Gründerinterview: Die Logistik war eine Black Box

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Alaiko ist ein Fulfillment-Anbieter für D2C E-Commerce Brands. Das Alaiko Operating System® ermöglicht transparente und automatisierte Prozesse in Lager & Logistik, die Steuerung des Fulfillments liegt in den Händen des Online-Shops.

Gründerinterview: Die Logistik war eine Black Box
Foto: Alaiko Gründer: Moritz Weisbrodt (links) und Gabriel Thomalla (rechts)

Natalia Jakubowska, Trans.INFO: Was genau macht Ihr Start-up?

Moritz Weisbrodt, Founder & CEO von Alaiko: Alaiko’s Mission ist es, die E-Commerce Logistik mit der nächsten Generation von E-Commerce Operations zu revolutionieren. Unser Ansatz besteht aus drei miteinander verbundenen Grundpfeilern:

Mit einer überlegenen Infrastruktur aus modernstem Warehousing bietet Alaiko alle Logistikdienstleistungen aus einer Hand. Durch automatisierte Prozesse und quasi unbegrenzte Wachstumsmöglichkeiten sichern sich erfolgreiche E-Commerce D2C Brands den Wettbewerbsvorteil in puncto schnellste Lieferungen.

Ergänzt wird die Warehouse-Infrastruktur durch das Operating System ”Alaiko OS”. Dieses ermöglicht die Automatisierung interner Prozesse und starke Effizienzsteigerungen. Onlineshops haben über die Plattform jederzeit Einblick und Steuerungsmöglichkeiten in alle Schritte des Fulfillments.

Für eine hervorragende Post-Purchase Experience bietet Alaiko die Möglichkeit, Bestelländerungen, die Sendungsverfolgung und die Retouren von den Käufer:innen selbst vornehmen zu lassen. Sie werden stets proaktiv informiert, können selbst Anpassungen vornehmen und erhalten so nicht nur schnellere Lieferungen, sondern ein hervorragendes Einkaufserlebnis.

Was für ein Problem wird durch Ihr Produkt gelöst? Welche Nachfrage wird damit gedeckt?

Für erfolgreiche D2C E-Commerce Brands sind Operations und Kundenservice oftmals die größten Herausforderungen, um schnell und reibungslos zu skalieren. Die Antwort auf wachsendes Bestellaufkommen und steigende Komplexität lautet meist mehr Personal in diesen Bereichen einzustellen. Genau hier kommt Alaiko ins Spiel.

Alaiko als Fulfillment as a Service-Plattform bietet alles aus einer Hand: Automatisierung und Effizienz in der Logistik, schnelle Lieferzeiten und zufriedene Käufer:innen. So hilft Alaiko bei der reibungslosen Skalierung – ganz ohne Erhöhung des Headcounts in Kundenservice und Operations.

Was ist Ihre Zielgruppe?

Von Alaiko profitieren etablierte und erfolgreiche D2C-Unternehmen, die im E-Commerce weiter stark wachsen wollen. Denn mit der schnellen Skalierung kommen immer größere Herausforderungen in Kundenservice und Operations auf sie zu. Ohne moderne, automatisierte Prozesse und einen starken Fulfillment-Partner sind diese nicht mehr stemmbar.

Inwiefern entspricht das Produkt den aktuellen Markttrends?

Hier geht es vor allem um Erwartungen der Käufer:innen. Denn die sind Amazon-Standards mittlerweile gewöhnt und erwarten diese generell beim Online-Shopping: Lieferung am nächsten Tag und das möglichst kostenlos. Bei Problemen möchten sie nicht stundenlang FAQs durchforsten oder tagelang auf eine Antwort des Kundenservice warten.

Wenn Brands hier auf sehr moderne Fulfillment-Partner mit einer starken Software-Komponente setzen, sichern sie sich alle diese Vorteile: Schneller Versand, beste Konditionen, proaktive Kommunikation mit den Käufer:innen und eine außergewöhnliche Customer Experience nach dem Kauf. Ohne selbst in Lagerhäuser, unendlich viel Personal und eigene Software-Entwicklung investieren zu müssen.

Wann und wie sind Sie auf Ihre Gründungsidee gekommen?

Mit einer D2C E-Commerce Brand erlebten mein Co-Founder Gabriel und ich die vielen logistischen Herausforderungen für reibungslose Skalierung: Viele Prozesse waren ineffizient und vor allem intransparent. Die Logistik insgesamt war eine Black Box und sehr viel manuelle Arbeit. Viele Systeme waren veraltet. All das führte dazu, dass die Möglichkeiten im großen Stil zu verkaufen und schnell zu skalieren, nicht gegeben waren. Diese Herausforderungen galt es zu lösen – deshalb haben wir Alaiko gegründet.

Welche Art von Wissen hatten Sie in diesem Bereich während der Gründung Ihres Startups? Und wie haben Sie Ihr Produkt überprüft?

Zum einen haben wir durch die Erfahrungen mit der D2C E-Commerce Brand bereits sehr viele Pain Points der Kund:innen selbst erlebt. Dazu ist Alaiko das mittlerweile dritte Unternehmen, das wir gegründet haben. Diese Erfahrung war sicherlich ein Vorteil. Überprüft haben wir unser Produkt in sehr enger Zusammenarbeit mit unseren Kund:innen. So konnten wir ein komplexes Produkt mit einem ausgereiften Geschäftsmodell schaffen, das stark nachgefragt wird.

Woher kam das Kapital für Ihr Unternehmen?

Im Januar 2022 haben wir unsere Series A- Finanzierungsrunde über 30 Millionen Dollar abgeschlossen, mit namhaften Investoren wie Next47 und Tiger Global sowie zahlreichen Business Angels.

Was hätten Sie rückblickend in der Startphase anders gemacht?

Die Anfangsphasen der Skalierung unseres Teams und unserer Operations fiel auf den Beginn der Corona-Pandemie – das war ein zweischneidiges Schwert. Einerseits kam uns das starke Wachstum des E-Commerce-Markts sehr zu Gute.

Gleichzeitig mussten wir schnell lernen, mit Peaks in Versandvolumen umzugehen und uns entsprechend darauf vorzubereiten (z.B. aufgrund von Werbeaktionen unserer Kund:innen). Solche Peaks sind durch die Marktentwicklung noch viel extremer ausgefallen und haben unsere operativen und Server-Kapazitäten auf die Probe gestellt.

Was das Team betrifft, sind wir bei Alaiko stolz auf unsere Firmenkultur, die sehr stark auf persönliche Beziehungen zwischen Kolleg:innen baut. Unser Team wegen des Lockdowns ins Homeoffice schicken zu müssen, hätte ich deshalb – insbesondere in unserer Startphase – gerne vermieden.

Welche Tipps können Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben?

Vor der Gründung: Sucht euch Mentor:innen und haltet euch an sie. Ihre Erfahrung und ihr Rat sind enorm wichtiges Kapital für euch.

Bei der Gründung: Eure ursprüngliche Idee wird nie das Endprodukt sein. Seid offen für Iterationen – es ist ein Mythos, dass sie von Investor:innen oder der Öffentlichkeit als Scheitern wahrgenommen werden.

Bei der Skalierung: Konzentriert euch von Anfang an auf den Aufbau einer großartigen Unternehmenskultur! Das ist die größte Talent- und Bindungsquelle.

Was ist die größte unmittelbare Herausforderung für Ihr Unternehmen und wo sehen Sie sich selbst in fünf Jahren?

Aktuell treiben wir unsere Expansionspläne sehr stark voran, denn wir möchten die global führende Operations Plattform für E-Commerce Champions werden. Idealerweise können wir in fünf Jahren hierzu auf ein starkes, internationales Logistiknetzwerk in Europa und den USA zurückgreifen.

Was würden Sie beruflich machen, wenn Sie kein Start-up hätten?

Wäre ich kein begeisterter Gründer, wäre ich gerne Arzt geworden. Und würde ich nicht an einer eigenen Gründungsidee arbeiten, könnte ich mich wahrscheinlich dennoch nicht von der Startup Welt lösen, da ich nebenher auch als Angel Investor und Mentor von anderen Gründer:innen sehr aktiv bin.

 

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