Digitale Technologien und Anwendungen können die Klimabilanz in Zukunft positiv beeinflussen. Dieser Überzeugung ist laut einer neuen Umfrage von eco – Verband der Internetwirtschaft e.V. ein Großteil der Deutschen. Bei der bundesweit durchgeführten und repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey* stimmten knapp 56 Prozent mit „Ja“.

Die größten Klimaschutz-Potenziale sehen die Befragten vor allem in den Bereichen Mobilität (32,8 Prozent), Industrie 4.0 (20,5 Prozent) und dem Arbeiten im Home Office (17,3 Prozent). Die Digitalisierung hält enorme Lösungspotenziale für mehr Energie- und Ressourceneffizienz bereit. Die Politik sollte daher gemeinsam mit der Internetwirtschaft Konzepte und Strategien für digitalen Klimaschutz entwickeln. Mithilfe energieeffizienter und vernetzter Maschinen, Telematik und Mobilitätskonzepten sowie smarten Tools fürs Home Office und Schooling kann die Internetwirtschaft einen entscheidenden Schritt zu mehr Nachhaltigkeit beitragen.

Digitale Infrastrukturen sind das Rückgrat einer energieeffizienten Digitalisierung

Lediglich 7,7 Prozent der Befragten erkannten den Einfluss digitaler Infrastrukturen auf eine verbesserte Klimabilanz.

Viele Menschen habe das Potenzial und die Notwendigkeit digitaler Infrastrukturen noch nicht erkannt, obwohl diese das Rückgrat der Digitalisierung und damit auch die Voraussetzung für alle weiteren Bereiche wie eben vernetzte Mobilität, Industrie 4.0 und mobiles Arbeiten ermöglichen, sagt Dr. Béla Waldhauser, Sprecher der unter dem Dach des eco Verbands gegründeten Allianz zur Stärkung digitaler Infrastrukturen in Deutschland.

Mit Blick auf die jüngst von Bundesumweltministerin Svenja Schulze vorgestellten Pläne für mehr Energie- und Ressourceneffizienz digitaler Infrastrukturen, warnt Waldhauser zudem davor, deren Nachhaltigkeits-Potenziale nicht ausreichend in energiepolitische Konzepte miteinzubeziehen.

Natürlich verbrauchen Rechenzentren Energie, aber man muss eben auch die enormen Einsparpotenziale, die digitale Dienste bieten, miteinbeziehen. Vor allem aber müsse jetzt die Energiewende in Deutschland beschleunigt und ein höherer Anteil an regenerativen Quellen verfügbar sein, wenn tatsächlich das Ziel sei, bis 2030 den flächendeckenden klimaneutralen Betrieb von Rechenzentren in Europa zu ermöglichen. Ein schnellerer, politisch gesteuerter Ausstieg aus fossilen Energieträgern in Deutschland wird zu einem wesentlich schnelleren Absinken der CO2-Emissionen der durch Rechenzentren verwendeten Energie in führen.

Digitale Infrastrukturen: Abwärme von Rechenzentren nachhaltig nutzen

Betreiber digitaler Infrastrukturen setzen sich seit Jahren für mehr Nachhaltigkeit ein, wodurch deutsche Rechenzentren im internationalen Vergleich bereits heute zu den energieeffizientesten zählen, sagt Waldhauser.

Das zeigt auch eine vom eco Verband für die Allianz zur Stärkung digitaler Infrastrukturen in Auftrag gegebene und vom Vodafone Institut unterstützte Studie des Borderstep Instituts.

Doch gerade in punkto Breitbandausbau sowie der Abwärmenutzung von Rechenzentren sei noch Luft nach oben.

Nimmt man den Klimaschutz ernst, sollte auch die Abwärme von Rechenzentren sinnvoll genutzt werden, sagt Waldhauser. Bislang haben Rechenzentren noch viel zu wenige Möglichkeiten, ihre Abwärme in Nah- oder Fernwärmenetze einzuspeisen, weil dies für Netzbetreiber schlichtweg nicht attraktiv genug erscheint – hier kann die Politik beispielsweise mit Abnahmeverpflichtungen Abhilfe schaffen.

Darum begrüßen eco und die Allianz auch die jüngst von Svenja Schulze vorgestellten Pläne für mehr Energie- und Ressourceneffizienz digitaler Infrastrukturen, mit denen der Breitbandausbau und die Abwärmenutzung weiter vorangetrieben werden sollen.

Das Credo sämtlicher Aktivitäten in diesem Zukunftsfeld aber muss lauten: Nur gemeinsam schaffen wir die Energiewende und das Erreichen der Klimaziele. Eine von Bundeswirtschaftsminister Altmaier ins Gespräch gebrachte Allianz von Gesellschaft, Wirtschaft und Staat für Klimaneutralität und Wohlstand erscheint daher ein erstes positives Signal auf diesem Weg.

*Das Meinungsforschungsunternehmen Civey hat im Auftrag von eco – Verband der Internetwirtschaft e. V. 2502 Personen zwischen dem 16. und 18. September 2020 befragt. Die Ergebnisse sind repräsentativ. Der statistische Fehler der Gesamtergebnisse liegt bei 3,4 Prozent.

Foto: eco Verband der Internetwirtschaft

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