Der anhaltende Boom im Online-Handel bedeutet vor allem für die Beschäftigten der KEP-Branche eine große Herausforderung. Doch profitieren tun diese von dem Aufschwung nicht, denn die Verdienste sind in der Branche seit Jahren unterdurchschnittlich.

Die  Post-, Kurier- und Expressdienste sind im Aufschwung. Zurückzuführen ist das auf den seit Jahren anhaltenden Boom im Online-Einzelhandel.  Dieser nahm im Jahr 2020 – auch als Folge der Corona-Pandemie – noch einmal deutlich an Fahrt auf. Von Januar bis September 2020 setzte der Online-Einzelhandel real 21,2 Prozent mehr um als im entsprechenden Vorjahreszeitraum.

Der anhaltende Boom im Online-Handel bedeutet vor allem für die Beschäftigten der KEP-Branche eine große Herausforderung. Zwei von drei Erwerbstätigen bei Post-, Kurier- und Expressdiensten arbeiteten im Jahr 2019 auch am Wochenende und an Feiertagen, wie das Statistische Bundesamt mitteilt. Auch Nachtarbeit ist in der Branche verhältnismäßig häufig: 15 Prozent der Beschäftigten arbeiteten zumindest gelegentlich zwischen 23 Uhr und 6 Uhr morgens. Die Zahlen liegen damit deutlich über dem Durchschnitt in der Gesamtwirtschaft.

Deutlich unter dem Durchschnitt ist dafür der Verdienst, dessen Zuwachs in den vergangenen zehn Jahren nur etwas mehr als halb so hoch war wie in der Gesamtwirtschaft.Die Post-, Kurier- und Express­dienste gehören innerhalb des Produzierenden Gewerbes und Dienstleistungs­bereichs zu den Branchen mit den niedrigsten Verdiensten. Vollzeitbeschäftigte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer der Branche verdienten 2019 durchschnittlich 2 924 Euro brutto im Monat und damit rund 1 000 Euro weniger als der Durchschnitt aller Beschäftigten, die mit 3 994 Euro brutto monatlich rechnen können. Bei den rund 92 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die als Fachkraft, angelernte oder ungelernte Kraft arbeiteten, lag der durchschnittliche monatliche Bruttoverdienst teilweise deutlich niedriger: Fachkräfte verdienten durchschnittlich 2 907 Euro, angelernte Kräfte 2 403 Euro und ungelernte im Schnitt 2 019 Euro.

Beschäftigte streiken für bessere Arbeitsbedingungen

Mit Beginn der Nachtschicht am 25. November hat ver.di die Beschäftigten von sieben Amazon-Versandzentren in Leipzig, Bad Hersfeld (zwei Standorte), Rheinberg, Werne, Graben bei Augsburg und Koblenz zu einem dreitägigen Streik aufgerufen. Ziel ist die Anerkennung der Flächentarifverträge des Einzel- und Versandhandels durch Amazon sowie den Abschluss eines Tarifvertrags für gute und gesunde Arbeit.

Den Kolleginnen und Kollegen wird seit acht Jahren die geforderte tarifvertragliche und existenzsichernde Entlohnung vorenthalten. Gleichzeitig macht der Konzern mit dem reichsten Mann der Welt an der Spitze durch Coronavirus-Pandemie, Black Friday, Cyber Monday und im Weihnachtsgeschäft riesige zusätzliche Milliardengewinne, kritisiert Orhan Akman, der bei ver.di für den Einzel- und Versandhandel zuständig ist.

Dabei würden Schutzmaßnahmen in den Versandzentren missachtet und die Gesundheit der Beschäftigten den maximalen Profitzielen geopfert. Mehrere hundert Amazon-Beschäftigte hätten sich bereits mit dem Coronavirus infiziert. Die vorgeschriebenen Abstände der Beschäftigten zueinander ließen sich in Stoßzeiten kaum einhalten.

Ebenfalls Mitglieder der britischen Unite Union, die für Eddie Stobart Ltd arbeiten, wollen in Kürze darüber  abstimmen, ob sie kurz vor Weihnachten streiken werden. Obwohl der Fahrerberuf seit Corona als systemrelevant gilt und LKW-Fahrer als Helden des Alltags bejubelt werden, hat das Transportunternehmen Eddie Stobart seinen Beschäftigten mit einem Lohnstopp gedroht.

Die Abstimmung soll am Dienstag, dem 1. Dezember, eröffnet und am Mittwoch, dem 9. Dezember, beendet werden. Sollten sich die Beschäftigten für einen Streik entscheiden, wird dieser in der Weihnachtswoche stattfinden, was zu Engpässen in den Einzelhandelsgeschäften führen könnte.

Foto: Flickr

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