Das Wichtigste im Überblick
- MAN produziert den eTGX und eTGS erstmals serienmäßig mit MCS.
- Die Ladeleistung beträgt nach Herstellerangaben bis zu 750 kW.
- Sechs Batterien lassen sich laut MAN in weniger als 30 Minuten von 20 auf 80 Prozent laden.
- Die ersten Fahrzeuge gehen an Kunden in neun europäischen Ländern.
- Öffentliche MCS-Ladepunkte sind bislang nur an einzelnen Standorten verfügbar.
Erste Serienfahrzeuge verlassen das Münchner Werk
Bei MAN ist der erste serienmäßig gefertigte Elektro-Lkw mit Megawatt Charging System vom Band gelaufen. Die Technik ist für die Baureihen eTGX und eTGS erhältlich. Erste Fahrzeuge sollen schrittweise an Kunden in Belgien, Dänemark, Deutschland, Großbritannien, Italien, den Niederlanden, Norwegen, Spanien und Tschechien ausgeliefert werden.
MAN bezeichnet sich als ersten europäischen Hersteller, der MCS-fähige Elektro-Lkw in Serie produziert. Bislang kam die Technik bei europäischen Lkw-Herstellern vor allem in Versuchsfahrzeugen, Tests und vorbereiteten Serienmodellen zum Einsatz.
MCS ist auf den hohen Energiebedarf schwerer Nutzfahrzeuge ausgelegt. Die höheren Ladeleistungen sollen es ermöglichen, Elektro-Lkw während der vorgeschriebenen Fahrtunterbrechungen nachzuladen und dadurch auch längere Umläufe abzudecken.
Bis zu 750 kW Ladeleistung
Nach Angaben von MAN können eTGX und eTGS über MCS mit bis zu 750 kW geladen werden. Dabei fließen laut Hersteller bis zu 1.000 Ampere bei einer Spannung von bis zu 750 Volt. Über das bisher eingesetzte Combined Charging System erreichen die Fahrzeuge maximal 375 kW.
Für einen Ladevorgang von 20 auf 80 Prozent nennt MAN folgende Werte:
- Bei sechs Batterien und 534 kWh installierter Gesamtkapazität soll der Vorgang weniger als 30 Minuten dauern.
- Bei sieben Batterien und 623 kWh sollen weniger als 40 Minuten genügen.
Damit läge der Ladestopp bei der Version mit sechs Batterien innerhalb der 45-minütigen Unterbrechung, die nach spätestens viereinhalb Stunden Lenkzeit vorgeschrieben ist. Ob sich die genannten Zeiten im Betrieb erreichen lassen, hängt allerdings unter anderem von Batterietemperatur, Ladezustand, verfügbarer Anschlussleistung und Auslastung des Ladeparks ab.

Quelle: MAN Truck & Bus
Die Position des MCS-Anschlusses befindet sich vorne links. Darüber hinaus bietet MAN weitere CCS-Anschlüsse an. Je nach Ausführung können diese vorne rechts oder bei Fahrgestellen auch im hinteren Fahrzeugbereich liegen. Das erleichtert das Laden an unterschiedlich aufgebauten Depots und öffentlichen Stationen.
Mehr als 1.000 Kilometer am Tag unter bestimmten Bedingungen
MAN gibt für seine Elektro-Lkw Reichweiten von bis zu 570 Kilometern zwischen zwei Ladestopps an. Zusammen mit einer Zwischenladung seien Tagesfahrleistungen von mehr als 1.000 Kilometern innerhalb einer vergleichbaren Arbeitszeit wie bei einem Diesel-Lkw möglich.
Für Flottenbetreiber ist dabei entscheidend, dass die Reichweitenangabe kein allgemeingültiger Praxiswert ist. Verbrauch und Reichweite verändern sich unter anderem mit Gesamtgewicht, Aufbau, Geschwindigkeit, Topografie, Witterung und Nebenverbrauchern. Auch eine theoretisch passende Ladepause hilft nur, wenn auf der Strecke ein verfügbarer MCS-Ladepunkt mit ausreichender Netzleistung liegt.
Der Serienstart löst deshalb nur einen Teil des Problems. Die Fahrzeuge können nun mit der Technik bestellt und ausgeliefert werden. Für einen flexibel planbaren europäischen Fernverkehr muss die Infrastruktur jedoch auf denselben Routen und in ausreichender Zahl verfügbar sein.
MAN ist nicht der einzige Hersteller mit MCS-Plänen
Auch andere europäische Lkw-Hersteller arbeiten an der Einführung des Megawattladens. Mercedes-Benz Trucks erprobte den MCS-Standard Anfang 2026 mit zwei eActros 600 auf einer 2.400 Kilometer langen Fahrt zwischen Deutschland und Schweden. Der Hersteller bietet den eActros 600 bislang mit einer Vorbereitung für das spätere Megawattladen an.
Scania nennt für seine batterieelektrischen Lkw ebenfalls eine MCS-Ladeleistung von 750 kW. Nach Angaben des Herstellers ist die Technik seit 2026 für Fahrzeugbestellungen vorgesehen. Damit entwickelt sich MCS zunehmend zu einer herstellerübergreifenden Lösung und nicht zu einem proprietären System einzelner Marken.
Gerade für Speditionen ist diese Kompatibilität entscheidend. Öffentliche Ladeparks müssen Fahrzeuge unterschiedlicher Hersteller bedienen können, ohne dass Betreiber ihre Routen nach markenspezifischen Anschlüssen planen müssen.
Öffentliche MCS-Punkte bleiben die Ausnahme
Beim Aufbau des Ladenetzes gibt es Fortschritte, von einer flächendeckenden Versorgung kann aber noch keine Rede sein. Das Gemeinschaftsunternehmen Milence, getragen von Daimler Truck, der Traton Group und der Volvo Group, errichtet Ladeparks für schwere Elektro-Lkw entlang europäischer Güterverkehrskorridore.
Öffentlich zugängliche MCS-Anlagen betreibt Milence unter anderem in Antwerpen, Zwolle und Landvetter. In Antwerpen stehen nach Angaben des Unternehmens MCS-Ladepunkte mit zusammen 2,8 MW bereit. Anfang Juni 2026 eröffnete Milence seinen 37. Ladepark in Europa; nicht alle Standorte verfügen jedoch bereits über MCS. Viele Anlagen arbeiten zunächst mit CCS und sollen später erweitert werden.
Damit zeigt sich die derzeitige Lücke: Einzelne MCS-Standorte beweisen, dass die Technik funktioniert. Für den Alltag internationaler Fernverkehrsflotten reicht eine kleine Zahl von Ladepunkten entlang ausgewählter Korridore jedoch nicht aus.
Was Flottenbetreiber vor dem Einsatz prüfen müssen
Für Unternehmen, die einen MCS-fähigen eTGX oder eTGS einsetzen wollen, reicht der Blick auf Reichweite und Ladeleistung nicht. Vor der Beschaffung müssen konkrete Umläufe geprüft werden: Wo kann geladen werden, welche Leistung steht dort tatsächlich zur Verfügung und gibt es bei Ausfall oder Belegung eine Alternative?
Hinzu kommen die Anschlussbedingungen am eigenen Standort. Ladeleistungen im hohen dreistelligen Kilowattbereich erfordern häufig einen Ausbau des Netzanschlusses, zusätzliche Transformatoren und ein betriebliches Lastmanagement. Gerade bei mehreren gleichzeitig ladenden Fahrzeugen kann die verfügbare Anschlussleistung zum begrenzenden Faktor werden.
MAN berücksichtigt nach eigenen Angaben bestehende und geplante MCS-Standorte in seiner Einsatzberatung. Solche Planungen können das fehlende öffentliche Netz allerdings nur teilweise ausgleichen. Am einfachsten lassen sich die Fahrzeuge zunächst auf festen Relationen einsetzen, bei denen Ladepunkte im Depot, beim Kunden oder an verlässlich verfügbaren Korridorstandorten eingeplant werden können.
Fahrzeugangebot wächst schneller als das Ladenetz
Mit der Serienproduktion macht MAN aus dem Megawattladen ein reguläres Fahrzeugangebot. Die Ladezeiten rücken damit in einen Bereich, der sich grundsätzlich mit den Abläufen im Fernverkehr vereinbaren lässt.
Der Engpass verlagert sich nun deutlicher auf die Infrastruktur. Solange MCS-Ladepunkte nur punktuell verfügbar sind, bleibt der Einsatz vor allem auf planbare Verkehre mit gesicherter Lademöglichkeit beschränkt. Erst ein dichteres Netz entlang der europäischen Hauptachsen wird zeigen, ob sich die versprochenen Tagesfahrleistungen auch außerhalb sorgfältig vorbereiteter Routen zuverlässig erreichen lassen.









