besonders relevant, da die Coronakrise auch etablierte Onlinehändler dazu gebracht hat, ihre E-Commerce Logistik nochmal zu überdenken. Gerade größere Onlineshops die ein zentrales Fulfillment Lager für ihre weltweiten Bestellungen nutzen, haben erkannt dass es riskant ist, alles auf eine Karte zu setzen und versuchen nun, eine robusteres internationales Fulfillment Setup zu finden, das agiler auf externe Einflüsse reagieren kann. Gleichzeitig wollen aber gerade diese Unternehmen auch laufend ihr Servicelevel verbessern und ihre Kunden schneller und kostengünstiger beliefern. Für beide Herausforderungen bietet das internationale Fulfillment Netzwerk von byrd eine gute Lösung.

Was ist einzigartig an Ihrer Idee?

Im Vergleich zu bestehenden Fulfillment Anbietern am Markt führt byrd hinsichtlich Automatisierung & Daten sowie Internationalität. Da alle Lager im byrd Netzwerk an die eigens entwickelte Lagermanagement-Software angeschlossen sind, kann byrd die Bestellungen der Onlinehändler im Rahmen eines komplett automatisierten Logistikprozesses abwickeln. Dadurch hat der Händler über das byrd Kunden-Dashboard in Echtzeit-Zugriff auf alle Fullfillmentdaten und kann so den Fortschritt und die Qualität der Abläufe laufend mitverfolgen und jederzeit Analysen durchführen. Das gibt dem Händler die volle Transparenz dank welcher er trotz Auslagerung die volle Kontrolle über seine Fulfillment Prozesse behält. Was die Internationalität angeht, verfügen die meisten Fulfillment Anbieter über einen oder zwei Standorte, diese sind aber meistens innerhalb eines Landes angesiedelt. byrd ist mit dem internationalen Fulfillment Netzwerk einen ganz anderen Weg gegangen und ermöglicht es Onlinehändlern mit einem Zugang das Fulfillment in mehrere Länder auszulagern und digital zu steuern. Die Fulfillment Standorte von byrd sind miteinander verbunden und so kann jede Bestellung dank dem byrd Algorithmus mit maximaler Effizienz und Geschwindigkeit an den Endkunden geschickt werden.

Wann und wie sind Sie auf Ihre Gründungsidee gekommen?

Die ursprüngliche Idee von byrd die vor nun fast 5 Jahren entstanden ist, war noch eine etwas andere. Eigentlich wollten wir damals die Logistik für kleinere Händler im urbanen Raum vereinfachen und wollten diese durch einen on-demand-Abholservice beim Paketversand unterstützen. Dafür haben wir Waren, die zu versenden waren, von den Händlern abgeholt, um diese anschließend in das Logistikzentrum zu bringen und sie von dort zu versenden. Als immer mehr Händler fragten, ob wir nicht auch die Lagerung übernehmen können, haben wir erkannt, dass für die meisten Online-Händler, die nicht in eine inhouse Logistik investieren wollen, keine optimale Lösung gibt die mit den digitalen Anforderungen der heutigen Zeit mithalten kann. Daraufhin haben wir unser Konzept kontinuierlich angepasst.

Als wir mit unserer Idee angefangen haben, war Logistik für uns ein relativ neues Feld. Um den Markt kennenzulernen haben wir erstmal mit vielen Händlern gesprochen und wollten ihre Pain Points verstehen. Schritt für Schritt haben wir so unsere Gründungsidee entwickelt. Unsere Stärke ist aber, dass wir auch nach der Gründung immer sehr eng mit Händlern und anderen potentiellen Kunden eng im Austausch waren. So konnten wir unser Geschäftsmodell immer weiter entwickeln und erfolgreich machen.

Woher kam das Kapital für Ihr Unternehmen?

byrd ist ein Unternehmen, das durch Venture Capital finanziert ist, sowie durch öffentliche Förderungen.

Was waren die größten Hindernisse bei der Gründung Ihres Startups?

Die größte Herausforderung am Anfang war der Product-Market Fit. Wir haben unsere Idee ein paar Mal weiterentwickelt und viel mit unseren Kunden gesprochen, um schlussendlich die Dienstleistung zu finden, die unseren Kunden den größten Benefit bietet. Das war zwar eine schwierige, aber ganz wichtige Phase für uns, um den Markt zu verstehen und uns dort am besten zu positionieren.

Was war der Wendepunkt, als die ersten Kunden auftauchten und Sie zu glauben begonnen haben, dass dies funktionieren würde?

Wir hatten von Anfang an sehr gutes Feedback zu unserer Dienstleistung und haben auch sehr schnell die ersten Kunden gefunden. Die größere Herausforderung war es eher, ein Service zu finden das langfristig profitabel sein könnte und den größtmöglichen potentiellen Markt bietet. Das war auch der Grund, wieso wir uns über die Zeit hinweg von unserem On-Demand Abholmodell in Richtung Fulfillment entwickelt haben – wir haben dort einen größeren potentiellen Markt mit attraktiveren Unit Economics gesehen.

Was hätten Sie rückblickend in der Startphase anders gemacht?

Als Startup handelt man schnell und dadurch macht man natürlich auch eine Menge Fehler. In unserem Fall war das auch so, aber ich denke nicht dass wir heute etwas komplett anders machen würden, da diese Fehler Teil eines wichtigen Lernprozesses waren. Eine konkrete Geschichte die ich aber dennoch im Gedächtnis habe war als wir in der ersten Weihnachtszeit ein paar Monate nach der Gründung das Bestellvolumen unserer Online-Shops deutlich unterschätzt haben und deswegen selbst bis in die Nacht hinein Pakete verpacken mussten, um diese rechtzeitig zu versenden. Das waren kalte, lange Nächte an die wir uns alle bis heute gut erinnern können. Mittlerweile haben wir daraus gelernt und wissen, dass wir die Kapazitäten für solche Peak Zeiten Monate im Voraus mit unseren Kunden abstimmen und planen müssen.

Welche Tipps würden Sie anderen Startup-Gründern geben, die gerade erst anfangen?

Zwei Punkte die für uns als Gründerteam wichtig waren:

1. Ein Startup zu gründen erfordert viel Motivation und Durchhaltevermögen. Es kommen auf jeden Fall auch harte Zeiten auf einen zu und gerade in diesen Phasen ist ein starkes Team das zusammenhält besonders wichtig.

2. Konkurrenz wird von Startup Foundern oft als bedrohlich eingestuft. Zu starke Konkurrenten die den Markt beherrschen sind natürlich problematisch aber im Normalfall ist es in der Startup Welt besser, in deinem Markt aktiv zu sein, in dem es vergleichbare Unternehmen gibt, als komplett alleine zu sein. Wenn man alleine im Markt ist sollte man sich immer die Frage stellen: wieso macht es niemand anderer, haben wir vielleicht etwas übersehen?

Was ist die größte unmittelbare Herausforderung für Ihr Unternehmen und wo sehen Sie sich selbst in 5 Jahren?

E-Commerce-Fulfillment ist ein komplexes Geschäft, das aus Tausenden von verschiedenen Prozessen besteht, die perfekt zusammenarbeiten müssen. Eine unserer großen Herausforderungen in den letzten Jahren war es, eine Lagerverwaltungssoftware zu entwickeln, die in der Lage ist, all diese Prozesse abzudecken, und die sicherstellen kann, dass jeder kleine Prozessschritt im Detail verfolgt und bei Bedarf optimiert werden kann. Mittlerweile haben wir diese Hürde überwunden und haben dank unserer Software die Transparenz, die es uns ermöglicht unser Fulfillment-Netzwerk zu skalieren und unser Fulfillment-Netzwerk unter Beibehaltung einer erstklassigen Servicequalität auszubauen. Die nächsten großen Schritte für uns gehen definitiv in Richtung Internationalisierung. Momentan umfasst unser Fulfillment Netzwerk über 10 Lagerstandorte in Deutschland, UK und Österreich. Innerhalb der nächsten Monate sollen noch Frankreich und Holland dazukommen und bis Ende des Jahres nochmal 2 weitere Märkte. In 5 Jahren wollen wir ein globales Logistiknetzwerk sein das mindestens 30 E-Commerce Märkte abdeckt und so Onlinehändlern aller Größen Zugang zu erstklassiger E-Commerce Logistik ermöglicht.

Was würden Sie tun, wenn Sie kein Startup-Unternehmen hätten?

Wir sind Gründer durch und durch, deshalb ist es schwer vorzustellen etwas anderes zu machen. Es müsste auf jeden Fall ein dynamisches Umfeld sein, wo man viel verändern kann und schnelle Entscheidungen treffen kann. Erstmal sind wir aber alle zu 100% auf byrd fokussiert und wollen die Firma in den nächsten Jahren noch größer und erfolgreicher machen.

Foto:byrd

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