Das Wichtigste im Überblick
- Jungheinrich beteiligt sich am Automatisierungsspezialisten Navflex
- Ziel ist die autonome Be- und Entladung von Lkw
- Feldtests bei Großkunden laufen bereits
- Die Lösung soll ohne zusätzliche Infrastruktur auskommen
- Die Laderampe gilt als einer der am schwierigsten zu automatisierenden Bereiche der Intralogistik
Warum die Laderampe bislang ein Sonderfall ist
Während autonome Transportfahrzeuge, Robotik und automatisierte Lagertechnik in vielen Logistikzentren bereits eingesetzt werden, bleibt das Be- und Entladen von Lkw eine besondere Herausforderung.
Anders als in standardisierten Lagerumgebungen treffen an der Rampe zahlreiche variable Faktoren aufeinander: unterschiedliche Auflieger, wechselnde Ladungsträger, begrenzte Platzverhältnisse sowie ständig wechselnde Licht- und Umgebungsbedingungen.
Hinzu kommt, dass Menschen, Stapler und Fahrzeuge häufig gleichzeitig im selben Arbeitsbereich unterwegs sind. Entsprechend hoch sind die Anforderungen an Navigation, Sicherheit und Zuverlässigkeit automatisierter Systeme.
Jungheinrich und Navflex entwickeln gemeinsame Lösung
Mit der Beteiligung an Navflex will Jungheinrich diesen bislang schwer automatisierbaren Bereich erschließen.
Nach Angaben des Unternehmens basiert die gemeinsame Entwicklung auf einer Fahrzeugplattform von Jungheinrich, die speziell für den automatisierten Einsatz an der Laderampe weiterentwickelt wird. Navflex steuert die Software für autonome Wahrnehmung, Navigation, Sicherheit und Prozesssteuerung bei.
„Das Be- und Entladen von Lkw ist für viele unserer Kunden ein zentraler Engpass im Materialfluss“, sagt Dr. Tobias Harzer, Chief Automation Officer der Jungheinrich AG.
Neben Robustheit und Manövrierfähigkeit spiele dabei insbesondere die Sicherheit im Mischverkehr zwischen Menschen und automatisierten Fahrzeugen eine zentrale Rolle.
Navflex-CEO Chuck Stovall verweist auf die technische Komplexität des Anwendungsfalls:
„Wir haben uns bewusst einem Problem gewidmet, das lange als kaum automatisierbar galt.“
Feldtests bei Großkunden laufen bereits
Die gemeinsame Lösung befindet sich nach Unternehmensangaben bereits in umfangreichen Praxistests bei Großkunden in Europa und Nordamerika.
Dabei soll überprüft werden, wie zuverlässig die Technologie unter realen Betriebsbedingungen funktioniert. Angaben zu einem konkreten Marktstart machten die Unternehmen bislang nicht.
Automatisierung rückt zunehmend an die Rampe
Die Initiative von Jungheinrich steht exemplarisch für einen breiteren Trend in der Logistikbranche. Nachdem in den vergangenen Jahren vor allem Lager- und Kommissionierprozesse automatisiert wurden, rückt zunehmend die Schnittstelle zwischen Lager und Transport in den Fokus.
Unternehmen suchen nach Möglichkeiten, manuelle Tätigkeiten zu reduzieren, Prozesse zu beschleunigen und die Produktivität an den Umschlagpunkten zu erhöhen. Die Laderampe gilt dabei als einer der Bereiche mit dem größten Automatisierungspotenzial.
Auch andere Anbieter arbeiten an entsprechenden Lösungen. So hat GXO Logistics Anfang 2026 am polnischen Standort Elbląg erstmals in Europa ein automatisiertes Autoload-System für die Be- und Entladung von Trailern in Betrieb genommen. Während dort komplette Verladevorgänge automatisiert werden, verfolgen Jungheinrich und Navflex einen anderen Ansatz: Im Mittelpunkt steht ein autonomes Fahrzeug, das sich selbstständig im Umfeld von Rampe und Trailer bewegen kann.
Beteiligung mit strategischer Bedeutung
Für Jungheinrich ist die Beteiligung mehr als eine reine Finanzinvestition. Das Unternehmen sichert sich damit Zugang zu einer Technologie, die bislang nur in wenigen Pilotprojekten eingesetzt wird.
Gleichzeitig unterstreicht der Hamburger Konzern seinen Kurs, das Geschäft mit Automatisierung, Robotik und KI-gestützten Logistiklösungen weiter auszubauen.
Ob sich autonome Systeme für das Be- und Entladen von Lkw künftig im großen Maßstab durchsetzen werden, ist derzeit noch offen. Die laufenden Feldtests dürften jedoch wichtige Erkenntnisse darüber liefern, wie weit die Automatisierung an der Laderampe tatsächlich vorangeschritten ist – und ob einer der bislang komplexesten Prozesse der Intralogistik künftig ohne manuelle Eingriffe auskommen kann.









