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THG-Quote wird deutlich angehoben. Mehr Druck auf Diesel, Streit um den richtigen Kurs

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Der Bundestag verschärft die Klimavorgaben im Verkehr massiv. Für Spediteure steigen damit die Kostenrisiken, gleichzeitig wächst der Streit über Biokraftstoffe, E-Fuels und den richtigen Weg zur Dekarbonisierung.

Deutschland zieht die Klimaschraube im Straßengüterverkehr weiter an. Der Bundestag entscheidet am heutigen Nachmittag über die Weiterentwicklung der Treibhausgasminderungs-Quote (THG-Quote). Künftig soll der Anteil erneuerbarer Energien im Verkehr bis 2040 auf 65 Prozent steigen – ursprünglich waren 59 Prozent vorgesehen.

Damit setzt die Bundesregierung die europäische RED-III-Richtlinie um und verschärft zugleich die nationalen Vorgaben deutlich.

Mehr Quote, mehr Kosten: Diesel gerät weiter unter Druck

Mit der steigenden THG-Quote wächst der Druck auf Mineralölunternehmen, ihre Emissionen zu senken. Die Folge: höhere Kosten für fossile Kraftstoffe.

Für die Transportbranche ist das keine abstrakte Klimapolitik, sondern eine konkrete Preisfrage. Denn die Mehrkosten werden entlang der Lieferkette weitergegeben – bis zum Dieseleinkauf der Spediteure.

Gerade im Güterverkehr, der weiterhin stark dieselabhängig ist, dürfte sich das direkt bemerkbar machen.

Biokraftstoffe als Brückentechnologie – politisch gewollt

Eine zentrale Änderung betrifft die Obergrenze für konventionelle Biokraftstoffe. Diese soll laut Ausschussfassung von derzeit 4,4 Prozent auf 5,8 Prozent bis 2032 steigen.

Aus Koalitionssicht ist das notwendig, um kurzfristig verfügbare und vergleichsweise günstige CO2-Minderungsoptionen zu sichern.

Der Mittelstandsverband abfallbasierter Kraftstoffe (MVaK) begrüßt den Schritt. Geschäftsführer Detlef Evers erklärt:

„Damit erhalten alle Marktbeteiligten die dringend benötigte Planungssicherheit und Perspektive.“

Gleichzeitig kritisiert der Verband, dass das Potenzial heimischer Produktion, etwa bei abfallbasiertem Biodiesel – nicht konsequent ausgeschöpft werde.

Wasserstoff und E-Fuels: Investitionssignal – oder teurer Irrweg?

Neben Biokraftstoffen setzt die Politik stärker auf neue Technologien. Die Unterquote für sogenannte RFNBO – also etwa grünen Wasserstoff und synthetische Kraftstoffe – soll schneller steigen als bisher geplant.

Zudem wird Ladestrom aus Biogas ab 2028 erstmals auf die THG-Quote anrechenbar.

Aus Sicht der Koalition sollen damit gezielt Investitionen angereizt werden. Kritiker sehen darin jedoch ein Kostenrisiko.

Scharfe Kritik: „Klimapolitisch fatal“

Besonders deutlich fällt die Kritik der Deutschen Umwelthilfe aus. DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch bezeichnet den Gesetzentwurf als „klimapolitisch fatal und sozial unverantwortlich“.

Unter dem Deckmantel höherer Quoten würden „ineffiziente und umweltschädliche Kraftstoffe schöngerechnet und immer stärker gefördert“, so Resch. Konkret kritisiert die Organisation, dass künftig mehr biogene und synthetische Kraftstoffe eingesetzt werden sollen, obwohl diese begrenzt und kostenintensiv seien.

Auch die geplante Ausweitung von Nahrungs- und Futtermitteln im Tank sieht die DUH kritisch. Es drohe, „dass künftig sogar noch mehr Essen im Tank verbrannt“ werde.

Besonders problematisch seien zudem die vorgesehenen Quoten für Wasserstoff und E-Fuels. Diese seien „extrem hoch“ und setzten Anreize für Technologien, die im Straßenverkehr ineffizient seien.

Mehr Kontrolle nach Betrugsfällen

Ein weiterer Punkt: strengere Regeln bei der Anrechnung erneuerbarer Kraftstoffe. Künftig sollen diese nur noch berücksichtigt werden, wenn Vor-Ort-Kontrollen möglich sind.

Hintergrund sind Betrugsfälle bei importierten Biokraftstoffen. Zudem soll die Anrechnung von Palmöl-Reststoffen vollständig entfallen.

Was das für Spediteure bedeutet

Für die Transport- und Logistikbranche zeichnen sich klare Trends ab:

  • Steigende Betriebskosten: Mit wachsender Quote steigen die Anforderungen – und damit mittelbar die Kraftstoffpreise.
  • Mehr Druck zur Umstellung: Alternative Kraftstoffe und Antriebe werden wirtschaftlich relevanter, auch wenn sie noch nicht flächendeckend verfügbar sind.
  • Komplexere Beschaffung: Kraftstoffe werden stärker reguliert, differenziert und politisch gesteuert – das erschwert Kalkulation und Einkauf.

Der eigentliche Wandel beginnt jetzt

Die politische Zielmarke liegt zwar im Jahr 2040 – die Auswirkungen beginnen jedoch deutlich früher. Bereits ab 2027 soll die Quote spürbar steigen.

Für die Branche heißt das: Die Zeit der Übergangslösungen wird kürzer. Und die Frage, welcher Antrieb sich durchsetzt, wird nicht nur technologisch – sondern zunehmend politisch entschieden.

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