Der aktuelle Marktreport zeigt, dass die wirtschaftliche Gesamtlage angespannt bleibt.
„Von einer Trendwende kann derzeit keine Rede sein: Die deutsche Wirtschaft tritt auf der Stelle, die erhoffte Erholung bleibt aus. Besonders die schwache Produktion im verarbeitenden Gewerbe ist alarmierend und hat gravierende Folgen für die Wirtschaft“, sagt Nikolja Grabowski, Vorstand der ELVIS AG.
Zwar stagniert das Bruttoinlandsprodukt weitgehend (Q2/2025: -0,1 Prozent zum Vorquartal; +0,4 Prozent zum Vorjahresquartal), doch vor allem die Industrieproduktion zeigt dramatische Rückgänge. Besonders deutlich wird dies im Jahresvergleich: Während die Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen im Juni 2025 im Vergleich zum Vorjahresmonat einen Rückgang um 4,8 Prozent verzeichnete, lag das Minus in der Chemieproduktion bei 7,6 Prozent, im Maschinenbau bei 8,7 Prozent. In der Summe liegt die industrielle Produktion um 6,9 Prozent unter dem Vergleichsmonat des Vorjahres.
Diese Entwicklung wirkt sich direkt auf den LKW-Verkehr aus, was sich auch in den branchenspezifischen Erwartungen der ELVIS-Partner widerspiegelt. In einer internen Umfrage gaben rund 49 Prozent der Speditionen im Baustoffbereich und knapp 53 Prozent im Handel an, mit einem gleichbleibenden Transportvolumen in den nächsten vier Wochen zu rechnen. Im Segment Automotive hingegen erwartet die Mehrheit – konkret 38,78 Prozent – einen Rückgang der Sendungsmengen, was auf eine branchenspezifische Schwäche hinweist.
Laderaum knapp, Personal teuer – strukturelle Probleme verschärfen sich
Darüber hinaus bleibt der verfügbare Laderaum aufgrund des anhaltenden Kapazitätsabbaus knapp. Diese Entwicklung spiegelt sich auch im Transportbarometer wider: Im Juli 2025 lag das Verhältnis von Fracht zu Laderaum im innerdeutschen Spotmarkt um 12,2 Prozent höher als im Vorjahresmonat.
„Zuletzt hat sich der Markt allerdings leicht entspannt – vermutlich aufgrund der beginnenden Ferienzeit, die den Druck kurzfristig mindert“, erklärt Grabowski. So ging der Wert im Vergleich zum Vormonat um 5,7 Prozent zurück. „Von Dauer wird diese Entlastung allerdings nicht sein“, ergänzt der ELVIS-Vorstand.
Ein weiterer Belastungsfaktor sind die stark gestiegenen Personalkosten: Die durchschnittlichen Bruttomonatsverdienste in der Transport- und Logistikbranche erhöhten sich im ersten Quartal 2025 um 3,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dies wirkt sich bei einer ohnehin personalintensiven Dienstleistung unmittelbar auf die Rentabilität der Unternehmen aus.
Personalkosten – Wirtschaftszweig Transport und Logistik
- Veränderung Q1/2025 zum Vorquartal: -1,3 Prozent
- Veränderung Q1/2025 zum Vorjahresquartal: +3,9 Prozent
→ Trotz eines kurzfristigen Rückgangs im Vergleich zum Vorquartal, steigen die Personalkosten im Jahresvergleich deutlich an.
Durchschnittliche Bruttomonatsgehälter (2024, mit Sonderzahlungen):
- Deutschland gesamt: 3.430 € / Monat (+3,9 % ggü. 2023)
- Westdeutschland: 3.503 € / Monat (+3,6 %)
- Ostdeutschland: 3.118 € / Monat (+5,7 %)
Quelle: Marktreport ELVIS AG – Ausgabe 2/2025, Statistisches Bundesamt (Destatis)
Veränderung der Treibstoffkosten
Während die Großhandelsverkaufspreise sich im Vergleich zum Vorjahresmonat kaum verändert haben (+0,5 Prozent; Juli 2024), bleiben die Treibstoffkosten moderat niedrig.
Diesel
- Veränderung Juli 2025 zum Vormonat: +1,0 Prozent
- Veränderung Juli 2025 zum Vorjahresmonat: -2,1 Prozent
→ Die Dieselpreise sind im Jahresvergleich leicht gesunken, bleiben aber auf moderatem Niveau.
Quelle: Marktreport ELVIS AG – Ausgabe 2/2025, Statistisches Bundesamt (Destatis) – Stand 21.08.2025
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LNG (Flüssigerdgas)
- Veränderung August 2025 zum Vormonat: +22,1 Prozent
- Veränderung August 2025 zum Vorjahresmonat: -15,1 Prozent
→ Deutlicher Preisanstieg im Monatsvergleich, aber auf Jahressicht weiterhin deutlich günstiger.
Quelle: Marktreport ELVIS AG – Ausgabe 2/2025, Onlinequellen repräsentativer LNG-Lieferanten – Stand 20.08.2025
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AdBlue
- Veränderung Juli 2025 zum Vormonat: -0,2 Prozent
- Veränderung Juli 2025 zum Vorjahresmonat: +5,9 Prozent
→ Kosten für AdBlue steigen im Jahresvergleich spürbar.
Quelle: Marktreport ELVIS AG – Ausgabe 2/2025, Statistisches Bundesamt (Destatis) – Stand 21.08.2025
Regulatorik und Unsicherheit hemmen Investitionen – ELVIS empfiehlt Technologieoffensive
Trotz angekündigter Investitionspakete der neuen Bundesregierung sind bislang keine spürbaren Impulse für die Branche zu verzeichnen. Im Gegenteil: Bürokratische Hürden und hohe Abgaben belasten die wirtschaftliche Planungssicherheit zusätzlich.
„Die aktuelle weltpolitische Lage sorgt für zusätzliche Unsicherheit und verhindert jede Aufbruchsstimmung“, warnt Grabowski.
„Steigende Insolvenzzahlen zeigen nur die Spitze des Eisbergs”
Wie der Speditionsverbund berichtet, sind die Insolvenzzahlen zuletzt deutlich gestiegen – ein Trend, der laut Vorstand Grabowski nur die Spitze des Eisbergs darstellt – Zahlen nennt der Verband allerdings nicht.
„Die zuletzt spürbar gestiegenen Insolvenzzahlen verdeutlichen, wie stark die Transportwirtschaft unter Kostendruck, Fachkräftemangel und regulatorischen Belastungen leidet – ein ernstzunehmendes Alarmsignal und vermutlich nur die Spitze des Eisbergs“, warnt der ELVIS-Vorstand.
Angesichts dessen ruft der Speditionsverbund zur strategischen Neuausrichtung auf. Unternehmen müssten ihre Kosten- und Preisstrukturen kontinuierlich evaluieren. Der wichtigste Hebel laut Grabowski:
„Auch in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten gezielt in moderne Technologien investieren, um Abläufe zu digitalisieren und effizient zu optimieren.“