Der internationale Warenverkehr wird für kleine und mittelständische Unternehmen zunehmend komplex. Neben klassischen Transportfragen rücken Themen wie Zoll-Compliance, Liquiditätsmanagement und Währungsrisiken stärker in den Fokus. DHL Express Deutschland und die Deutsche Bank wollen diese Schnittstellen künftig enger verzahnen.
Beide Unternehmen haben eine strategische Partnerschaft angekündigt, mit der sie mittelständische Firmen bei der Internationalisierung unterstützen wollen, nicht über Einzelservices, sondern entlang konkreter Prozessketten zwischen Logistik und Finanzierung.
Wo die Probleme in der Praxis liegen
Aus Sicht vieler Spediteure und Verlader entstehen Reibungsverluste im Auslandsgeschäft häufig nicht im Transport selbst, sondern davor und danach. Unklare Zollanforderungen verzögern Abfertigungen, falsch kalkulierte Abgaben belasten Margen, verspätete Zahlungen oder Währungsschwankungen verschärfen den Liquiditätsdruck.
Nach Einschätzung der Partner führt diese Gemengelage dazu, dass Lieferketten zwar physisch funktionieren, wirtschaftlich aber an Stabilität verlieren. Mustafa Tonguç, CEO von DHL Express Deutschland, verweist auf genau diesen Punkt:
„Für mittelständische Unternehmen entscheidet sich der Erfolg im Auslandsgeschäft häufig an der Schnittstelle zwischen Logistik und Finanzen.“
Verzahnung statt Einzellösungen
Die Kooperation zielt darauf ab, diese Schnittstelle strukturierter abzubilden. Konkret geht es laut den Unternehmen um:
- Planungssicherheit in internationalen Lieferketten, indem Transport- und Zahlungsströme besser aufeinander abgestimmt werden,
- Reduzierung von Zoll- und Compliance-Risiken, die im Tagesgeschäft häufig zu Verzögerungen und Zusatzkosten führen,
- bessere Steuerung von Zahlungsflüssen und Währungsrisiken, insbesondere bei regelmäßigem Export in Drittstaaten,
- skalierbare Prozesse, die auch bei steigendem Transportvolumen beherrschbar bleiben.
Christian Gerhardt, Leiter BizBanking bei der Deutschen Bank, spricht davon, internationale Waren- und Zahlungsströme „einfacher, sicherer und skalierbarer“ zu machen ein Punkt, der vor allem für exportorientierte Verlader und ihre Logistikpartner relevant ist.
Bedeutung für Transport- und Logistikunternehmen
Für die Transport- und Logistikbranche ist die Kooperation weniger als Marketingprojekt zu lesen, sondern als Hinweis auf eine strukturelle Verschiebung im internationalen Geschäft. Grenzüberschreitende Transporte lassen sich zunehmend nicht mehr isoliert betrachten. Zoll-Compliance, Zahlungsabwicklung und Währungsrisiken greifen direkt in die operative Planung von Speditionen und Verladern ein.
Gerade bei zeitkritischen oder hochfrequenten Sendungen können finanzielle oder regulatorische Verzögerungen logistische Vorteile schnell zunichtemachen. Der Ansatz von DHL Express Deutschland und der Deutschen Bank zeigt, dass große Marktakteure versuchen, diese Schnittstellen enger zu verzahnen und Komplexität zumindest teilweise aus den operativen Abläufen herauszunehmen.
Ob daraus ein spürbarer Mehrwert für den Mittelstand entsteht, wird sich weniger an Ankündigungen als an messbaren Effekten wie stabileren Laufzeiten, geringeren Abwicklungskosten und besserer Planbarkeit zeigen.











