Quelle: Adobestock / industrieblick

Krise frisst sich durch die Lieferketten: Immer mehr Firmen fürchten um ihre Existenz

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Nicht nur Industrie und Handel geraten unter Druck - die wirtschaftliche Schwäche breitet sich inzwischen entlang der gesamten Lieferkette aus. Laut ifo Institut sieht mittlerweile jedes zwölfte Unternehmen in Deutschland seine Existenz bedroht. Besonders betroffen: Handel, Gastronomie, Bau und die Logistik.

Dieser Text wurde vollständig von einem Redakteur verfasst – basierend auf fachlichem Wissen, journalistischer Erfahrung und sorgfältiger Recherche. Künstliche Intelligenz kam dabei nicht zum Einsatz.

Die wirtschaftliche Lage vieler Unternehmen in Deutschland verschlechtert sich weiter. Nach Angaben des ifo Instituts sehen 8,1 Prozent der Unternehmen – also etwa jedes zwölfte – ihre wirtschaftliche Existenz bedroht. Das ergab die ifo-Konjunkturumfrage im April 2026.

„Die wirtschaftliche Lage bleibt angespannt“, erklärte ifo-Experte Klaus Wohlrabe. Die Insolvenzzahlen dürften „vor dem Hintergrund der geopolitischen Unsicherheit in den kommenden Monaten auf einem hohen Niveau bleiben“.

Auffällig ist dabei vor allem, wie stark sich die Krise inzwischen entlang der Lieferketten ausbreitet. Unternehmen berichten laut ifo zunehmend von Liquiditätsproblemen, weil Kunden sparen, Aufträge verschieben oder selbst insolvent werden.

„Wenn Kunden wegbrechen oder Aufträge stornieren, trifft das die Zulieferer und Dienstleister mit voller Wucht“, so Wohlrabe.

Logistik unter Druck

Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung inzwischen auch im Transport- und Logistiksektor. Bereits Ende April hatte das ifo Institut von „düsteren Aussichten“ für die Logistik gesprochen.

Parallel dazu ist die LKW-Fahrleistung auf deutschen Autobahnen zuletzt erneut gesunken. Der Maut-Fahrleistungsindex gilt als wichtiger Frühindikator für Industrie und Güterverkehr und deutet weiter auf eine schwache Nachfrage hin.

Damit treffen derzeit mehrere Belastungen gleichzeitig auf die Branche: hohe Energie- und Betriebskosten, zurückhaltende Industrieproduktion und sinkende Auftragsvolumina.

Einzelhandel erreicht neuen Höchststand

Am stärksten betroffen ist laut ifo derzeit der Einzelhandel. Dort sehen 17,4 Prozent der Unternehmen ihre Existenz bedroht – so viele wie noch nie seit Beginn der Erhebung. Als Hauptgründe nennt das Institut die Kaufzurückhaltung der Verbraucher, den wachsenden Online-Handel und den zunehmenden Druck durch Billiganbieter aus dem Ausland.

Auch im Gastgewerbe bleibt die Lage kritisch. In Hotellerie und Gastronomie sieht sich fast jedes fünfte Unternehmen existenziell bedroht.

Im Bauhauptgewerbe stieg der Anteil gefährdeter Unternehmen auf 7,3 Prozent. Dort belasten laut ifo vor allem der schwache Wohnungsbau, lange Genehmigungsverfahren und die zurückhaltende Kreditvergabe der Banken.

Unternehmen wollen Preise weiter erhöhen

Gleichzeitig planen viele Unternehmen weitere Preiserhöhungen. Der ifo-Indikator für die Preiserwartungen stieg im April von 25,5 auf 31,6 Punkte – den höchsten Stand seit Januar 2023.

Besonders stark fiel der Anstieg in energieintensiven Branchen aus. In der Chemieindustrie sprang der Wert laut ifo von 31,8 auf 61,7 Punkte.

ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser erklärte, der Iran-Krieg hinterlasse „seine Spuren in der deutschen Wirtschaft“. Viele Unternehmen gäben die gestiegenen Energiekosten inzwischen an ihre Kunden weiter.

Die aktuellen Daten zeigen damit vor allem eines: Die wirtschaftliche Schwäche betrifft längst nicht mehr nur einzelne Branchen, sondern zieht sich zunehmend durch ganze Liefer- und Wertschöpfungsketten.

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