Die wichtigsten Punkte:
- Exportverbot verlängert: Russland untersagt Herstellern grundsätzlich bis zum 31. Januar 2027 die Ausfuhr von Diesel, Schiffskraftstoff und Gasöl. Ausnahmen bleiben möglich.
- Deutlich höhere Exportmengen geplant: Im November könnten bis zu 2,15 Millionen Tonnen Diesel exportiert werden, gegenüber rund 510.000 Tonnen im Oktober.
- Lieferungen in die USA: Die zusätzlichen Exporte stehen auch im Zusammenhang mit einer Vereinbarung zwischen Russland und den Vereinigten Staaten.
- Keine direkten Lieferungen in die EU: Das europäische Importverbot für russische Ölprodukte gilt weiterhin. Preiswirkungen wären daher nur indirekt möglich.
- Dieselpreise bleiben hoch: Am 26. Oktober kostete Diesel im EU-Durchschnitt 2,146 Euro je Liter, in Deutschland 2,298 Euro.
Exportverbot verlängert, Ausnahmen ermöglichen höhere Liefermengen
Die russische Regierung hat am 31. Oktober 2026 beschlossen, das Exportverbot für Diesel, Schiffskraftstoff und Gasöl, die unmittelbar von Herstellern ausgeführt werden, bis zum 31. Januar 2027 zu verlängern.
Für Unternehmen, die diese Kraftstoffe nicht selbst produzieren, galten entsprechende Beschränkungen bereits bis zu diesem Termin. Mit der Entscheidung will Moskau nach eigenen Angaben den heimischen Kraftstoffmarkt stabilisieren.
Allerdings bedeutet das Exportverbot keinen vollständigen Lieferstopp.
Wie der stellvertretende russische Ministerpräsident Alexander Novak erklärte, sollen Ausnahmen für bestimmte Lieferungen auf die internationalen Märkte bestehen bleiben.
Dadurch könnten die russischen Dieselausfuhren im November auf bis zu 2,15 Millionen Tonnen steigen. Im Oktober waren es nach den genannten Angaben rund 510.000 Tonnen. Das entspräche einer mehr als vierfachen Exportmenge.
Ob diese Mengen tatsächlich erreicht werden, bleibt abzuwarten.
Russland liefert wieder Diesel in Richtung USA
Die geplante Ausweitung der Lieferungen steht auch im Zusammenhang mit einer Vereinbarung zwischen Russland und den Vereinigten Staaten vom Oktober.
Nach Angaben aus Moskau wurden bereits mehrere Tanker für entsprechende Lieferungen auf den Weg gebracht.
Reuters berichtete am 23. Oktober über einen Tanker mit rund 40.000 Tonnen Diesel, der den russischen Ostseehafen Primorsk verlassen hatte und Kurs auf die USA nahm. Die Ankunft wurde für den 7. November erwartet.
Bei weiteren Schiffen blieb das endgültige Ziel anhand der verfügbaren Schiffsverfolgungsdaten teilweise unklar.
Die Vereinbarung soll zusätzliche russische Kraftstoffmengen auf den internationalen Markt bringen. Welche Auswirkungen dies auf die weltweite Versorgung und die Preise haben wird, lässt sich derzeit noch nicht zuverlässig abschätzen.
Warum europäische Speditionen kaum unmittelbar profitieren
Für europäische Transportunternehmen ist entscheidend, dass die Europäische Union seit Februar 2023 die Einfuhr russischer raffinierter Ölprodukte, darunter Diesel, untersagt.
Die zusätzlichen russischen Lieferungen können deshalb nicht direkt den europäischen Markt versorgen.
Ein indirekter Preiseffekt ist dennoch möglich. Diesel wird international gehandelt. Wenn russische Lieferungen zusätzliche Nachfrage in den USA oder anderen Märkten decken, könnte sich der Wettbewerb um Kraftstoff aus anderen Herkunftsländern abschwächen.
Ob daraus tatsächlich niedrigere Preise in Europa entstehen, hängt jedoch von der weltweiten Versorgung, den Raffineriekapazitäten, der Nachfrage und weiteren Marktbedingungen ab.
Zudem ist unklar, wie dauerhaft die angekündigten russischen Exportmengen verfügbar sein werden.
Diesel in Deutschland bei knapp 2,30 Euro je Liter
Die europäischen Dieselpreise bleiben auf einem hohen Niveau.
Nach dem Weekly Oil Bulletin der Europäischen Kommission lag der gewichtete EU-Durchschnittspreis am 26. Oktober 2026 bei 2,146 Euro je Liter. Gegenüber der Vorwoche entspricht das einem Anstieg um 0,7 Cent – dem zweiten Wochenanstieg in Folge.
In Deutschland kostete Diesel im selben Zeitraum durchschnittlich 2,298 Euro je Liter und lag damit rund 15 Cent über dem EU-Durchschnitt.
Die Preisunterschiede zwischen den europäischen Märkten bleiben erheblich:
| Land | Dieselpreis je Liter am 26. Oktober |
|---|---|
| Deutschland | 2,298 € |
| Finnland | 2,547 € |
| Dänemark | 2,502 € |
| Niederlande | 2,469 € |
| Rumänien | 2,037 € |
| Ungarn | 1,930 € |
| Spanien | 1,888 € |
| Polen | 1,781 € |
| Malta | 1,210 € |
| EU-Durchschnitt | 2,146 € |
Quelle: Europäische Kommission, Weekly Oil Bulletin, Verbraucherpreise einschließlich Steuern.
Für Transportunternehmen haben selbst vergleichsweise geringe Preisänderungen erhebliche Auswirkungen.
Ein Lkw mit einer jährlichen Fahrleistung von 120.000 Kilometern und einem durchschnittlichen Verbrauch von 30 Litern auf 100 Kilometer benötigt rund 36.000 Liter Diesel pro Jahr.
Ein Preisanstieg um zehn Cent je Liter bedeutet damit zusätzliche Kraftstoffkosten von etwa 3.600 Euro pro Fahrzeug und Jahr.
Bei größeren Flotten summieren sich solche Veränderungen entsprechend.
IEA erwartet angespannten Dieselmarkt bis 2027
Die Internationale Energieagentur (IEA) rechnet weiterhin mit einer angespannten Versorgungslage bei Diesel und Gasöl.
In ihrem Ölmarktbericht vom Oktober 2026 weist sie darauf hin, dass Produktionsausfälle und unterdurchschnittliche Lagerbestände den internationalen Markt belasten.
Nach Einschätzung der IEA dürfte die Versorgungslage trotz einer erwarteten Erholung der Raffinerieproduktion bis weit ins Jahr 2027 angespannt bleiben.
Die Lockerung russischer Exportbeschränkungen wird daran voraussichtlich wenig ändern. Die IEA verweist darauf, dass die russischen Liefermöglichkeiten nicht nur durch politische Entscheidungen, sondern auch durch eingeschränkte Raffineriekapazitäten begrenzt werden.
Keine schnelle Entlastung bei den Transportkosten
Die angekündigten zusätzlichen russischen Dieselausfuhren könnten das weltweite Angebot erhöhen. Für europäische Speditionen lässt sich daraus jedoch noch keine unmittelbare Senkung der Kraftstoffkosten ableiten.
Entscheidend wird sein, ob die geplanten Exportmengen tatsächlich auf den Markt gelangen und wie sich die weltweiten Dieselpreise anschließend entwickeln.
Für Transportunternehmen bleibt die Entwicklung relevant, weil Kraftstoff weiterhin einen wesentlichen Teil der Betriebskosten ausmacht.
Gerade bei stark schwankenden Preisen können vertraglich vereinbarte Dieselzuschläge und Preisanpassungsklauseln helfen, das Kostenrisiko zwischen Auftraggebern und Transportdienstleistern zu verteilen.
Quellen: Russische Regierung, Verordnung vom 31. Oktober 2026; Reuters, 23., 29. und 30. Oktober 2026; Europäische Kommission, Weekly Oil Bulletin vom 26. Oktober 2026; Internationale Energieagentur, Oil Market Report Oktober 2026.








