“Made in Germany” gilt weltweit als Qualitätssiegel. Doch allein auf diesem guten Ruf sollten sich deutsche Unternehmen nicht zu lange ausruhen. Die neueste Studie der Bertelsmann Stiftung zeigt, dass nur wenige Unternehmen in Deutschland die nötige Innovationskraft haben, um ihre Wettbewerbsposition auch langfristig zu sichern.

Deutsche Unternehmen bewegen sich zu häufig auf ausgetretenen Pfaden. Einer relativ kleinen Speerspitze von innovativen Unternehmen steht hierzulande eine Mehrzahl von innovationsfernen Firmen gegenüber. Rund ein Viertel der deutschen Unternehmen zeichnet sich durch Innovationsfreude und Technologieführerschaft aus. Doch in rund der Hälfte der hiesigen Firmen werden Innovationen nicht aktiv vorangetrieben. Hier fehlen vor allem Risikobereitschaft und eine Innovationskultur, die Mitarbeiter ermutigt, neue Wege zu gehen. Das zeigt ein Innovationsatlas, für den das IW Consult in unserem Auftrag die deutsche Unternehmenslandschaft in unterschiedliche innovative Milieus eingeordnet hat. Grundlage für die repräsentative Untersuchung ist eine Befragung von über 1.000 Unternehmen aus den Bereichen Industrie und industrienahen Dienstleistungen.

Sieben Typen von Unternehmen

Insgesamt identifiziert der Atlas sieben unterschiedliche Typen von Unternehmen, sogenannte “Innovative Milieus”. Die innovationsfreundlichsten sind die sogenannten “Technologieführer” und “Disruptiven Innovatoren”. Hier lassen sich insgesamt 25 Prozent der deutschen Unternehmen verorten. 46 Prozent hingegen ordnen die Studienautoren in eher innovationsferne Gruppen ein, wie “Passive Umsetzer” oder “Unternehmen ohne Innovationsfokus”. Dazu gehören Firmen, die weder in ihrer Organisations- noch ihrer Unternehmensstrategie zielgerichtet Neuerungen vorantreiben. Die größte Einzelgruppe bilden die “Kooperativen Innovatoren”, die zwar sehr viel in Mitarbeiterförderung, aber zu wenig in eine aktive Vernetzung mit der Wissenschaft und anderen Unternehmen investieren.

Logistikbranche hinkt hinterher

Grundsätzlich gilt laut Studie: je innovativer ein Unternehmen, desto größer ist der wirtschaftliche Erfolg und desto dynamischer wachsen die Mitarbeiterzahlen. So fällt die Nettoumsatzrendite, die angibt, wie hoch der Anteil des Gewinns am Umsatz ist, bei den “Disruptiven Innovatoren” um 33 Prozent höher aus als im Durchschnitt aller Milieus. Ebenso überdurchschnittlich ist bei ihnen die Entwicklung der Mitarbeiterzahlen. Die Anzahl der Mitarbeiter ist in den beiden Innovationsführer-Milieus zwischen 2016 und 2017 mehr als doppelt so stark gestiegen, wie bei innovationsfernen Unternehmen.Die “Technologieführer” sind hauptsächlich in den Branchen Pharma, Chemie sowie in der Metall- und Elektroindustrie zuhause. In den Branchen Logistik und Großhandel ist die Innovationskultur dagegen am niedrigsten ausgeprägt. Fast alle Unternehmen (99,7 Prozent) aus der Gruppe “Unternehmen ohne Innovationsfokus” kommen der Studie zufolge aus diesen Branchen.

Kleine- und mittelständische Unternehmen müssen innovativer werden

Besorgniserregend ist laut Autoren die Struktur innovationsferner Unternehmen und ihre Bedeutung für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Gerade in den kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) fehlt es häufig an einer ausgeprägten Innovationskultur. Die innovationsfernen Milieus der “Passiven Umsetzer”, der “Zufälligen Innovatoren” und der “Unternehmen ohne Innovationsfokus” setzen sich fast vollständig aus KMU zusammen. Innovationen kommen zu häufig aus den Ballungszentren Kritisch sehen die Autoren auch die unausgewogene Verteilung innovativer Unternehmen auf der Deutschlandkarte. Über die Hälfte der “Disruptiven Innovatoren” ist in Großstädten zu Hause, während die “Konservativen Innovatoren” überproportional in Kleinstädten angesiedelt sind. Dieses Ungleichgewicht könne sich langfristig negativ auf die Produktivität und den Wohlstand ganzer Regionen auswirken.

Gezielte Investitionen und bessere Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft nötig

Der Einsatz für mehr Innovationskraft braucht veränderungswillige Unternehmen und eine aktive Wirtschafts- und Innovationspolitik, so die Autoren. Hierzu muss vor allem in die klassische und auch digitale Infrastruktur investiert werden, damit die Vielzahl der Unternehmen im ländlichen Raum nicht den Anschluss verlieren. Die steuerliche Forschungsförderung für Unternehmen, so wie sie aktuell diskutiert wird, ist nicht zielführend. Die geplanten Mittel seien zu gering und werden laut Autoren nach dem Gießkannenprinzip verteilt. Die Förderinstrumente sollten gezielt den Aufholprozess der KMU unterstützen, gute Rahmenbedingungen für technologisch versierte Startups setzen und die Grundlagenforschung stärken.

Foto: Pixabay

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