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Amazon macht sein Logistiknetz zum Angebot für alle Unternehmen – Druck auf UPS, FedEx und DHL steigt

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Amazon vermarktet seine eigene Logistikinfrastruktur jetzt auch außerhalb des eigenen Marktplatzes. Was bislang vor allem das Rückgrat des Amazon-Handels war, wird damit zu einem eigenständigen Drittanbieter-Angebot. Mit Amazon Supply Chain Services rückt der Konzern näher an klassische Logistiker wie UPS, FedEx, DHL, GXO und weitere heran - und an der Börse blieb das nicht ohne Folgen.

Der Konzern teilte am Montag mit, dass Amazon Supply Chain Services (ASCS) Unternehmen Zugang zu seinen Leistungen in den Bereichen Fracht, Distribution, Fulfillment und Paketversand bietet – unabhängig davon, ob diese Firmen über Amazon verkaufen oder nicht. Zielgruppe sind laut Amazon „Unternehmen jeder Art und Größe“, unter anderem aus dem Gesundheitswesen, der Automobilbranche, der Industrie sowie dem Handel.

„Amazon stellt Unternehmen weltweit die Infrastruktur, die Intelligenz und die Skalierung seiner Supply-Chain-Services zur Verfügung – über Jahrzehnte erprobt – ähnlich wie Amazon Web Services das Cloud-Computing für viele erst möglich gemacht hat“, sagte Peter Larsen, Vice President von Amazon Supply Chain Services, in der Mitteilung des Unternehmens.

Amazon zufolge können Firmen über ASCS Waren transportieren, lagern und ausliefern – von Rohstoffen bis zu fertigen Produkten – und dabei dieselbe Lieferkette nutzen, die auch Amazon.com bedient.

ASCS soll Unternehmen ermöglichen, Waren über die Amazon-Lieferkette zu transportieren, zu lagern und auszuliefern.

ASCS soll Unternehmen ermöglichen, Waren über die Amazon-Lieferkette zu transportieren, zu lagern und auszuliefern. Infografik: Amazon News

Zum Leistungspaket gehören Fracht, Distribution, Fulfillment und Paketversand. Amazon verweist darauf, dass das Frachtangebot See-, Luft-, Straßen- und Schienentransporte abdeckt. Branchenberichte, die sich auf Unterlagen zum Start beziehen, nennen als Umfang des Netzwerks mehr als 80.000 Anhänger, über 24.000 intermodale Container und mehr als 100 Flugzeuge.

Wie Supply Chain Dive berichtet, greift der Service außerdem auf Amazons Netz aus mehr als 200 Fulfillment-Centern in den USA zurück. Genannt werden unter anderem Komplettladungen, Teilladungen und intermodale Transporte, Luftfracht, Importverkehre China–USA inklusive Zollabfertigung, Lagerung großer Volumina mit Distribution sowie Paketversand mit Laufzeiten von zwei bis fünf Tagen.

Zu den ersten Nutzern zählen laut Amazon Procter & Gamble, 3M, Lands’ End und American Eagle Outfitters. Procter & Gamble setzt die Amazon-Frachtdienste demnach sowohl für Rohstoffe als auch für Fertigwaren ein. 3M nutzt das Netzwerk laut Amazon, um Sendungen von Produktionsstandorten in Distributionszentren zu bewegen.

Logistikwerte reagieren mit Kursverlusten

Die Ankündigung setzte etablierte Logistiktitel unmittelbar unter Druck. Reuters berichtete, dass die Aktien von UPS und FedEx um mehr als 9 Prozent nachgaben; auch DHL, GXO und Maersk wurden demnach in Mitleidenschaft gezogen. Reuters wertete den Start als direkte Kampfansage an UPS und FedEx im US-Logistikmarkt.

Nach Angaben des Wall Street Journal gehörten UPS und FedEx durch den Kursrutsch an diesem Tag zu den schwächsten Werten im S&P 500. Die Amazon-Aktie legte hingegen zu. Damit richtet sich der Blick vieler Marktteilnehmer auch stärker auf den Spotmarkt und die Frage, wie stark zusätzliche Kapazitäten und neue Anbieter die Preis- und Vertragslandschaft verändern.

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