In den vergangenen Jahren hat der grenzüberschreitende Einkauf in Europa, insbesondere über Plattformen wie AliExpress, Shein, Temu und JD.com – deutlich an Dynamik gewonnen. Immer mehr Verbraucher entscheiden sich für günstigere Produkte aus Asien, angezogen von einer breiten Auswahl und aggressiven Aktionen. In der Folge erreichten die Importe von E-Commerce-Paketen aus Ländern außerhalb der Europäischen Union 2025 ein Rekordniveau – bis zu 5,8 Milliarden Sendungen mit einem Wert von bis zu 150 € gelangten in die EU, was einem Anstieg von 26 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. Das ist eine Herausforderung für die europäischen Zollbehörden, die mit einem massiven Zustrom an Sendungen umgehen müssen. Auch die Hersteller in der EU spüren den Druck.
Probleme bei der Sendungskontrolle
Das Ausmaß der Importe führt dazu, dass gründliche Kontrollen des Paketinhalt immer schwieriger werden. In der Praxis ist eine vollständige Überprüfung jeder Sendung nahezu unmöglich, was das Risiko erhöht, dass falsch deklarierte oder gefährliche Produkte auf den Markt gelangen. Nach Daten der Europäischen Kommission wird zudem der Wert vieler Sendungen zu niedrig angegeben, um Zölle zu umgehen – das erschwert einen fairen Wettbewerb für europäische Hersteller.
Herausforderungen für lokale Unternehmen
Besonders stark von den Auswirkungen der Paketlawine aus China betroffen sind die Bereiche Bekleidung, Unterhaltungselektronik und Haushaltswaren. Europäische Hersteller müssen nicht nur beim Preis konkurrieren, sondern auch bei Produktqualität und Lieferpünktlichkeit. Unternehmen, die mit technologischen und logistischen Anpassungen nicht Schritt halten, verlieren Marktanteile.
Maßnahmen der Europäischen Union
Als Reaktion auf den wachsenden Zustrom an Sendungen führt die EU legislative und administrative Änderungen ein. Ab Juli ist die Einführung einer Pauschalgebühr von 3 € für jedes Paket geplant, das aus einem Land außerhalb der EU importiert wird und dessen Wert 150 € nicht überschreitet – ebenso wie die Abschaffung der Mehrwertsteuerbefreiung für Kleinsendungen. Zudem wird an einer europäischen Bearbeitungsgebühr gearbeitet, die Paketkontrollen erleichtern und für gleiche Wettbewerbsbedingungen für lokale Unternehmen sorgen soll.
Chinesische Plattformen investieren in lokale Logistik
Als Reaktion auf die geplanten Änderungen im europäischen Recht bauen chinesische E-Commerce-Unternehmen ihre Lagerkapazitäten in Europa aus. Dadurch können sie Bestellungen schneller erfüllen und Importkosten teilweise umgehen. Erinnern wir uns: Ende vergangenen Jahres kündigte Shein die Eröffnung eines neuen E-Commerce-Logistikzentrums im Landkreis Wrocław in Niederschlesien an. Die neue Anlage soll zu den modernsten ihrer Art in Europa gehören und als Sheins wichtigster Logistik-Hub in Europa dienen – mit dem Ziel, mehr als 100 Millionen Kunden auf dem Kontinent schneller und effizienter zu beliefern. Ein weiteres Beispiel ist Temu, das plant, bis zu 80 % der europäischen Bestellungen aus lokalen Lagern abzuwickeln. Solche Maßnahmen verkürzen die Lieferzeiten und passen zu einer langfristigen Entwicklungsstrategie in der Region.











